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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Parkettfussboden eine Säuberung mit nassen Tüchern, 
welche als allein richtig anzuerkennen ist, ausschliesst. 
In den Haushaltungen mit nur einem gemeinschaftlichen 
Aufenthaltsraum, deren Zahl die der vorerwähnten 
erheblich überwiegt, ist eine geregelte hygienische 
Krankenpflege häufig völlig undenkbar. In solchen 
Fällen soll die Pflege im Krankenhause an die Stelle 
der häuslichen treten. 
Den oben genannten hygienischen Anforderungen 
können hauptsächlich die grossen Krankenhäuser gerecht 
werden. Berlin besitzt Dank der unermüdlichen Sorge 
der Staats- und städtischen Behörden und einer Reihe 
privater Körperschaften Hospitäler, deren Anzahl viel 
leicht von einzelnen Grossstädten übertroffen wird. 
Die Ausstattung und Einrichtung jedoch der meisten 
Krankenhäuser in Berlin, vorzüglich der in den letzten 
Jahren erbauten, übertrifft die vieler Städte der Welt, 
so dass unsere Hauptstadt in dieser Richtung vielen 
zum Muster gedient hat. Ein Hospital, welches ganz 
besonders als ein Typus modernen Krankenhaus 
baues gelten kann, ist das vor sechs Jahren eröffnete 
städtische Krankenhaus am Urban. Zeichnungen, Pläne, 
Abbildungen und Risse dieser Anstalt fanden sich in 
der Ausstellung der Stadt Berlin. Der Hauptunter 
schied der äusseren Gestaltung der jetzigen Kranken 
häuser von den früheren liegt darin, dass letztere im 
Korridorsystem erbaut sind, während man jetzt das 
Pavillonsystem bevorzugt. Bei dem älteren System 
münden alle Krankenzimmer, deren jedes eine bestimmte 
Anzahl von Betten enthält, auf einen gemeinsamen 
Korridor. Dies wiederholt sich in ganz gleicher 
Weise in allen Stockwerken, von denen ausser dem 
Erdgeschoss noch zwei, bisweilen sogar drei vorhanden 
sind. Es ist hierdurch eine grössere Anzahl von 
Kranken in einem Gebäude vereinigt. 
Seitdem man erkannt hat, dass die in früheren Jahren 
gefürchteten Plospitalkrankheiten der Uebertragung von 
Keimen ihre Entstehung verdanken, und seitdem man 
in das Wesen der ansteckenden Erkrankungen über 
haupt weiter eingedrungen ist, werden die Kranken in 
kleineren Gebäuden (Pavillons), auf einen grösseren Raum 
verbreitet untergebracht. Hierdurch wird die Absperrung 
ansteckender Kranken sehr erleichtert oder eigentlich 
erst wirklich ermöglicht, indem auch ganz besonders 
das zur Pflege und sonstigen Aufwartung und Bedie 
nung notwendige Personal von dem übrigen getrennt 
wird. Gerade durch, das Wartepersonal können — 
nicht allein in Krankenhäusern — Uebertragungen von 
Krankheiten stattfinden. Die einzelnen Baulichkeiten 
haben entweder nur einen im Erdgeschoss belegenen 
Raum zur Aufnahme von Kranken, oder über dem 
selben ist noch ein Stockwerk zur Unterbringung von 
Betten eingerichtet. Mehr Stockwerke werden — 
wenigstens in den einzelnen Krankenpavillons — jetzt 
gewöhnlich nicht mehr übereinandergesetzt, auch aus 
dem Grunde, weil die meisten Kranken und Genesenden 
nur schwer Treppen zu steigen vermögen und daher 
bei vermehrter Treppenzahl nicht so häufig, wie es 
erforderlich ist, sich im Freien aufhalten könnten. 
Von Interesse ist es, dass man bei dem neuesten 
Krankenhausbau in der Nähe von Berlin, dem Kranken 
haus Britz, die einzelnen Hospitalbauten nicht von 
einander getrennt gehalten hat. Die freie Lage und 
die Grösse der Anlage rechtfertigen diese Ausnahme 
zur Genüge. Ein Modell des prachtvoll angelegten 
und eingerichteten Krankenhauses, dessen sorgfältig 
durchdachte Ausführung gerechten, allseitigen Beifall 
gefunden hat, war in der Ausstellung zur Anschauung 
gebracht. 
Auch bei den neuesten städtischen Anstalten für 
Geistes- und Nervenkranke, der städtischen Irrenanstalt 
Herzberge bei Lichtenberg und der städtischen Anstalt 
für Epileptische, Wuhlgarten bei Biesdorf, sind, wie 
die im Pavillon der Stadt Berlin ausgestellten Pläne und 
Zeichnungen bewiesen, die vorhererwähnten Regeln des 
Krankenhausbaues befolgt. Die Anstalt Herzberge, von 
welcher auch ein in Holz geschnitztes Modell vorhanden 
war, ist vorwiegend für die Beschäftigung der Geistes 
kranken mit Landwirthschaft und Gartenbau berechnet. 
Bereits die Besichtigung dieses Modells gewährte einen 
Einblick in die Art und Weise moderner Irrenpflege, 
bei welcher Zwangsmassregeln streng verpönt sind 
und die Kranken möglichst mit ihrer Bildung ange 
messenen Arbeiten, vorzüglich auch Landarbeit, be 
schäftigt werden. 
Das Krankenhaus am Urban zeigt den Einzel 
pavillonbau. Die für die Kranken bestimmten Pavillons 
sind einander parallel in zwei durch einen Mittelgang 
getrennten Reihen errichtet. Die Längsachse der 
Pavillons ist senkrecht gegen den Mittelgang gestellt. 
Zwischen den beiden ersten, etwas kürzeren Pavillons 
liegt das Verwaltungsgebäude, durch dessen Eingang man 
das Krankenhaus betritt, und diesem gegenüber am 
entgegengesetzten Ende das Wirtschaftsgebäude. Im 
grossen und ganzen findet sich in den meisten Kranken 
häusern der Neuzeit diese Anordnung wieder, welche 
den Leitern der Abteilungen eine leichte Ueber- 
sicht über die ganze Anlage ermöglicht. Zwischen 
den einzelnen Gebäuden sind Bäume gepflanzt; so 
weit als möglich ist für gärtnerische Ausschmückung 
Sorge getragen. Um den Kranken, welche umher 
gehen können, z. B. denen mit leichteren chirurgischen 
Leiden, und den Genesenden, Gelegenheit zu gewähren, 
auch bei nicht günstiger Witterung frische Luft zu 
geniessen, ist im Krankenhause eine nachahmenswerte 
Einrichtung getroffen. Die einzelnen Pavillons sind 
an der nach aussen — nach der Strasse zu — be 
legenen Seite durch eine gemauerte und gedeckte 
Halle verbunden, deren offene Seite sich dem Innern 
des Krankenhauses zukehrt. In diesen Hallen können
	        
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