Path:
Gruppe XVII. Photographie

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

710 
Gruppe XVII. Photographie. 
ei einer so jungen und aufstrebenden Technik 
IDjljt wie der Photographie, die von Jahr zu Jahr sich 
^ weitere Gebiete in Kunst und Wissenschaft er 
obert, kann es nicht wunder nehmen, wenn alle bei ihr 
beteiligten Gewerbszweige im regsten, unaufhörlichen 
Vorwärtsstreben begriffen sind, und man wird von vorn 
herein erwarten, dass diese Fortschritte auch auf der Ber 
liner Gewerbe-Ausstellung von 1896 klar und deutlich 
zu Tage getreten sein werden. Wenn nun auch diese 
Voraussetzung sich thatsächlich bewahrheitet und wenn 
die Hauptstadt des Deutschen Reiches auch auf diesem 
Gebiete sich eine führende Stellung erworben hat, so 
genügen diese Thatsachen doch nicht, den Standpunkt 
der photographischen Industrie, wie er sich im Ver 
gleiche zur Weltindustrie auf der Gewerbe-Ausstellung 
darstellte, klar und verständlich zu machen. Es wird 
hierzu vielmehr nötig sein, die Entwicklung der Photo 
graphie ganz allgemein einem kurzen Ueberblick zu 
unterwerfen und zu zeigen, in wie überraschender Weise 
sich der Anteil, den die grossen Kulturstaaten der 
Welt daran haben, gestaltet und immer mehr zu 
Gunsten Deutschlands verändert hat. 
Wohl hatte ein Deutscher, Alexander von Hum 
boldt, als Daguerre der Welt seine grosse Erfindung 
schenkte, die neue Errungenschaft mit begeisterten 
Worten begrüsst und prophetisch die ungeheure Be 
deutung geahnt, die sie sich einst erwerben würde. 
Zunächst schien es indessen, als ob sich Deutschland 
nur zögernd an der Ausbildung der Lichtbildkunst be 
teiligen wolle. Es wandelte im ganzen in den Wegen, 
die Frankreich durch die Daguerreotypie, England durch 
das Negativverfahren angebahnt hatte, und nur auf 
einem Gebiete, dem der Optik, übernahm es zunächst 
die Leitung durch die Ausführung des von Petzval in 
Wien berechneten Porträtobjektivs, welches bis auf den 
heutigen Tag noch seinen Platz im Kampfe mit den 
modernen Konstruktionen behauptet. Aber bald genug 
erwuchs eine französische und englische Konkurrenz, 
und besonders die letztere wusste sich den Ruf zu er 
werben, dass ihre Fabrikate zwar die teuersten, aber 
auch die besten der Welt seien. Es war nur ein 
schwacher Trost, dass es ein Deutscher war, der unter 
den englischen Fabrikanten in erster Linie stand. Denn 
dem Vaterlande waren er und seine Thätigkeit verloren. 
Statt dessen entwickelte sich allmählich auf zwei 
anderen Gebieten stetig und sicher eine überlegene 
Industrie. In Berlin entstand eine der grossen chemischen 
Fabriken, die, angeregt durch Forscher ersten Ranges, 
in Deutschland gegründet wurden und bald einen Welt 
ruf erlangten. Deutsche photographische Chemikalien 
fingen an, für die besten zu gelten, und je mehr sich 
in Deutschland theoretisch und praktisch das Studium 
der Chemie hob, je mehr nach streng wissenschaft 
lichen Grundsätzen die Methoden der Fabrikation im 
allgemeinen verbessert wurden, um so unwiderstehlicher 
drangen die photographischen Chemikalien, die auf 
solche Weise hergestellt wurden, gegenüber denen vor, 
welche veralteten Verfahrungsarten und blosser Routine 
ihre Entstehung verdankten. Hier machte sich zuerst 
das ungeheure Uebergewicht geltend, welches Deutsch 
land seinem Reichtum an Männern der Wissenschaft 
verdankt. 
Anders war der Vorgang in Bezug auf den zweiten 
Punkt, in dem Deutschland sich nach und nach ein
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.