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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik 
hatte eine grosse Zahl von Sicherheitsvorrichtungen 
für den Dampfkesselbetrieb, die von verschiedenen 
Fabrikanten geliefert waren, ausgestellt. An einem 
Kesselmodell hatten Dreyer, Rosenkranz & Droop 
in Hannover mehrere für die Sicherheit des Betrie 
bes wichtige Armaturen, wie Manometer, Sicherheits 
ventile, Wasserstandszeiger etc. anschaulich ange 
bracht. In langer Reihe waren Wasserstandsgläser 
mit Schutzhülsen verschiedener Bauart vorgeführt, die 
beim Zerspringen des Glases mehr oder weniger das Ab 
fliegen von Glassplittern und das Ausströmen von Dampf 
und Wasser nach dem Standort des Heizers verhindern. 
Einige Einrichtungen für möglichst gefahrloses 
Arbeiten in Metallgiessereien zeigte die Nord 
deutsche Edel- und Unedelmetallindustrie- 
Berufsgenossenschaft; hierzu hatten C. L. Strack 
in Berlin die Figur eines Giessereiarbeiters mit voller 
Asbestkleidung und R. A. Hartmann in Berlin Aus 
hebevorrichtungen für Schmelztiegel geliefert. 
Die Sicherung der Arbeiter gegen Staubeinathmung 
durch Respiratoren und gegen das Hineinfliegen von 
Splittern in die Augen durch Schutzbrillen und 
Schutzmasken zeigte die Steinbruchs-Berufsge- 
nossenschaft an mehreren deutschen und französischen 
neueren Formen der genannten Schutzapparate. Wie 
an anderer Stelle bei Besprechung der von D. Th. 
Sommerfeld ausgestellten Sammlung von Staubarten 
und von Lungenpräparaten, welche die gefährliche 
Einwirkung der Staubeinathmung zeigen, ausgeführt 
worden ist, wird die Lebensdauer von Tausenden von 
Arbeitern durch diese Gesundheitsschädigung erheblich 
abgekürzt; die Beseitigung des Staubes bei den zahl 
reichen Betriebsarten, in denen Staub erzeugt wird, 
durch Entstaubungsanlagen und die unmittelbare Ver 
hinderung der Staubeinathmung durch zweckmässige 
Respiratoren sind daher von der grössten Bedeutung. 
Ebenso gehören Schutzbrillen und Schutzmasken zu 
den wichtigsten Schutzmitteln, und es ist nur zu 
wünschen, dass die Ausstellung der Steinbruchs- 
Berufsgenossenschaft zur häufigeren Anwendung der 
erwähnten Sicherheitsapparate angeregt hat. 
Bemerkenswerte Schutzvorrichtungen aus dem Brau 
gewerbe hatte die Sektion VI der Brauerei- und 
Mälzerei-Berufsgenossenschaft gezeigt; darunter 
befand sich ein Fassbierwagen mit Bremsvorrichtung, 
welche zum schnellen und sicheren Anhalten des 
Wagens dient, und mit Sicherheits-Trittbrettern, die an 
der Seite mit Knöpfen versehen sind, welche das Ab 
gleiten verhüten und doch dem Fuss des Kutschers eine 
freidrehende Bewegung gestatten. Eine Tabelle zeigte die 
Ergebnisse einer möglichst rasch nach dem Unfall 
einsetzenden ärztlichen Behandlung der Verletzten, wie 
solche in den an anderer Stelle erläuterten Unfall 
stationen erfolgt. 
Schliesslich ist zu erwähnen, dass die Bekleidungs 
industrie-Berufsgenossenschaft einige Schutzvor 
richtungen an Maschinen der Schuhfabrikation und die 
Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie 
verschiedene in ihren Betrieben gebräuchliche unfall 
sichere Apparate, wie Rauchhauben, Respiratoren, 
Anblase- und Angiessheber vorführten. 
Von einzelnen Fabrikanten waren gleichfalls be- 
merkenswerthe Vorrichtungen zur Unfallverhütung aus 
gestellt. A. Goede in Berlin zeigte praktisch bewährte 
Schutzvorrichtungen an Kreissägen, Hobel- und 
F räsmaschinen sowie Sägegattern; solche Maschinen 
hatte der genannte Fabrikant in der Maschinenhalle 
ausgestellt; sie sind oben bei der Besprechung der 
Gruppe XIII erläutert worden. Ed. Schloiferin Berlin 
hatte seine nach dem Patent Engels hergestellten 
gläsernen Schutzhülsen für Wasserstandsgläser 
vorgeführt. Julius Marawske in Berlin veran 
schaulichte an einem Modell die von ihm ersonnene 
Einrichtung, welche die auf Dächern beschäftigten 
Arbeiter von dem Absturz dadurch bewahren soll, dass 
sie durch Gurt und Seil an einer Kugel hängen, die in 
einer auf der Dachfläche befestigten, geschlitzten Röhre 
sich bewegen kann, so dass der Arbeiter ungehindert 
auf der ganzen Dachfläche zu arbeiten vermag. 
In einem eigenen Kesselhause hatte Richard 
Schwartzkopff in Berlin eine Ausstellung von Sicher 
heitsapparaten und anderen neueren Einrichtungen für 
den Dampfkesselbetrieb veranstaltet. An einem 
im Betriebe vorgeführten Kessel war der 
bekannte Schwartzkopffsche Sicherheits 
apparat angebracht, welcher ein elektri 
sches Läutewerk ertönen lässt, sobald 
Wassermangel oder Drucküberschreitung 
im Kessel eintritt. Ferner war der Kessel 
mit Wasserstandszeigern ausgerüstet, die 
mit Schutzhülsen aus Drahtglas nach 
nebenstehender Figur versehen waren. 
Wie bereits erwähnt, haben solche 
Schutzhülsen den Zweck, beim Zer- 
Schutzhülse springen des Wasserstandsglases das Ab- 
aus Drahtglas . . 
von Rieh. fliegen von Glassplittern und das Aus- 
Schwartzkopff strömen von Dampf und Wasser nach 
in Berlin. ^em Standort des Heizers zu verhüten. 
Ein gleichfalls am Kessel angebrachter, nach der An 
gabe von Ochwadt hergestellter Wasserstandszeiger 
lässt durch eine starke Glasplatte unmittelbar in das 
Innere des Kessels blicken und die Höhe des Wasser 
spiegels beobachten. Die Feuerung des Kessels erfolgte 
mit Kohlenstaub. Es waren auf der Ausstellung ver 
schiedene Konstruktionen von Kohlenstaubfeuerun 
gen, die in neuerer Zeit ein gewisses Interesse finden, 
im Betriebe zu sehen. Die von Schwartzkopff vorge 
führte, in nachstehender Figur veranschaulichte Ein 
richtung kennzeichnet sich dadurch, dass der Kohlen
	        
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