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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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die Ausbildung unserer heutigen Technik demonstriert. 
Badewannen aus reinem Nickelblech, welches bisher als 
für solche Zwecke schwer verwendbar galt, aus Kupfer 
und aus nickelplattiertem Stahlblech, besonders kon 
struierte Heiz-, Misch- und Spül-Systeme eigener Er 
findung vervollständigten diese Darstellung eines vor 
wärtsstrebenden Berliner Betriebes. David Grove 
(SW. Friedrichstrasse 24), dessen vornehmlichste Be 
teiligung der Gruppe XIII zugefallen ist, hat einen 
kupfernen Badeofen mit Gasfeuerung von vorzüglicher 
Arbeit ausgestellt, ferner Waschtoiletten mit Tretvor 
richtung (zum aseptischen Gebrauch) und einen sinn 
reichen Volksbrauseapparat mitGehäuse, für Volksbrause 
anstalten, um deren Herstellung sich bekanntlich Herr 
David Grove die bedeutendsten Verdienste erworben 
hat. Seine Apparate mit einem Cirkulations-System 
für an allen Punkten gleiche Wassertemperatur bilden 
für Fabriken, Volksbäder, Schulen, Institute, überall 
wo Dampf vorhanden ist, das einfachste Mittel, um 
ohne grossen Kosten- oder Zeitaufwand Massenbäder 
zu verabreichen. Die Wirkung des Wärme-Regulators 
beruht auf der Druckänderung der Dämpfe einer in 
einer Kapsel dicht eingeschlossenen, leicht siedenden 
Flüssigkeit, welche bei massiger Wärmezunahme in 
bedeutendem Masse eintritt und durch Ausdehnung 
der Kapsel das Durchschnittsventil mehr oder weniger 
schliesst. Mit der Wärmeabnahme stellt sich das Ventil 
wieder auf die ursprüngliche Oeffnung ein. Die Brause 
leitungen mit doppelarmigen Brausen bestehen aus 
50 mm verzinktem Schmiederohr und sind mit ein 
gelöteten Kniestücken, Metallregulierhähnen und allem 
Zubehör für zwölf Brausen zu 200 Mark zu haben. 
Eine komplette Brause-Einrichtung für Militär-Kasernen, 
von welcher D. Grove bereits über 100 Anlagen aus 
geführt hat, stellte sich je nach Ausdehnung der 
Rohrleitung auf 1200—1500 Mark, ist also ganz 
besonders geeignet, zur Hebung des Badewesens auch 
unter den bescheidensten Verhältnissen beizutragen. 
Fudwig Grün (SW. Grossbeerenstrasse 28) hat sein 
Interesse gleichfalls den Brausebädern zugewandt und 
einen Brause-Automaten für bemessene Wasserentnahme 
geliefert. Diesem Apparat wird nachgerühmt, dass er 
von einfacher Konstruktion, zuverlässig in der Funktion, 
bequem und sicher bei der Handhabung ist und bei 
Vermeidung jeder Wasserverschwendung das Wasser 
in gleichmässig ihm zugeführter Temperatur direkt aus 
seiner Zuleitung abgiebt. Der Badewärter hat es in 
der Hand, das zu verabreichende Wasser je nach den 
Verhältnissen mit 10—30 oder mehr Litern zu bemessen. 
Der Preis des Apparates ist in bester Ausführung 96,50 M. 
— M. Grund (SO. Adalbertstrasse 65) hat in halbfertigen 
Stücken die genetische Entwickelung des Fabrikates 
dargestellt, alle auf das Badewesen bezüglichen Gegen 
stände des Gebrauchs in einer Koje sauber und in 
Berücksichtigung hygienischer Gesichtspunkte geordnet 
und ausserdem schön gearbeitete Kinderwannen, z. B. 
mit Sicherheitsnetz für Säuglinge, angefertigt. Die 
Fabrik »Komet« für patentierte Mischapparate (E. Herz 
& Co., NW. Wilhelmstrasse 43) beschäftigt sich mit 
Heisswasseröfen für Badezwecke, denen ein patentiertes 
Mischverfahren zu Grunde liegt. Der Mischkörper 
besteht aus zwei Mänteln, in denen Rillen in zu ein 
ander entgegengesetzt ansteigenden Schraubenwindungen 
eingewalzt sind. Da das Wasser unter Druck cirkuliert, 
den Rillen also folgen muss, so findet an den Ueber- 
schneidungen derselben jedesmal eine Durchwirbelung 
und damit sehr intime Durchmischung des Wassers 
statt. E. Krafft (SO. Köpenickerstrasse 116) hatte 
seinen Schwerpunkt in andere Untergruppen verlegt. 
Die unsrige wies einen ganz aus Kupfer getriebenen 
Badeofen auf mit gusseisernem Auf- und Untersatz 
und daneben noch eine sorgfältig ausgeführte Bade 
vorrichtung aus nickelplattiertem Gussstahlblech mit 
kupferner Wulst. Moosdorf & Hochhäusler (Köpe- 
nickerLandstrasse, bezw. SW. Kommandantenstrasse 60) 
hatten einen eigenen Pavillon mit grossem Ausstellungs 
saal errichtet und darin ihre bekannten »Dittmannschen 
Wellenbadschaukeln«, vollständige z. T. sehr reich 
ausgestattete Badeeinrichtungen, Cirkulations- und 
Zylinderöfen, Badestühle, Badewannen und zahlreiche 
andere Badeutensilien zur Anschauung gebracht. Jeden 
falls hat diese glänzende Installation viel dazu beige 
tragen, um die Grossartigkeit der hiesigen Fabrikation 
und deren Exportfähigkeit für Badeapparate aller 
Art zu bekunden. Ferner schloss sich an den Aus 
stellungssaal eine umfassende Badeanstalt dieser Firma 
im Betrieb an, wo die verschiedensten Einrichtungen dem 
Publikum zur Benutzung und zur Instruktion zugänglich 
gemacht waren. Damit ist viel geschehen, um die 
Aufmerksamkeit auch grösserer Kreise auf die Bedeutung 
und die Anziehungskraft guter Privatbäder hinzulenken, 
und in diesem Sinne haben die Herren Moosdorf & 
Hochhäusler sich um die ganze Ausstellung verdient 
gemacht. E. Schliegnitz (SO. Skalitzerstrasse 10) 
endlich brachte eine Kollektion von Badeeinrichtungen, 
um die verschiedenen im Gebrauch befindlichen Systeme 
zu zeigen. Namentlich gab diese Fabrik eine Ueber- 
sicht über die mehrfachen Applikationsweisen der 
Mischhähne und lieferte als Meisterstück eine mit 
Treppenstufen versehene Kupferblechwanne, deren 
fagonnierte Wulst vermittelst eigens dazu angefertigter 
Walzen hergestellt war. 
So lehrt denn dieser Ueberblick über die der Unter 
gruppe 5 angehörigen Objekte, dass viel Tüchtiges und 
Brauchbares in vortrefflicher, man darf sagen liebevoller 
Durcharbeitung zur Stelle war. Grossartige Leistungen 
im Sinne technischer Vervollkommnung sind nicht zur 
Darstellung gelangt. Die meisten Gegenstände waren 
dem einmal herrschenden Gebrauch und Geschmack an 
gepasst. Etwas Durchschlagendes, Neues fehlte, und da
	        
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