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Gruppe XVIII. Gesundheitspflege und Wohlfahrts-Einrichtungen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Hilfsarbeiter und der sonst im Amte bediensteten 
Personen. Ganz bedeutend vergrösserte sich die Bi 
bliothek. Zur Unterbringung aller dieser Zweige wurde 
das im Jahre 1879 vom Gesundheitsamt eigentümlich 
erworbene Dienstgebäude, Luisenstrasse 57, alsbald un 
zureichend, so dass im gegenüberliegenden Hause, Luisen 
strasse 12, weitere Räume hinzugemietet werden mussten. 
Die Grenzen auch dieser Ausdehnungsmöglichkeit sind 
seit längerer Zeit schon erreicht, so dass neuerdings für 
das Amt in der Klopstockstrasse ein im April dieses 
Jahres zu beziehendes, neues Dienstgebäude errichtet 
wurde. 
Es ist hier nicht der Ort, den Entwicklungsgang 
des Kaiserlichen Gesundheitsamtes und seiner Leistungen 
eingehend zu schildern. Wer über den Ursprung des 
Amtes, seine Entwicklung und Thätigkeit in den ersten 
zehn Jahren seines Bestehens sich unterrichten will, 
der findet in dem Buche »Das Kaiserliche Ge 
sundheitsamt« Rückblick u. s. w., zusammengestellt 
im Gesundheitsamte, Berlin, Julius Springer 1886, Aus 
kunft. Den Lesern des Werkes »Berlin und seine 
Arbeit« soll vorstehende, kurze Skizze nur zur all 
gemeinen Orientierung dienen über Wesen und Thätigkeit 
des Gesundheitamtes überhaupt. 
Der innige Zusammenhang, in welchem die Thätig 
keit des Amtes auf fast allen beregten Gebieten mit 
dem Interesse des Volkes steht, hat wiederholt dazu 
geführt, dass das Amt sich an den dem grossen Pub 
likum dargebotenen Ausstellungen durch Vorführung 
geeigneter Schaustücke beteiligte. So war das Ge 
sundheitsamt 1883 an der allgemeinen, deutschen 
Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene und 
des Rettungswesens durch einen eigenen Pavillon 
vertreten, in welchem je ein Musterlaboratorium für 
Nahrungsmittelchemie und für bakteriologische Arbeiten 
eingerichtet war. Ausserdem dienten graphische Dar 
stellungen aus dem Bereiche der Medizinal-Statistik zur 
Veranschaulichung der Bethätigung des Amtes auf 
diesem Gebiete. Auch auf der mit dem X. inter 
nationalen medizinischen Kongress zu Berlin 1890 ver 
bunden gewesenen Ausstellung ist das Gesundheitsamt 
mit einer medicinisch - wissenschaftlichen Specialaus 
stellung hervorgetreten, die sich zufolge Reichhaltigkeit 
und Neuigkeit des Gebotenen zahlreichen Besuches und 
allgemeiner Anerkennung erfreute.*) Schon bei dieser 
Ausstellung war es dem Gesundheitsamte gelungen, 
hervorragende Firmen für Droguen, Chemikalien und 
ätherische Oele heranzuziehen, welche wertvolle Zu 
sammenstellungen ihrer Musterpräparate zur Ausstellung 
brachten. In wesentlich erweiterter Ausdehnung konnte 
dieses Prinzip der Heranziehung anerkannter Special 
firmen, Gelehrter u. s. w. ausgenutzt werden für das 
*) Vergl. Verzeichnis der vom Kaiserlichen Gesundheitsamte bei 
Gelegenheit des X. medizinischen Kongresses zu Berlin 1890 ausge 
stellten Gegenstände — Berlin, J. Springer 1890. 
Zustandekommen einer Kollektivausstellung, welche bei 
Gelegenheit des XI. internationalen medizinischen 
Kongresses zu Rom 1894 unter der Führung des Ge 
sundheitsamtes stattfand und einen wesentlichen Teil 
der dortigen Ausstellung ausmachte. An dieser Sammel 
ausstellung beteiligten sich auch der Magistrat von 
Berlin, die Städte München, Hamburg u. s. w., zahl 
reiche Ministerien und andere Behörden. *) Nach 
diesen Vorgängen erschien es so gut wie selbstver 
ständlich, dass das Gesundheitsamt einer Aufforderung 
des Komitees der Berliner Gewerbe-Ausstellung 
1896, sich zu beteiligen, entsprach. Allerdings mussten 
bei der halbjährigen Dauer dieses Unternehmens und 
bei dessen eigenartigem, mehr auf die zur Geltung 
bringung der gewerblichen Erzeugnisse zugeschnittenen 
Charakter, die vorzuführenden Gegenstände besonders 
ausgesucht werden. Während bei den vorerwähnten 
Ausstellungen in Berlin und in Rom von seiten des 
Amtes eine regelmässige Vorführung und Bewachung 
der Austeilungsobjekte durch beamtete Sachverständige 
und eigenes Wächterpersonal möglich war, fiel dies 
für die Ausstellung im Treptower Park fort. Mithin 
war von der Ausstellung von Apparaten, der Vor 
führung von Präparaten unter dem Mikroskop u. s. w. 
von vornherein Abstand zu nehmen. Es kamen viel 
mehr nur solche Gegenstände in Frage, die der all 
gemeinen, vom Ausstellungskomitee gewährleisteten 
Ueberwachung anvertraut werden konnten und während 
der Ausstellungsdauer, abgesehen von der regelmässigen 
Säuberung, besonderer, sachverständiger Pflege und 
Führung nicht bedurften. Zudem konnte dem Amte 
für die Zwecke der Ausstellung ein nur mässiger Aus 
gabefond zur Verfügung gestellt werden. Wenn es 
dem Gesundheitsamte trotz dieser in gewisser Be 
ziehung ungünstigen Verhältnisse gelungen ist, die Auf 
merksamkeit der Ausstellungsbesucher zu fesseln, so ist 
dies vornehmlich dem Umstande zu verdanken, dass 
die ausgestellten Karten, Diagramme und Tafeln sozu 
sagen aktuell waren, d. h. Vorgänge und Zustände 
zum Gegenstand nahmen, die zur Zeit dem Volks 
interesse besonders nahe gerückt sind. Eins kann 
allerdings nicht vollständig mit Stillschweigen über 
gangen werden. Die Ungunst der örtlichen Verhält 
nisse in der Verteilung der Ausstellungsplätze hatte es 
mit sich gebracht, dass die Gruppe XVIII, zu der auch 
die Ausstellung des Gesundheitsamtes sachgemäss ge 
hörte, in den hinteren Abteil des sogenannten Schul 
gebäudes verwiesen war. Der Strom der Ausstellungs- 
besucher ging zum grossen Teil an diesem verborgenen 
Winkel vorüber. Erst später wurde durch einen neuen 
Zugang, der unmittelbar von der bedeckten Wandel 
bahn zu der Ausstellung des Gesundheitsamtes führte, 
bis zu einem gewissen Grade Besserung geschaffen. 
*) Spezialkatalog u. s. w. Berlin, .J. Springer 1894.
	        
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