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Vorgeschichte und Vorbereitung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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zwischen der Treptower Chaussee und der Köpenicker 
Landstrasse in unmittelbarer Nähe des Eisenbahndamms 
der Ringbahn errichtet werden kann, ohne dass Baum 
pflanzungen beseitigt zu werden brauchen. Allerdings 
würden später hervortretende Erweiterungsbedürfnisse 
für einzelne Gebäude durch die städtischerseits vor 
geschriebene Schonung der Baumpflanzungen Schwierig 
keiten finden und die Disposition sowie die Ueber- 
sichtlichkeit der Anlage erschweren. Der zur Zeit als 
Steindepot dienende grosse Platz in unmittelbarem An 
schluss an den Bahnhof kann nach den eingeholten 
Informationen nicht ganz geräumt werden, und es würde 
nur übrig bleiben, den südöstlich vom Steindepot ge 
legenen, unmittelbar an die Spree grenzenden Teil des 
Parkes für Ausstellungszwecke mit heranzuziehen. Dieser 
an der Spree gelegene und sich weiter südöstlich er 
streckende Teil der Ausstellung würde von dem Haupt- 
Ausstellungsgebäude durch die Treptower Chaussee ge 
trennt bleiben, wenn sich nicht deren Kassierung für 
die Dauer der Ausstellung erzielen liess trotz ihres 
Charakters als öffentliche Verkehrsstrasse und trotz der 
Notwendigkeit, die Zugänglichkeit der an ihr liegenden 
Privatgrundstücke zu sichern. Private Anfragen an zu 
ständiger Stelle haben ergeben, dass unbedingte Hinder 
nisse einer solchen Sperrung nicht im Wege stehen, 
dass auch das Interesse der nächstbeteiligten Kreise an 
behördlicher Stelle (Landrat des Treptower Kreises und 
Amtsvorsteher von Treptow) die Neigung schaffen würde, 
die Kassierung der Treptower Chaussee herbeizuführen. 
Als Zufahrtstrasse für Strassenbahnwagen und Fuss- 
gänger giebt es nur einen Weg zum Treptower Park, 
nämlich von der Schlesischen Brücke ab die Köpe 
nicker Strasse, in welche die vom Westen an der 
Kanalseite ausmündende Görlitzer Strasse einläuft, und 
als deren Verlängerung die Treptower Chaussee, die 
sich bei der städtischen Baumschule in die Treptower 
Chaussee und die Köpenicker Landstrasse gabelt. 
Alles Fuhrwerk muss die Schlesische Brücke passieren. 
Es ist nur eine einzige Strassenbahnlinie vorhanden, 
und jede noch weiter anzulegende wird in einer Strecke 
von 1200 m die Schlesische Strasse passieren müssen. 
Die Eisenbahnunterführung im Zuge der Treptower- 
Chaussee hat nur die Breite des Fahrdamms, 16 m, 
während die Promenadenwege sich am Bahndamm tot 
laufen. Die Unterführung unter die Bahn im Zuge der 
Köpenicker Landstrasse ist noch schmäler. Kommt 
die Ausstellung nach dem Treptower Park, so müssen 
die Promenaden im Zuge der Treptower Chaussee 
unter dem Bahndamm hindurchgeführt, und es muss die 
Unterführung im Zuge der Köpenicker Landstrasse 
verbreitert werden. Beide Arbeiten sind nicht so um 
fangreich, dass sie nicht bis zum Beginn der Ausstellung 
beendet sein könnten. Von der Absicht, im Zuge der 
Reichenberger oder Wiener Strasse eine Brücke zu 
bauen und von dort eine Zufahrtstrasse nach dem Trep 
tower Park neu herzustellen, ist bei dem Berliner 
Magistrat nichts bekannt. Es ist jedoch davon die 
Rede, dass Interessenten bereit sein sollen, eine an 
sehnliche Summe für jene Brücke zu zeichnen; doch 
bliebe selbst im Falle der Erbauung der Brücke die 
Uebernahme der kostspieligen Regulierung der Zufahrt 
strasse von der Brücke bis zum Gabelpunkt der Trep 
tower Chaussee und der Köpenicker Landstrasse immer 
noch in Frage. 
Für die Bewältigung des Massenverkehrs nach dem 
Treptower Park kommen die Strassenbahnlinie und die 
Ringbahnlinie, in zweiter Reihe auch die Görlitzer Bahn 
und die voraussichtlich demnächst zur Ausführung ge 
langende Verbindungsbahn von Rixdorf nach Johannis 
thal-Niederschönweide in Betracht. Die Haltestelle der 
letzterwähnten Verbindungsbahn liegt allerdings bereits 
2 km hinter der südöstlichen Grenze des Treptower 
Parks. 
Wird die Strassenbahn für den elektrischen Betrieb 
eingerichtet, so dass man mit Anhängewagen fahren 
kann, so ist es ihr, ein Zweiminutenverkehr voraus 
gesetzt, möglich, innerhalb einer Stunde 8o X 3° 
= 2400 Personen nach einer Richtung zu befördern. 
Was die bestehenden und in Aussicht genommenen 
Eisenbahnverbindungen für den Verkehr nach dem 
Treptower Park leisten können, hat der Herr Eisenbahn- 
Bau- und Betriebsinspektor Klinke mit Genehmigung des 
Präsidenten der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin 
in einem ausführlichen Gutachten dargelegt. In diesem 
Gutachten wird unter Berufung auf die bei der Welt 
ausstellung in Chicago von dem Gutachter gemachten 
Beobachtungen ausgeführt, dass der Verkehr zur Aus 
stellung sich auf den ganzen Tag vom frühen Morgen 
an verteilt, seine Bewältigung deshalb keine besonderen 
Schwierigkeiten bietet, während der Verkehr von der 
Ausstellung sich auf die drei letzten Abendstunden 
zusammendrängt. 
Die den Treptower Park entlang führende Ring 
bahn ist wie die ganze Südringstrecke von Stralau- 
Rummelsburg bis Treptow nur zweigleisig. Ihre grösste 
stündliche Leistungsfähigkeit umfasst sechzehn Stadt 
bahnzüge, von denen sich elf nach Treptow leiten 
dessen. Jeder Zug kann bei normaler voller Besetzung 
454 Personen fassen. Die elf Züge würden somit in 
der Stunde 4994 Personen befördern können. Mit den 
nach anderer Richtung gehenden Zügen Hessen sich 
in der Stunde 3632 Personen, zusammen also stündlich 
8626 befördern. Die Berlin-Görlitzer Bahn, die einen 
Haltepunkt vor der Einmündung der Stadtbahn ein 
richten müsste, könnte ausserdem 1816 Personen in 
der Stunde befördern, so dass die stündliche Gesamt 
leistung der Personenbeförderung durch die Eisenbahnen 
vom Treptower Park sich auf 10442 beziffern würde, 
mithin für drei Abendstunden auf 31 326 Personen. Da 
bei besonderen Veranlassungen während des Haupt-
	        
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