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Gruppe XVI. Die Papierindustrie und ihre Nebengewerbe

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Gummituch mit der Hand gelegten Bogen gehen unter 
einem ganz ähnlichen Bürstensystem, wie bei der Rollen 
färbmaschine, hindurch, werden nach dem Durchgang 
vom Gummituch mit der Hand abgenommen und in 
die Trocken Vorrichtung gebracht, welche entweder aus 
feststehenden Trockengestellen oder einer cirkulieren- 
den Trockenbahn gebildet wird. Letztere liegt in 
einem sich durch die ganze Höhe eines hohen Arbeits 
raumes erhebenden langen Etagengerüst und besteht 
aus einem endlosen, durch die einzelnen Etagen 
schlangenförmig entlanggeführten Kettenpaar mit Trä 
gern zum Aufnehmen der Bogen, welche auf dem 
langen Wege durch die einzelnen Etagen vollständig 
trocknen. Auch dieser Apparat ist ausserordentlich 
interessant. 
Auf das Trocknen der Papiere folgt als letzte 
Operation eine nochmalige Bearbeitung der Oberfläche. 
Glanzpapiere werden geglättet (Steinglätte), Glacepapiere 
gebürstet und erforderlichenfalls darnach noch satiniert, 
Kartons gewöhnlich gebürstet und satiniert bezw. ge 
bürstet und kalandriert, mit Ausnahme der Chromo 
papiere und Chromokartons für lithographischen Druck, 
die nur kalandriert werden. Die Steinglättmaschine 
erzeugt die Glätte durch einen polierten Achatstein, 
der mittelst eines schnell oscillierenden Armes unter 
Druck quer über den auf harter Unterlage hindurch 
geführten Bogen (oder Papierbahn) hin- und herge 
strichen wird. Die Bogen- bezw. Rollenbürstmaschine 
arbeitet mit rotierenden Cylinderbürsten oder mit hin- 
und herschwingenden Flachbürsten. Das vorher auf 
der Rückseite gefeuchtete Papier wird mässig mit 
Talkum bestreut, um Einreissen durch die Bürsten zu 
verhindern, und unter den Bürsten hindurchgeführt. 
Infolge der durch die Papierbahn durchschlagenden 
Feuchtigkeit entsteht beim Bürsten (wie beim Stiefel 
wichsen) auf der Oberfläche ein matter, schöner Glanz. 
Satinierwalzwerk und Kalander sind bereits beschrieben 
worden. 
Erwähnenswert als Berliner Specialität sind die 
nach einem neuen Verfahren hergestellten Metallpapiere 
von Endruweit. Durch den von einer starken Dampf 
maschine erzeugten elektrischen Strom wird aus einer 
Metalllösung (gewöhnlich Nickel) das Metall in dünner 
Schicht auf die polierte Seite einer Messingplatte nieder 
geschlagen. Auf diese Schicht wird mittelst eines prä 
parierten Kleisters ein Papierbogen aufgeklebt und 
nach erfolgter Trocknung das mit dem Metallüberzug 
fest verbundene Papier von der Messingplatte abgelöst. 
Das so gewonnene Metallpapier entspricht in seinem 
Glanze ganz genau dem Glanze der Messingplatte. Je 
nachdem diese hoch-, mittel- oder mattglänzend ge 
halten wird, zeigt auch das Papier denselben Glanz 
grad. Das Färben der Bogen in allen möglichen 
Farben geschieht durch Auflegen derselben auf eine 
schnell rotierende horizontale Scheibe. Auf die Mitte des 
dadurch gleichzeitig in lebhafte Rotation versetzten 
Bogens giesst man eine kleine Menge farbigen Metall 
lacks, der sich durch die Schleuderwirkung im nu von 
der Mitte aus nach dem Rande zu in gleichmässig 
dünner Schicht über den Bogen ausbreitet. Der Bogen 
wird endlich in einem Ofen getrocknet und zeigt eine 
Oberfläche von ausserordentlicher Farbenschönheit mit 
metallischem Glanz. 
Die Verwendung des Endruweitschen Metallpapiers 
ist mannigfach. Man fertigt daraus kleine Schachteln, 
sogenannte Patentbuchstaben für Reklameplakate und 
Schilder, welche ganz und gar das Aussehen von 
Metallbuchstaben haben und sich auf mattem Karton 
grund wirkungsvoll abheben, namentlich wenn sie mit 
schwacher Wölbung geprägt sind; ferner Reflektoren 
für Lampenschirme und endlich auch geprägte Bilder, 
welche, mit Silberbronze überzogen, ganz den Eindruck 
getriebener Silberarbeit machen und einen schönen 
Zimmerschmuck bilden. 
Eine weitere Specialität der Berliner Papierbearbei 
tungsindustrie bildet die Fabrikation der sogenannten 
technischen Papiere, unter welchem Namen man haupt 
sächlich die Durchschreib-, Paus-, Lichtpaus-, Albumin 
papiere und Oelkartons zusammenfasst. Etwa fünfzehn 
Betriebe, von denen einige mit den besten maschinellen 
Einrichtungen der Neuzeit ausgestattet sind, decken 
den grössten Teil des sehr starken Berliner und des 
inländischen Bedarfs in diesen Artikeln. Durchschreib 
papiere werden mit der Hand in einzelnen Bogen her 
gestellt, indem man das Papier gewöhnlich nur auf 
einer Seite mit einer talghaltigen Farbschicht (meist 
blau) bestreicht. Pauspapiere (Durchzeichenpapiere) 
fertigt man in kleineren Betrieben gleichfalls in ein 
zelnen Bogen mit der Hand, in grösseren als endloses 
Rollenpapier auf Maschinen. Die Papiere erhalten ihre 
Durchsichtigkeit durch Tränkung mit gewissen Oel- 
sorten (Mohnöl), wobei die Schwierigkeit darin besteht, 
dem Papier nicht mehr Fett mitzuteilen, als es gerade 
aufsaugen kann. Hierbei spielt das Fabrikgeheimnis eine 
grosse Rolle. Von den eigentlichen Pauspapieren zu 
unterscheiden sind die in Berlin nicht gefertigten un- 
präparierten Pauspapiere, sogenannte Pergamynpapiere 
aus Sulfitzellstoff, der in genügend dünner Schicht an 
sich transparent ist und durch Satinieren noch durch 
sichtiger wird. Lichtpauspapiere werden in endlosen 
Bahnen hergestellt und erhalten eine lichtempfindliche 
Schicht ähnlich den Albuminpapieren. Auch diese 
Fabrikation hat gewisse Schwierigkeiten und wird ge 
heimgehalten. 
Die Berliner Fabrikation sonstiger präparierten 
Papiere (Fliegenpapier, Glas-, Schmirgelpapier, Perga 
mentpapier) hält sich in so bescheidenen Grenzen, dass ein 
Eingehen darauf an dieser Stelle nicht geboten erscheint. 
Nach dem Voraufgehenden lässt sich Berlins 
Stellung in der Papierbearbeitungsindustrie kurz dahin
	        
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