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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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öffentlichten Schriften des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, 
von denen die Verlagsfirma Julius Springer für die 
Zwecke der Ausstellung bereitwilligst eine Kollektion 
hergeliehen hatte. Das Verzeichnis möge diese kurze 
Darstellung beschliessen: 
Gruppe 6. Bisher vom Kaiserlichen Gesund 
heitsamte veröffentlichte Schriften: 
Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheits 
amtes. Erscheinen wöchentlich seit 1877. Hierzu zwei 
Bände Auszüge aus gerichtlichen Entscheidungen zum 
Nahrungsmittelgesetz. 
Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheits 
amte, zwei Bände und als Fortsetzung: 
Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte; 
bisher erschienen elf Bände; der zwölfte Band im Druck. 
Jahresberichte über die Verbreitung der Tierseuchen 
im Deutschen Reiche, 9. Jahrgang 1886—1894. 
Beiträge zur Beurteilung des Nutzens der Schutz 
pockenimpfung nebst Mitteilungen über Massregeln 
zur Beschaffung untadeliger Tierlymphe; mit sechs 
Tafeln. 1888. 
Die Verbreitung des Heilpersonals, der pharma- 
ceutischen Anstalten und des pharmaceutischen Personals 
im Deutschen Reiche. Nach den amtlichen Erhebungen 
vom 1. April 1887 bearbeitet im Kaiserlichen Gesund 
heitsamte, mit drei Uebersichtskarten. 
Das Kaiserliche Gesundheitsamt. Rückblick auf 
den Ursprung, sowie auf die Entwicklung und Thätig- 
keit des Amtes in den ersten zehn Jahren seines Be 
stehens. 
Gesundheitsbüchlein. Gemeinfassliche Anleitung 
zur Gesundheitspflege. Bearbeitet im Kaiserlichen Ge 
sundheitsamt. Berlin 1894/95. Abdruck 1—7. 
Blattern und Schutzpockenimpfung. Denkschrift 
zur Beurteilung des Nutzens des Impfgesetzes vom 
8. April 1874 und zur Würdigung der dagegen ge 
richteten Angriffe. Bearbeitet im Kaiserlichen Gesund 
heitsamt. Berlin 1896. 
Medizinalstatistische Mitteilungen des Kaiserlichen 
Gesundheitsamtes. Berlin 1893/95. Fand 1—2, Band 3 
im Erscheinen begriffen. 
Anleitung zur Gesundheitspflege an Bord von Kauf 
fahrteischiffen. Bearbeitet im Kaiserlichen Gesundheits 
amte. Berlin 1888. 
Regierungsrat Dr. Petri. 
Krankenhäuser und Krankenpflege. 
Die Fürsorge für erkrankte Menschen hat in letzter 
Zeit bedeutungsvolle und bemerkenswerthe Umwand 
lungen erfahren. Die zur Krankenpflege erforderlichen 
Hilfsmittel sind mannigfacher Art. Ihre Auswahl und 
Anwendung richtet sich naturgemäss nach der Art und 
der Schwere der Erkrankung, ferner nach der Person des 
Kranken selbst, d. h. nach seinen Ansprüchen, Sitten 
und Gewohnheiten und nach den ihn umgebenden Verhält 
nissen. Während man in früheren Zeiten, welche sogar 
noch nicht sehr lange verflossen sind, hauptsächlich 
mit Rezepten, deren Länge im umgekehrten Verhältnis 
zu ihrer Wirksamkeit stand, gegen die Krankheiten 
einschreiten zu müssen glaubte, befolgt man jetzt ein 
entgegengesetztes Verfahren. Man hat erkannt, dass 
in der Krankenpflege der Schwerpunkt der gesamten 
Krankenbehandlung gelegen ist, dass der kranke Mensch, 
nicht die Krankheit, in den Vordergrund der Kranken 
fürsorge zu stellen ist. 
Aber noch ein zweiter bedeutender Fortschritt ist 
für ein zielbewusstes Eingreifen bei Krankheitszuständen 
massgebend geworden, die Kenntnis, dass die Vor 
beugung der Krankheiten eine wichtige Thätigkeit der 
Aerzte darstellt, deren Erfolg bei zahlreichen Gelegen 
heiten bereits in Erscheinung getreten ist. Diese Be 
strebungen sind die Frucht bahnbrechender Arbeiten 
auf dem Gebiete der Gesundheitspflege, besonders 
einer Reihe von deutschen und Berliner Forschern, 
denen der Nachweis gelang, dass eine erhebliche Zahl 
von Krankheiten durch kleinste Lebewesen oder deren 
Stoffwechselprodukte hervorgerufen wird. Die Krank 
heitsverhütung ist also ein besonderer Teil der Gesund 
heitspflege, welche bei der Krankenpflege als wesentliches 
Glied mit zur Geltung kommen muss. Jedoch auch die 
Krankenpflege, welche die einzelnen erkrankten Wesen 
zum Angriffspunkt ihrer Thätigkeit hat, kann nur dann 
erfolgreich sein, wenn sie alle einschlägigen Gebiete 
der Gesundheitspflege genau berücksichtigt und sich 
ihrer mit Geschick und Umsicht bedient. Für eine 
zweckentsprechende Krankenpflege ist erforderlich, dass 
die gesamte Umgebung des Kranken den auf dem 
Gebiete der Gesundheitspflege gewonnenen Erfahrungen 
entspricht. Die Lage und Grösse der Zimmer, die 
Wände, Decken und Fussböden, Lüftung, Beleuchtung 
und Heizung, die Anlage der Be- und Entwässerung 
und alle den Kranken näher umgebenden Gegenstände, 
Krankentische, Stühle, Betten und Matratzen müssen 
in erster Linie hygienisch sein. 
Auf alle diese Verhältnisse ist da, wo grössere 
Ansammlungen von Kranken vorhanden sind, in den 
Krankenhäusern, mit viel grösserer Sorgfalt zu achten, 
als in der Einzelkrankenpflege. Leider stellen sich 
oft dem Wunsch, diese möglichst hygienisch zu 
gestalten, schwer überwindlichg Hindernisse entgegen. 
In Berlin muss in den meisten Fällen das Schlafzimmer 
als Krankenstube dienen, welches gewöhnlich weder nach 
Lage, noch nach Grösse, noch nach seinen sonstigen 
Eigenschaften hierzu geeignet ist. In den anderen 
Zimmern beengen verschiedene Lagen von Fenstervor 
hängen den Eintritt von Licht und Luft, während 
Fussteppiche eine gründliche Reinigung des F'ussbodens 
unmöglich machen, falls nicht der häufig zu findende
	        
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