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Gruppe XVI. Die Papierindustrie und ihre Nebengewerbe

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Gruppe XVI. Die Papierindustrie und ihre Nebengewerbe. 
Papierindustrie im weitesten Sinne umfasst die 
Herstellung sämtlicher Papiersorten, einschliess 
lich der Pappen und des Pergaments, ihre 
weitere Bearbeitung, Zurichtung und Veredelung für ge 
wisse Sonderzwecke, und endlich die Verarbeitung unbe 
arbeiteter, sowie bearbeiteter Papiere zu Waren, Ge 
brauchsgegenständen, Galanterie- und Luxusartikeln. Zu 
den Nebengewerben der Papierindustrie rechnet man die 
Herstellung der Schreib-, Zeichen- und Malutensilien, 
da sie dem ausgedehntesten und ursprünglichsten Ver 
wendungszweck des Papiers als Darstellungsfläche für 
Gedanken und Gegenstände dienen. 
Ueber die Bedeutung und den gegenwärtigen 
Stand der Berliner Papierindustrie, die den Gegenstand 
des vorliegenden Berichts bildet, konnte selbst der 
oberflächlichste Besucher der Berliner Gewerbe-Aus 
stellung von 1896 nicht leicht im Zweifel bleiben. Die 
dieser Industrie gewidmete Gruppe XVI und ein Teil 
der Gruppe VI boten ein fast abgeschlossenes Bild 
von Berlins hervorragendem Schaffen und Können auf 
dem fraglichen Gebiete; und wenn man auch die 
jenigen Berliner Aussteller ausscheidet, deren Fabri 
kationssitz auswärts belegen ist, so ergiebt sich, dass 
ausser Druck- und Schreibpapier und Bleistiften kaum 
ein Artikel der Papierindustrie genannt werden kann, 
der, wenn auch in geringerem Umfange, in Berlin nicht 
hergestellt würde, während hinsichtlich mancher, gerade 
den Weltmarkt beherrschenden Erzeugnisse Berlin den 
ersten Rang einnimmt. 
So vollständig die Ausstellung mit Erzeugnissen 
der Papierindustrie beschickt war, so lückenhaft zeigte 
sich die Vorführung der einschlägigen Betriebe und 
Maschinen. Diese Lücke soll in Folgendem durch 
kurze Schilderung der Fabrikationsmethoden und Be 
schreibung der wichtigsten Maschinen einigermassen 
ausgefüllt werden. 
Wenn auch, wie bereits bemerkt, Druck- und Schreib 
papier in Berlin gegenwärtig nicht fabriziert wird — 
denn dazu fehlen der Berliner Fabrikation alle zur Zeit 
unerlässlichen Voraussetzungen: reichliche Wasserkraft, 
industriellen Zwecken dienende Waldungen und billige 
Arbeitskräfte —, so erscheint es dennoch geboten, in 
einem nicht ausschliesslich für papierfachkundige Leser 
geschriebenen Bericht über Papierindustrie den ersten 
und wichtigsten Vorgang, nämlich die Erzeugung des 
Rohstoffs, den die Berliner Industrie erst weiter be 
arbeitet und verarbeitet, wenigstens in allgemeinen 
Umrissen zu beschreiben, zumal die der Papierfabrikation 
nahe verwandte Packpapier- und Pappenfabrikation in 
Berlin vertreten ist. Ueberdies hat Berlin vor der 
gegenwärtigen Periode der grossindustriellen Ent 
wicklung, als die Papierfabrikation noch lohnender war, 
lange Jahre hindurch viel und ganz vorzügliches Papier 
fabriziert. Es darf sogar das Verdienst für sich in 
Anspruch nehmen, bahnbrechend für Deutschland in 
dieser Industrie vorgegangen zu sein, insofern, als die 
erste in Deutschland aufgestellte Papiermaschine (1818) 
hier in Betrieb gesetzt, und so der Uebergang von der 
Handarbeit zur Maschinenarbeit für Deutschland in 
Berlin vollzogen wurde. Dieser Schritt gereicht der 
technischen Intelligenz Berlins zu hoher Ehre und 
sichert unserer Stadt einen dauernden Platz in den 
Annalen der Geschichte des Papiers, auf die hier nur 
kurz eingegangen werden kann.
	        
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