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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

halb Deutschlands hauptsächlich auf Oesterreich-Ungarn 
und Russland. 
Unter den Berliner Fabriken, die sich den Be 
sonderheiten des Werkzeugmaschinenbaues zugewendet 
haben und mehr oder minder bedeutend sind, hier 
aber ebenso wenig, wie die vorgenannten, nach ihrer 
Grösse oder einem anderen Massstabe geordnet 
werden können und sollen, sind u. a. noch Rud. 
Gebhard, M. Mittag, sowie Malick & Walkows für 
kleinere Bohr- und Fräsmaschinen bezw. Leitspindel 
bänke und Drehbänke für Schraubenherstellung; Archi- 
medes, Aktien-Gesellschaft für Stahl- und Eisen-Indu 
strie, Maschinen zur Herstellung von Schrauben, Bolzen 
und Nieten; Skrziwan, Beling & Liibke, R. Dahl für 
kleine Drehbänke bezw. Bohrmaschinen für Mechaniker 
zu nennen. 
Die Herstellung von Werkzeugmaschinen für die 
Lampen- und Metall - Industrie, sowie Papierwaren 
herstellung, Buchbindereien u. s. w. betreiben mit an 
erkannt gutem Erfolge Jul. Knappe (vergl. Seite 647; 
Maschinen für die Gold-, Silber- und Metallwaren 
fabrikation, z. B. Spindelpressen, Fallwerke, Blech-, Draht- 
und Löffelwalzwerke, Drückbänke, Schleifmaschinen und 
Sandstrahlgebläse), Reiss & Martin (vergl. Seite 647; 
Pressen aller Art, Stosswerke, Scheren, Sieb- und 
Galerie-Schneidemaschinen, Driickbänke, Einrichtungen 
für Schnitt- und Stanzenwerkzeuge), Albert Bolle & Jordan, 
Joh. Hauff, Tietz & Cie. u. a. Kleine Werkzeugmaschinen 
für Klempner, Brillenglas-Schneidemaschinen u. s. w. 
baut H. Seidel. 
^Getragen von dem grossen Bedarf an feineren 
Werkzeugen für die äusserst zahlreichen, in Berlin be 
schäftigten Maschinen zur Metallbearbeitung haben sich 
in grosser Zahl Fabriken aufgethan, die für diese 
Zwecke Spiralbohrer, Reibahlen, Fräser, Gewinde 
schneidzeuge u. dergl. herstellen und ihr Absatzgebiet 
weit über Berlin ausgedehnt haben. Einige der Fabriken, 
z. B. Henschel & Cie., beschränken sich hierauf; andere, 
z. B. R. Dahl, Isserstedt & Günther und Rieh. Weber & 
Cie., stellen auch kleine Präzisionsmaschinen für Uhr 
macher u. dergl. her. Ein weiterer Teil derselben baut 
nebenher patentierte Vorrichtungen, z. B. F. Steinrück 
Hinterdrehvorrichtung für Schneidwerkzeuge; wieder an 
dere, wie Fritz Andree & Cie., stellen auch Spannfutter 
für Bohrer und andere Werkzeuge, Universaldrehfutter 
u. dergl. Hilfsmittel her, welche vorzügliche Arbeit und 
gediegenen Entwurf zeigen. Wer die überschäumende 
und in ihren Erfolgen bewundernswerte schöpferische 
Thätigkeit der amerikanischen Industrie gerade auf 
diesem Gebiet kennt, wird sich nicht wundern, hier 
auch amerikanischen Mustern zu begegnen. 
Eine ganz eigene Art der Werkzeuge sind die 
Schnitte, Stanzen, Prägeformen u. dergl., die schon 
seit langer Zeit für ihre Blecharbeiten von der Berliner 
Lampen-Industrie gefordert werden. Die Fabriken, die 
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diesen Bedarf befriedigen, wie Reiss & Martin, Gebr. 
Krull, Dudeck, Münchgesang u. a., sehen sich einer 
stetig steigenden Anfrage gegenüber, seit auch die 
Elektrotechnik mit ihrem rasch wachsenden Bedarf an 
Blechen der verschiedensten Umrissformen auf dem 
Plane erschienen ist. Es ist ganz deutsche Gründlich 
keit, wenn diese Fabriken in ihren Probierräumen die 
richtige Arbeit der hergestellten Werkzeuge prüfen 
und zu diesem Zweck vielfach auch die zugehörigen 
Pressen bauen. Sie sichern sich dadurch eigene Er 
fahrungen. zum weiteren Ausbau ihrer Leistungen und 
befriedigen durch ihre Zuverlässigkeit den Abnehmer. 
Den tüchtigen Leistungen unserer Fabriken auf diesem 
Gebiet ist es zu danken, dass z. B. die Berliner Lampen 
erzeugung sich zu der heutigen Höhe und Bedeutung 
aufschwingen konnte. 
Ein weiteres günstiges Absatzgebiet bieten Berlins 
Metallbearbeitungsstätten für Schraubenschneidereien 
(z. B. Metallschraubenfabrik F. Rosenbaum, sowie 
Archimedes) und für die verschiedensten Fräsarbeiten, 
insbesondere Zahnräder, die in besonderer Güte von 
Stolzenberg & Cie., Isserstedt & Günther, Friedr. Stein 
rück u. a. hergestellt werden. 
Nach eigenen Modellen erzeugt ihre Werkzeuge, 
namentlich auch Siederohrdichtmaschinen die Aktien- 
Gesellschaft vorm. Hugo Hartung; ihre Parallelschraub 
stöcke, gleichfalls nach eigenen Entwürfen gearbeitet, 
greifen über in das oben bereits gestreifte Gebiet der von 
Amerika aus unsern Markt überschwemmenden Hilfs 
mittel für die Bearbeitung der Werkstücke auf den 
Werkzeugmaschinen und von Hand. Diese Dinge 
werden in einem beträchtlichen Umfang als Lager 
artikel neben kleineren Maschinen und sonstigen Eisen 
waren in grossen Handlungen geführt, deren es auch 
in Berlin viele giebt, darunter solche von grossem 
Umsatz. 
Der amerikanische Wettbewerb, der den deutschen 
Erzeugungsstätten in diesen Industrieerzeugnissen er 
wächst, hat den Vorteil, dass er zu höheren An 
sprüchen in solchen Hilfsmitteln der Technik anregt, 
was rückwirkend auf den einheimisch zu deckenden 
Bedarf günstig einwirkt. Wesentlich anders gestaltet 
sich jedoch das Bild, das uns der heutzutage in leb 
haftem Aufschwung begriffene Handel mit den hoch 
bewerteten amerikanischen Werkzeugmaschinen bietet. 
Um über dessen Folgen einen Ueberblick zu gewinnen, 
hat man sich Folgendes vor Augen zu halten: 
An die Stelle der englischen Vorbilder, die früher 
den deutschen Werkzeugmaschinenbau beeinflussten, 
ja die man sklavisch nachbaute — was dem Ansehen 
des deutschen Maschinenbaues in England und auch 
sonst sehr viel Abbruch gethan hat —, sind seit den 
siebziger Jahren die amerikanischen getreten. Dieser 
amerikanische Einfluss im Werkzeugmaschinenbau macht 
sich hauptsächlich geltend in seinen höchst sinnreichen 
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