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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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und zwei Heilgehilfen von morgens 8 Uhr bis abends 
12 Uhr den Dienst derartig ein, dass stets mindestens 
ein Arzt und ein Heilgehilfe sowie eine Wartefrau und 
ein Bursche zur Hilfe bereit waren. Bei der Anstellung 
der Aerzte für die Sanitätswache war der Grundsatz 
leitend, nur solche anzustellen, welche bereits seit 
mindestens drei Jahren in Berlin praktizierten und ein 
Jahr lang bei einem bewährten Chirurgen als Assistenten 
gewirkt hatten; um diesen Herren die Möglichkeit* zu 
gewähren, ihre Privatpraxis nicht vernachlässigen zu 
müssen, wurde die Anstellung von vier Aerzten nötig, 
so dass jeder von ihnen täglich, auch des Sonntags, 
vier Stunden Dienst hatte; die Heilgehilfen hatten 
doppelt so lange während der Nacht anwesend zu sein. 
Das Gebäude für die Wache bestand in einem Ver 
waltungsraum, einem Wartezimmer, dem Konsultations 
zimmer und einem Operationsraum. In diesem war 
ausser dem Operationstisch und einer Krankentransport 
bahre, ein reichhaltiges Instrumentarium aufgestellt, 
ausserdem die notwendigsten Medikamente, Gegengifte, 
Verbandstoffe und alles, was sonst für die ärztliche 
Thätigkeit erforderlich war; in drei Zimmern waren 
mit fliessendem Wasser gespeiste Wascheinrichtungen 
vorhanden; Beleuchtung wurde durch elektrisches Licht 
und nur als Aushilfsmittel bei einem etwaigen Ver 
sagen durch Gas bewirkt; auch veranlasste die kalte 
Witterung die Verwaltung, im Mai einen transportablen 
Gasofen aufzustellen. Telephon, mit der Stadt sowohl, 
als auch in direkter Leitung zum Verwaltungsgebäude 
des Arbeitsausschusses, war natürlich vorhanden. Ver 
unglückte wurden durch Ko pp sehe Krankenwagen 
zur Stadt befördert; die Wagen waren, wie eine durch 
schnittliche Feststellung ergiebt, in ungefähr 37 Minuten 
nach erfolgtem Anruf zur Stelle. Um jedoch bei einem 
etwaigen Massenunglück in ausreichendem Maasse ein- 
greifen zu können, hatten sich, ausser dem festan 
gestellten Heilpersonal, noch zehn Aerzte und drei 
Heilgehilfen verpflichtet, einer etwaigen Requisition 
sofort Folge zu leisten; die Adressen dieser dreizehn 
Personen waren im Verwaltungsgebäude niedergelegt, 
um nötigenfalls mittelst der dort zur Verfügung stehenden 
sechs Telephone sofort herbeigerufen werden zu können. 
Auch stand ein versiegelter, ausreichend gefüllter Ver 
bandkasten stets bereit, um dem Arzt bei Unglücksfällen, 
welche seine Thätigkeit ausserhalb der Wache er 
forderten, nachgetragen zu werden. Bezüglich der 
Kontrolle war die Einrichtung getroffen, dass ein 
Mitglied des Vorstandes, dessen technische Beiräte die 
Herren Geheimer Sanitätsrat Dr. Boas und Sanitäts 
rat Dr. Ehren haus sind, täglich einige Stunden in 
der Woche anwesend sein sollte. 
Hinsichtlich der Kosten ist mitzuteilen, dass die 
vier Aerzte pro Tag zusammen 24 Mark, die beiden 
Heilgehilfen zusammen 10 Mark erhielten; für den 
Pavillon wurden 3000 Mark Miete gezahlt; und auch 
die übrigen Unkosten, wie beispielsweise Telephon 
150 Mark, Gas- und Wasserverbrauch, die Anlage für 
beide, Wegweiser, Plakate, dienendes Personal, An 
pflanzung um den Pavillon u. s. w. waren nicht unbe 
trächtlich. Die Einnahmen stellten sich demgegen 
über zusammen aus a) 3000 Mark, welche die Ver 
einigung der Berliner Sanitätswachen zur Verfügung 
gestellt hatte, b) einem monatlichen Zuschuss, vom 
1. Mai bis 15. Oktober 1896, vom Arbeitsauschuss der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung in Höhe von IOOO Mark pro 
Monat, c) dem von einigen Arbeitgebern und Kranken 
kassen erstatteten Honorar für einige Fälle, in Höhe 
von je 1 Mark, d) einem Zuschuss der »Nordöstlichen 
Baugewerks-Berufsgenossenschaft« von 500 Mark, 
e) kleinen Geschenken durch Besucher und Gönner der 
Sanitätswache, für welche eine Büchse aufgestellt war. 
Die Sanitätswache versah bis zum völligen Abriss 
der Gebäude auf dem Ausstellungsgelände in kleineren 
Räumen den ärztlichen Dienst von 8 Uhr früh bis zum 
Abend, so lange gearbeitet wurde, und zwar durch je 
einen Arzt und je einen Heilgehilfen, deren je zwei 
angestellt waren; es waren immer noch schwere Ver 
letzungen zu befürchten. 
Die nachstehende Uebersicht giebt einen Bericht 
über die Thätigkeit der Sanitätswache vom ersten An 
beginn an bis zum Schlüsse der Ausstellung. 
Thätigkeitsbericht der Sanitätswache der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung 1896. 
In der Sanitätswache der Berliner Gewerbe-Aus 
stellung 1896 kamen in der Zeit vom 6. Juni 1895 bis 
15. Oktober 1896 im ganzen 3843 Krankheitsfälle 
zur Behandlung, von welchen 886 Fälle der Bauzeit 
(6. Juni 1895 bis 30. April 1896), 2957 Fälle der 
Ausstellungszeit (1. Mai bis ij- Oktober 1896) an 
gehörten. 
I. Die Bauzeit (886 Behandlungsfälle) hatte auf 
zuweisen:* 
A. 810 äussere Erkrankungen. 
B. 33 innere Erkrankungen. 
C. 3 Todesfälle und 
40 Verbandwechsel. 
A. Die äusseren Erkrankungen (810) 
bestanden in: 
1. 568 kleineren Verletzungen. 
2. 1 Sehnenscheidenentzündung. 
3. 6 Verbrennungen. 
4. 2 Erkrankungen an Insektenstichen. 
5- 7 Zellgewebeentzündungen an den'Fingern. 
6. 10 sonstigen Zellgewebesentzündungen. 
7. 5 Zahnerkrankungen (3 Ausziehungen). 
8. 6 Nasenbluten. 
9. 2 Erkrankungen des Hodens.
	        
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