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Gruppe XVII. Photographie

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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aber entgegengesetzten Fehlem ausstattete, wodurch 
jedes für sich allein unbrauchbar wurde, erreichte er, 
dass diese Fehler im ganzen Objektiv in wesentlich 
höherem Grade, als bisher möglich gewesen war, auf 
gehoben wurden, wenigstens innerhalb eines bedeuten 
den Teiles des Lichtfeldes, wogegen allerdings gegen 
den Rand zu der Astigmatismus in gesteigertem Grade 
auftrat. Auch war es für viele unbequem, dass sie 
sich nicht, wie bei allen Aplanaten, der einen Hälfte 
als einer vortrefflichen Landschaftslinse bedienen 
konnten, sowie ferner, dass bei der sehr grossen Dicke 
der Linsensysteme, zumal des hinteren, das Objektiv 
sehr schwer ausfiel und deshalb für Landschaftsauf 
nahmen unbequem war. Jedenfalls übte auch die 
grosse Glasdicke einen abschwächenden Einfluss auf 
besserung des aplanatischen Typus boten. Während 
aber so die grosse Mehrzahl sich dieser einen Richtung 
zuwendete, schlug Rudolph in Jena den Weg ein, den 
Steinheil in seinen Aplanaten eröffnet hatte. Zwar 
dehnte er nicht, wie dieser, das Prinzip der möglichst 
grossen, doppelten und entgegengesetzten Fehler auch 
auf die Farbenzerstreuung aus, die er vielmehr an den 
einzelnen Linsensystemen korrigierte; aber durch seine 
Anwendung auf die übrigen Fehler gelang es ihm, die 
Zeissschen Anastigmate zu schaffen, durch die eine 
weitgehende Beseitigung des Astigmatismus und der 
Bildkrümmung herbeigeführt wird. Der Erfolg war ein 
ungeheurer. Ueberall im Ausland wurden Lizenzen 
vergeben, und die neuen Objektive begannen die 
älteren Systeme zu verdrängen, zumal sie in Serien der 
Fig. 2. 
Fig. 3- 
Fig. 4- 
Fig. 5- 
Fig- 6. 
eine durch die Konstruktion an sich erzielte Ver 
stärkung der Lichtkraft. 
Wiewohl nun der praktische Fortschritt, der in 
dieser Konstruktion lag, weniger gross sein mochte, 
als der Erfinder es vorausgesetzt hatte, so sollte doch 
das Prinzip der gleich grossen, aber entgegengesetzten 
Fehler, welches hier zuerst aufgestellt worden war, 
von der allerhöchsten Wichtigkeit werden, sobald die 
Möglichkeit gegeben war, es wirklich voll zur An 
wendung zu bringen. Dieser Fall ergab sich, als das 
glastechnische Laboratorium in Jena mit seinen Ar 
beiten in die Oeffentlichkeit trat und dem Optiker 
Gläser darbot, bei denen die allerverschiedensten Ver 
hältnisse zwischen Farbenzerstreuung und brechender 
Kraft, sowie im Gange der ersteren obwalteten. 
Die Optiker, besonders in Deutschland, griffen mit 
beiden Händen nach dem willkommenen Geschenk und 
nutzten die Vorteile aus, die sich ihnen für die Ver- 
allerverschiedensten Lichtkraft nach diesen Grundsätzen 
geliefert wurden. Die obenstehende Figur I zeigt eine 
dieser Konstruktionen, wie sie sich auf der Ausstellung 
befanden, und zwar von der Serie Ha. 
Es schien, als ob ein weiterer Fortschritt aus 
geschlossen wäre. Denn Beseitigung des Astigmatis 
mus und der Bildwölbung schienen sich bei sym 
metrischen Objektiven auszuschliessen. Dieser Ansicht 
war auch Rudolph selbst. Und doch Hess sich nicht 
bestreiten, dass auch die Astigmaten naturgemäss die 
Mängel aller unsymmetrischen Objektive hatten, dass 
sie nicht vollkommen richtig zeichneten, und dass sie 
als Einzellinsen nicht verwendbar waren. 
In der That sollte denn auch die Rückkehr zum 
symmetrischen Typus erfolgen, als man noch eben an 
der Möglichkeit zweifelte; von Högh konstruierte die 
Goertzschen Doppelanastigmaten aus zweisymmetrischen 
Systemen je dreier verkitteten Linsen aus verschiedenen
	        
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