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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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tung bewegt werden, nennt man sie »kombinierte« 
Dreschmaschinen oder, mit Rücksicht darauf, dass sie 
in der Regel durch lokomobile Dampfmaschinen be 
trieben werden, oft schlechthin »Dampfdreschmaschinen«. 
In Deutschland werden jedoch immer noch in der 
Mehrzahl einfachere, höchstens mit Strohschüttler und ein 
facher Reinigung versehene, durch Tiere mittelst Göpels 
oder mit der Hand betriebene Dreschmaschinen benutzt, 
welche zum Preise von ioo—500 Mk. zu beschaffen 
sind; eine mit allen wünschenswerten Einrichtungen 
verseheneDampfdreschmaschine kostet dagegen 3000 bis 
5000 Mk. Früher wurden die kombinierten Dresch 
maschinen ausschliesslich von England bezogen; seit 
etwa zwanzig Jahren werden sie auch in Deutschland 
und neuerdings in Berlin gebaut. Bezüglich der Kon- 
so ist es für jedes andere Land schwierig, in dieser 
Richtung auf dem Weltmarkt mit England in erfolg 
reichen Wettbewerb zu treten. 
Zu dem auf dem Stoppelfelde, neben den Getreide 
mieten erfolgenden Betriebe einer Dampfdreschmaschine 
gehört immer ein mit der Dreschmaschine verbundener 
Elevator, welcher das von der Dreschmaschine aus 
geworfene Stroh aufnimmt und zu Mieten anhäuft. Von 
einem derartigen Gerät ist zu verlangen, dass die 
Stellung der Elevatorleiter mit den Harkenketten, ohne 
Unterbrechung des Betriebes, der Höhe und Anordnung 
der Strohmieten entsprechend in vertikaler und horizon 
taler Ebene bequem geändert werden kann. Diesen 
Anforderungen genügt der seit 1892 von der Aktien- 
Gesellschaft H. F. Eckert eingeführte Strohelevator 
struktion und Ausführung der vollkommensten kom 
binierten Dreschmaschine besteht keine Schwierigkeit, 
die eine gut eingerichtete F'abrik nicht überwinden 
könnte. Dagegen ist eine wirtschaftliche Schwierigkeit 
nicht zu verkennen. Aus gewissen, hier nicht zu er 
örternden Gründen lässt sich nicht vermeiden, das Ge 
stell und sehr viele Teile der Dreschmaschine aus 
Holz herzustellen; häufig wiederholte Versuche, auch 
in diesem Falle das Holz durch Eisen zu ersetzen, sind 
gescheitert. Dieser Umstand nötigt jede Fabrik, welche 
empfehlenswerte Dreschmaschinen bauen will, das hierzu 
erforderliche Holz in grossen Vorräten zu beschaffen 
und 5—8 Jahre lagern zu lassen. Damit ist eine Kapital 
anlage bedingt, die nur durch Massenabsatz nutzbringend 
gemacht werden kann, und da England zuerst mit dem 
Bau kombinierter Dreschmaschinen vorgegangen ist und 
vortreffliche, ganz besonders dauerhafte Maschinen liefert, 
»Titanus« (Fig. 57) in solchem Masse, dass die Kon 
struktion auch von ausländischen Firmen als Vorbild 
benutzt wird. 
Die mannigfachen, für die Tierhaltung dienenden 
Geräte, wie Häcksel-, Grünfutter- undStreustroh-Schneide- 
maschinen, F'utterquetschen, Schrotmühlen, Futter 
dämpfer, Stalleinrichtungen, Anschirrungen u.s.w., haben 
zwar ebenfalls wesentliche Verbesserungen erfahren, 
zum Teil sind diese Verbesserungen aber ausserhalb 
Berlins zuerst entstanden, und zum Teil bestehen sie 
in Einzelheiten der Ausführung, deren Erörterung hier 
zu weit führen würde. Dasselbe gilt von dem Molkerei 
betrieb, welcher zufolge der seit kaum zehn Jahren all 
gemeiner gewordenen Anwendung der Centrifuge zur 
Entrahmung der Milch einen völligen Umschwung er 
fahren hat. Erst durch die Centrifuge wurden eine 
unverzügliche und vielseitige Verwertung der Milch und
	        
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