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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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staub durch eine von der Fabriktransmission in 
Drehung versetzte cylindrische, mit Borsten aus 
flachem Stahldraht besetzte Bürste in den Feuerraum 
des Kessels geschleudert wird; die zur Verbrennung 
notwendige Luft tritt durch die mit einstellbarem 
Schieber versehene Feuerthür zu. Der Kohlenstaub 
fällt aus einem Trichter auf die Bürste, wobei eine 
Regulierung der Kohlenmenge erfolgen kann. Als 
besondere Vorzüge der Kohlenstaubfeuerung gelten 
hohe Ausnutzung des Brennstoffs, leichte Bedienung 
und Rauchlosigkeit; erschwerend für die Anwendung 
kommt in Betracht, dass der Kohlenstaub durch Mahlen 
gewonnen werden muss. Schwartzkopff hatte für diese 
Arbeit eine von Gebr. Pfropfe in Hildesheim gebaute 
Mühle aufgestellt, bei welcher die eingeschüttete Kohle 
durch kleine Walzen, die sich unter dem Einfluss der 
Kohlenstaubfeuerung von Rieh. Schwartzkopff in Berlin. 
Centrifugalkraft gegen feststehende Mahlringe pressen, 
zerrieben wird. In dem Schwartzkopffschen Kesselhaus 
war auch eine tragbare Gasspritze, System Boehle, 
zu sehen, welche vom Kriegsministerium für die Kasernen 
des preussischen Staates vorgeschrieben ist. Im Bedarfs 
fall wird durch Drehen einer Kurbel die im Innern des 
mit einer Lösung von doppelkohlensaurem Natron 
gefüllten, mit Traggurten versehenen Gefässes angebrachte, 
mit konzentrirter Schwefelsäure gefüllte Glasflasche 
zertrümmert, so dass durch die Einwirkung der Säure 
auf die Natronlösung sich Kohlensäure bildet, welche 
im Gefäss einen Druck von 4 bis 6 Atmosphären er 
zeugt; mit dieser Kraft wird nach Oeffnen eines Hahnes 
der Inhalt des Gefässes ausgespritzt, wodurch ein im 
Entstehen begriffener Brand leicht gelöscht werden kann. 
Für die Unfallverhütung in gewerblichen Betrieben 
ist die persönliche Ausrüstung des Arbeiters 
von grosser Bedeutung. Es wurde bereits erwähnt, dass 
Schutzbrillen, Schutzmasken und Respiratoren bei vielen 
Arbeitsthätigkeiten unentbehrliche Ausrüstungsmittel 
sind, wenn den Gefahren der Verletzung der Augen 
durch abfliegende Splitter und der Staubeinatmung 
wirksam begegnet werden soll. Für Maschinenarbeiter 
ist die Form des ganzen Anzugs wichtig, da erfahrungs- 
gemäss viele schwere Unfälle dadurch entstehen, dass die 
Arbeiter an lose flatternden Kleidungsstücken, Schürzen, 
Halstüchern u. s. w. durch bewegte Maschinenteile, z. B. 
durch rotierende Wellen, erfasst und mitgerissen werden. 
Es ist daher notwendig und wird in den Unfallver 
hütungsvorschriften fast aller Berufsgenossenschaften 
mit Recht verlangt, dass wenigstens diejenigen Arbeiter, 
welche mit der Wartung und Bedienung der Motoren 
und Transmissionen betraut sind, enganschliessende 
Anzüge tragen. Bekleidungsstücke solcher Art waren 
von Bernward Leineweber in Berlin und J. Opitz 
in Berlin ausgestellt. Für Arbeiter, welche der Gefahr 
einer Verletzung durch Flammen, flüssiges Metall u. dergl. 
ausgesetzt sind, empfehlen sich Anzüge aus Asbest 
stoffen. Es wurde bereits erwähnt, dass die Nord 
deutsche Edel- nndUnedelmetallindustrie-Berufsgenossen- 
schaft eine Figur ausgestellt hatte, welche einen Giess 
ofenarbeiter mit voller Asbestbekleidung, die von 
C. L. Strack in Berlin angefertigt war, darstellte. 
Von Otto Köhsel & Sohn Nachflg., Inhaber Christ. 
Wilh. Lübke in Berlin, wurden gleichfalls unverbrenn 
bare Bekleidungsgegenstände, daneben auch andere Ge 
brauchsartikel und Dekorationstücke aus Asbeststoffen 
vorgezeigt. 
Viele Unfälle entstehen durch die Verwendung 
schadhafter oder nicht feststehender Leitern, und es 
sollte daher sowohl im Gewerbebetrieb, wie in der Haus 
wirtschaft darauf geachtet werden, dass die zur Be 
nutzung kommenden Leitern kräftig gebaut, gut ge 
halten und beim Gebrauche gegen Abrutschen oder 
Umfallen gesichert werden. Die Ausstellung zeigte 
auch für diesen Teil der Unfallverhütung zweckmässige 
Objekte in den von R. Bithorn & Co. in Pankow aus 
gestellten Leitern verschiedener, der Verwendung bei der 
gewerblichen und häuslichen Arbeit angepassten Bauart; 
auch ausziehbare Feuerwehrleitern wurden vorgefühtt. 
Der Unfallverhütung im weiteren Sinne dient auch 
eine von Louis Littauer in Berlin ausgestellte Vor 
richtung, »Schutzengel« genannt, welche bestimmt ist, 
das Hinausfallen der Kinder aus offenstehenden Fenstern 
dadurch zu verhüten, dass mit dem Oeffnen des Fensters 
ein nach Art der Nürnberger Scheere eingerichtetes 
Gitter sich vor die Oeffnung schiebt; beim Schliessen 
des Fensters zieht sich die Vorrichtung so zusammen, 
dass sie sich hinter den Fensterrahmen legt. 
Für die Unfallverhütung sind noch als sehr be 
achtenswert die von Arno Weisse in Berlin ausge 
stellten Blechplakate zu erwähnen, welche die von 
den Berufsgenossenschaften erlassenen Unfallverhütungs 
vorschriften oder einzelne Verbote oder Warnungen in
	        
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