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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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und Kegel oder beliebig längs profilierte Drehkörper 
hersteilen kann, cylindrisches und kegelförmiges Ge 
winde zu schneiden vermag, je nach Wunsch dreht, 
bohrt oder fräst und die ganze Arbeit von Hand mit 
einem einfachen Stichel macht, oder auch mehr oder 
minder selbstthätig mit einem Fagonstahl ausführen 
lässt. Die andere Richtung will eine Maschine daraus 
hersteilen, welche für eine bestimmte Arbeit oder eine 
bestimmte Arbeitsfolge die zweckentsprechendsten 
Formen hat und die grössten Vorteile bietet; dabei 
wird an der alten Drehbankform so viel gemodelt, 
dass sie kaum als Drehbank noch wiedererkannt wird. 
Bei beiden Formen wird vielfach auch die Arbeits 
spindel durchbohrt, um dem Stichel lange Stangen 
zum Abstechen der einzelnen Arbeitsstücke zuführen 
zu können, was die Verwendbarkeit erheblich steigert. 
Auf der Ausstellung waren beide Richtungen in 
zahlreichen musterhaften Ausführungen vertreten. Zur 
ersteren Sorte darf eine Loewesche Leitspindeldreh 
bank nach umstehender Figur 82 gerechnet werden, 
die zum selbstthätigen Drehen sowohl cylindrischer 
wie kegelförmiger Gestalten und zum selbstthätigen 
Plandrehen, ferner zum Schneiden rechts- wie links 
gängiger Gewinde eingerichtet ist. Die Drehbankspindel 
ist in ganzer Länge 16 mm weit gebohrt. Dem Stichel 
haus können sechs verschiedene Geschwindigkeiten 
gegeben werden. Der Reitstock ist, um schlanke Kegel 
abdrehen zu können, winkelrecht zum Bett verstellbar. 
Das unter der Drehbauk sichtbare Deckenvorgelege 
zeigt zwei lose Antriebrollen, durch die auf die Leit 
spindel sowohl Links- wie Rechtsdrehung übertragen 
werden kann. 
Besondere Beachtung fanden auf der Ausstellung 
auch die Kärgerschen Präcisionsleitspindeldrehbänke. 
Die bekannte Form der Support-Drehbank zeigt 
die Sentkersche Maschine Figur 83 mit elektrischem 
Antrieb. Elektromotor und Maschine sind unmittelbar 
gekuppelt. Der Antrieb erfolgt mittelst Schnecke und 
Schneckenrad auf die Arbeitsspindel; im Spindelstock 
sind verschiebbare Räderpaare angebracht, um die ver 
schiedenen Arbeitsgeschwindigkeiten erzielen zu können. 
Max Hasse hatte als einen Ueberläufer zur zweiten 
Art eine grössere Zahl seiner Universal-Revolverdreh- 
bänke ausgestellt, die er seit achtzehn Jahren baut — 
ursprünglich unter Patentschutz — und die in Metall 
waren- , Armaturen-, Fahrrad-, elektrotechnischen 
Fabriken u. s. w., sowie in den meisten Staatswerk 
stätten für Kriegsmaterial des In- und Auslandes viel 
seitige Verwendung gefunden haben. Wie Figur 84 
zeigt, ist der Werkzeugkopf (Revolver) wagerecht ge 
lagert; in der vorderen Stirnfläche trägt er 6—8 Werk 
zeughalter, die (wie beim Revolver die Mündungen) im 
Kreise angeordnet sind; jeder Werkzeughalter ist zur 
Aufnahme von vier verschiedenen Stählen eingerichtet. 
Die amerikanischen Maschinen dieser Art haben einen 
senkrecht gelagerten Revolverkopf; ihnen wird vielfach 
die Hassesche Bauart vorgezogen , u. a. weil 
bei dieser der Revolverkopf sowohl senkrecht wie 
parallel zum Drehbankbett bewegt werden kann, so 
dass Längs- und Planarbeiten, bei Anwendung einer 
einfachen Kopiereinrichtung aber auch Kurven, Kegel 
u. s. w., ausgeführt werden können. Ein fernerer 
Vorzug ist, dass die Festhaltung des Revolverkopfes 
in der arbeitenden Stellung jedes Werkzeuges durch 
zwei Feststellungsschieber sehr sorgfältig bewirkt wird 
(D. R.-P. No. 65910). Diese Einrichtung gestattet, 
einen sehr kräftigen Span zu nehmen. Diese Revolver- 
Drehbänke werden in verschiedenen Ausrüstungen aus 
geführt; so kann zum Schneiden von Gewinden grösseren 
Durchmessers ein solide geführter Patronensupport an 
gebracht werden. Wie die Zeichnung ferner zeigt, ist 
die Spindel durchbohrt und mit Vorrichtungen zum 
Verschieben und Festspannen des Materials während 
des Ganges der Maschine versehen. Fine Revolver 
drehbank der amerikanischen Bauart, wie sie G. Kärger 
in 6 Grössen seit 20 Jahren vorwiegend für die Be 
arbeitung von Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen mit 
grossem Erfolge baut, ist in Fig. 85 abgebildet. Ausser 
dem Revolverkopf hat sie. noch einen Fagonsupport 
für 2 Werkzeuge; die grösseren Bänke werden meistens 
mit selbstthätigem Vorschub für den Revolver- und 
Faqonsupport ausgeführt. 
Sentker, der überhaupt nicht ausgestellt hatte, 
baut seit einigen Jahren eine sehr sorgfältig durch 
gebildete Maschine zur Bearbeitung der Stehbolzen für 
Lokomotivkessel mit ihrem konischen Gewinde, und 
hat dafür in den Eisenbahnwerkstätten viel Absatz ge 
funden. 
Eine neuere Art der Drehbänke, die sowohl Loewe 
als Sentker bauen und in deren Form man die altehr 
würdige Drehbank der Mechaniker gar nicht mehr er 
kennt, hat eine wagerechte, mit sich selbst das Werk 
stück drehende Planscheibe, über der das oder die Werk 
zeuge senkrecht feststehend angeordnet sind (Fig. 86). 
Diese namentlich für schwere Arbeitsstücke ge 
eigneten Maschinen bieten den Vorteil der leichteren 
Hantierbarkeit des Stückes beim Aufbringen und Cen- 
trieren auf der Planscheibe; sie gestatten bequem die 
gleichzeitige Anbringung und Benutzung mehrerer 
Werkzeuge und räumen endlich auf mit der für grosse 
Werkstücke ganz unnatürlichen und unbequemen, die 
Spindel einseitig beanspruchenden Aufhängung an eine 
Planscheibe mit wagerecht gelagerter Achse. 
Diese Maschinenart stammt in der Urform aus 
Amerika; Sentker hat sie den heimischen Bedürfnissen 
durch Hinzufügung des Bohrapparates angepasst und 
ihre Leistungsfähigkeit im Drehen von wagerechten 
und senkrechten auf schräge Flächen erstreckt, was 
z. B. für die Bearbeitung von Cylinderdeckeln sehr 
wertvoll ist.
	        
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