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Vorgeschichte und Vorbereitung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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die sonst an dem Eisenbahndamm erforderlichen Ar 
beiten, sowie die erwähnte Anlage einer neuen Halte 
stelle der Görlitzer Bahn von dem Eisenbahnfiskus aus 
eigenen Mitteln gemacht werden. 
B. Das Terrain am Lietzensee. 
Das Terrain am Lietzensee, das für die Ausstellung 
in Frage kommt, umfasst 257 3 /4, Morgen, wovon 
28 Morgen See sind, 28 Morgen Parkanlagen; die 
letzteren sind um den See gruppiert und enthalten 
einen alten, prächtigen Baumbestand mit schönen Alleen. 
Das dem Bahnhof Charlottenburg zugekehrte Terrain 
ist durchweg eben, jenseits des Sees steigt es bis zu 
15 m über dem Wasserspiegel. Abgesehen von den am 
Rande des Sees gelegenen Wiesenflächen ist der Bau 
grund überall guter Sand. Das Terrain gestattet eine 
sehr übersichtliche Disposition der Gebäude, deren 
Hauptteil auf den dem Bahnhof Charlottenburg zu 
gekehrten Flächen anzulegen wäre. Es sind keine An 
lagen vorhanden, an die man bei den Bauten gebunden 
wäre, so dass über das vorläufige Programm hinaus 
gehende Erweiterungen unschwer vorgenommen werden 
können. Die Haupt-Zufahrtstrassen laufen auf die Breit 
seite des Terrains auf. Gegenüber den Haupteingängen 
ist ein zusammenhängendes Haupt-Ausstellungsgebäude 
mit einer Grundfläche bis zu 50 OOO qm möglich. 
An Zufahrtstrassen kommen in Betracht: 
a) vom Brandenburger Thor 
1. die Charlottenburger Chaussee und in ihrer Fort 
setzung die Berliner Strasse sowie die Schloss 
strasse ; 
2. die Bismarckstrasse; 
b) von Moabit 
die Kaiserin Augusta-Allee und ihre Fortsetzung 
bis zur Schlossbrücke; 
c) die Kantstrasse, die von der Kaiser Wilhelm- 
Gedächtniskirche in gerader Linie auf das Terrain 
führt und am Ausstellungsplatz endigt; 
d) der Kurfürstendamm und dessen Fortsetzung in 
der Strasse 19 b, die gleichfalls am Ausstellungs 
terrain endigt; 
e) vom Bahnhof Westend die Sophie - Charlotten- 
Strasse, die bis an das Ausstellungsterrain direkt 
heranführt. 
Dass die Charlottenburger Stadtbehörden die un 
entgeltliche Regulierung der verlängerten Schlossstrasse, 
der Kantstrasse und der Strasse 19b bis an den Aus 
stellungsplatz zugesagt haben, ist oben berichtet. 
Für eine elektrische Strassenbahn im Zuge der 
Schlossstrasse und im Anschluss an die Charlottenburger 
Pferdebahn, sowie für eine elektrische Strassenbahn im 
Zuge der Kantstrasse von der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis 
kirche bis an den Ausstellungsplatz liegen Konzessions 
gesuche bei dem Magistrat von Charlottenburg vor. Die 
Dampfstrassenbahn am Kurfürstendamm wird im Falle der 
Wahl des Terrains am Lietzensee durch die Strasse 19b 
bis an den Ausstellungsplatz verlängert werden. 
Die Schlossstrasse hat in dem der Ausstellung zu 
nächst gelegenen Teil eine Breite von 40 m, in dem 
der Berliner Strasse zunächst gelegenen Teil eine Breite 
von 73 m. Die Kantstrasse ist durchschnittlich 34, der 
Kurfürstendamm 49 m breit. Die drei gedachten 
Strassenbahnlinien würden im Zweiminutenverkehr nach 
einer Richtung stündlich 80 X 30 X 3 = 7200 Personen, 
also in den drei Abendstunden 21600 Personen zu be 
fördern im stände sein. 
Die Bismarckstrasse, sowie die mit ihr parallel 
laufende Pestalozzi- und Schillerstrasse würden für den 
Wagenverkehr disponibel bleiben, ohne durch Strassen- 
bahnen beschränkt zu werden. 
Der Bahnhof Charlottenburg ist von dem Haupt 
eingang der Ausstellung 550 m entfernt. Die Anlage 
eines Bahnhofs unmittelbar am Ausstellungsterrain dari 
als gesichert angesehen werden. Hier würden ausser 
der Stadtbahn selbst die Züge des Fernverkehrs, der 
Ringbahn, sowie der Lehrter Bahn einmünden können. 
Nach dem oben erwähnten Gutachten des Herrn 
Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektors Klinke würden 
sich von dem Terrain am Lietzensee bei normaler Be 
nutzung der Züge in den drei Abendstunden 76 272 
Personen, und bei einer auch sonst vorkommenden 
Ueberfiillung, wie sie der Berechnung für den Verkehr 
am Treptower Park zu Grunde gelegt ist, 114408 oder 
rund 115 OOO Personen befördern lassen. Die Strassen- 
bahnbeförderung vom Treptower Park verhält sich somit 
zu der Strassenbahnbeförderung vom Lietzensee wie 
1:3, die Eisenbahnbeförderung wie 47:115; die 
Wasserbeförderung, die für die drei Abendstunden 
3000 Personen umfassen könnte, kommt nur für den 
Treptower Park in Betracht. Ausserdem fällt ins 
Gewicht, dass die Züge vom Lietzensee die Besucher 
strahlenförmig über Berlin verteilen; man gelangt ohne 
Umsteigen zu den eigentlichen Stadtbahnstationen wie zu 
den Fernstationen der Stadtbahn, zu sämtlichen Stationen 
des Süd- und Nordrings, zum Anhalter Bahnhof, zum 
Lehrter Hauptbahnhof, nach Spandau und Potsdam. Die 
von Treptow abzulassenden Züge dagegen berühren nur 
die eigentlichen Stadtbahnstationen, die Stationen des 
Südrings, den Görlitzer Bahnhof und einen Teil der an 
der Görlitzer Bahn gelegenen Stationen. 
Für die Entwässerung des Terrains am Lietzensee 
steht ein grosser gemauerter Kanal in der verlängerten 
Schlossstrasse, sowie eine unmittelbar an das Aus 
stellungsterrain heranreichende Kanalisation in der 
Sonhie-Charlotten-Strasse zur Verfügung. Dass die Char 
lottenburger Stadtbehörden die unentgeltliche Aufnahme 
der von dem Ausstellungsplatz abzuführenden Abwässer 
zugesagt haben, ist oben mitgeteilt. Für die Heranführung 
der Gas- und Wasserleitungen bis an das Ausstellungs 
terrain sind besondere Aufwendungen nicht zu machen.
	        
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