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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Schwere Behandlungsfälle der Sanitätswache der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung vom 6. Juni 1895 
bis 15. Oktober 1896 
kamen im ganzen 37 vor, mit Ausnahme der 
schon erwähnten Todesfälle. Hiervon fallen 27 auf 
die Bauzeit und 10 auf die Ausstellungzeit. 
I. Bei den schweren Fällen der Bauzeit (27) 
handelte es sich um 
1. 17 Fälle von Absturz, welche verursachten: 
a) 4 Gehirnerschütterungen (J.-No. 10, 138, 
454» 603), 
b) 2 schwere innere Verletzungen (J.-No. 174, 
372), 
c) 2 Verstauchungen der Wirbelsäule (J.-No. 
714, 323). 
d) 1 Bruch der Wirbelsäule (J.-No. 230), 
e) 6 Extremitätenbrüche (J.-No. 234, 395, 
396. 397- 398. 430), 
f) 1 Schädelbruch (J.-No. 428), 
g) 1 Beckenbruch (J.-No. 783). 
2. 2 Quetschungen des Rückgrates (J.-No. 54, 
466). 
3. 4 grosse Quetschwunden, Brüche etc. an den 
Extremitäten (J.-No. 17, 52, 147, 340). 
4. 1 Verbrennung des Auges (mit Mörtel) 
(J.-No. 264). 
5. 1 Bruch des Jochbeins und Zerstörung des 
rechten Augapfels (J.-No. 518). 
6. 1 Rippenbruch (J.-No. 537). 
7. 1 Rippen- und Brustbeinbruch (J.-No. 567). 
II. Die schweren Fälle der Ausstellungszeit 
(1. Mai bis 15. Oktober 1896) bestanden aus: 
1. 3 Schlaganfällen (J.-No. 2301, 1104, 2750). 
2. 2 schweren Verbrennungen (J.-No. 881, 1957). 
3. 1 Zermalmung der Finger beider Hände 
(J.-No. 1190). 
4. 1 Zermalmung der Grundphalange des linken 
Zeigefingers (J.-No. 2957). 
5. 1 Knöchelbruch beiderseits und Lugation eines 
Unterschenkels (J.-No. 188). 
6. 1 Verbrennung beider Augen (J.-No. 2609). 
7. 1 Selbstmordversuch durch Erhängung. 
In den ersten drei Tagen der Abbruchszeit 
(16. bis 19. Oktober 1896) wurden in der Sanitäts 
wache 18 Fälle behandelt, und zwar: 
I. 15 äussere Erkrankungen: 
a) 9 leichte Verletzungen, 
b) 1 Zellengewebsentzündung am Finger, 
c) 1 Bisswunde, 
d) 2 Quetschungen, 
e) 1 Verstauchung, 
f) 1 Fingerbruch. 
II. 3 innere Erkrankungen, und zwar der Ver- 
dauungsorgane. 
Von den 18 Behandlungsfällen waren zwei recht 
schwere: 
1. 1 Zerquetschung des linken Mittelfingers 
(J.-No. 3006). 
2. 1 Bisswunde an der linken Schläfe und am 
rechten Auge. 
* * 
So hat die Sanitätswache auf der Berliner Aus 
stellung sehr Erspriessliches geleistet; sie war ein we 
sentlicher Faktor für die Wohlfahrt sowohl von Aus 
stellern wie von Besuchern und hätte, wäre die Einrichtung 
nicht schon vorhanden gewesen, als solche hier be 
sonders geschaffen werden müssen. Sie verdient daher 
eine doppelte Anerkennung: in erster Linie für ihre 
Thätigkeit, in zweiter als Ausstellungsobjekt. Als 
solches repräsentierte sie die gesamte Berliner Sanitäts 
wachen-Vereinigung, welche im Jahre 1887 die damals 
vorhandenen zwölf Wachen zu einer einheitlichen 
Organisation zusammenschloss, und welche in den 
neun Jahren ihres Bestehens durch energisches Streben 
sich mehr und mehr ihrem Ziele genähert und es 
nahezu erreicht hat, für jeden Stadtteil Berlins eine 
eigene Sanitätswache zu schaffen oder doch wenigstens 
Aerztenachweise überall zur Verfügung zu stellen, so 
dass stets für eine ausreichende ärztliche Hilfe gesorgt 
ist. Es soll jedes Haus Berlins dem Wirkungskreise 
einer bestimmten Sanitäts-Wache zugehören, so dass 
jeder Einwohner Berlins in dem von ihm bewohnten 
Hause einen Aushang vorfindet mit der Angabe, wo 
er während der Nachtzeit in dringlichen Fällen die 
notwendige ärztliche Hilfe sicher erlangen kann. Vom 
Standpunkte der Wohlfahrt der Berliner Bürger kann 
man das ideale Streben der Berliner Sanitätswachen 
vereinigung nur mit hoher Anerkennung beurteilen. 
Dr. med. M. Mendelsohn. 
Die Unfallstation auf dem Gelände der 
Berliner Gewerbeausstellung. 
Wenn es schon die unmittelbare Notwendigkeit 
mit sich brachte, auf einem ausserhalb der Stadt ge 
legenen Gelände, auf dem Tausende von Arbeitern in 
Thätigkeit waren und Hunderttausende von Zuschauern 
sich durcheinander drängten, Vorsorge zu treffen für 
eine Unterbringung und gefahrlose Transportierung 
Verletzter oder sonstwie durch Unfälle Geschädigter, 
so war für das Kuratorium der Berliner Unfallstationen 
offenbar noch das besondere Interesse vorwiegend, ihre 
Institution, welche im Laufe der Jahre innerhalb der 
Reichshauptstadt selbst zu so segensreicher und nützlicher 
Ausbreitung gelangt war, einem grossen Publikum einmal 
in Thätigkeit vorzuführen. Es wurde in der unmittel 
baren Nähe des Stadtbahnhofs zu diesem Zwecke
	        
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