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Vorgeschichte und Vorbereitung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Im Vordergründe stand damals neben dem Trep 
tower Park das Gelände von Witzleben am Lietzensee. 
Letzteres war sogar infolge des Zögerns derBerlinerStadt- 
verwaltung in der Zeit kurz vor dem oben mitgeteilten 
entscheidenden Beschlüsse der Stadtverordneten-Ver- 
sammlung in die erste Stelle gerückt. Der Vorsitzende 
des Arbeitsausschusses, Kommerzienrat Kühnemann, 
teilte in einer von der »Vereinigung 1879« berufenen und 
von mehr als 600 Gewerbetreibenden besuchten Ver 
sammlung in Castans Panoptikum Anfang April 1894 mit, 
dass für die Ausstellung eins der vierangebotenen Terrains 
im Westen Berlins in Aussicht genommen sei, und dass 
sich der geschäftsführende Arbeitsausschuss aus mannig 
fachen Gründen für den Westen entschlossen habe, 
vornehmlich, weil er sich überzeugt habe, dass der Mehr 
heit der Berliner Bevölkerung der Westen am sym 
pathischsten sei. Hiernach wurde einstimmig nach 
stehende Resolution angenommen: 
»Die »Vereinigung 1879«, bestehend aus über 
600 dem Gewerbestande ungehörigen Bürgern 
Berlins, spricht dem Arbeitsausschuss der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung 1896 warmen Dank und 
volle Anerkennung aus. Seinem mannhaften Ein 
treten, unermüdlichen Arbeiten und energischen 
Handeln glauben die Berliner Gewerbe allein die 
Durchführung dieses grossen Unternehmens zu 
verdanken; sie sind durchdrungen von der An 
sicht, dass diesen Kräften auch ein glänzender 
Erfolg sicher ist, und dass die Berliner Gewerbe- 
Ausstellung 1896 zum Segen der Gewerbe bei 
tragen wird, den Ruhm der Stadt und des deut 
schen Namens in weite Ferne zu tragen.« 
Am 3. April 1894 betraute der geschäftsführende 
Ausschuss eine aus den Herren Geh. Kommerzienrat 
Goldberger als Vorsitzenden, Hof- und Ratsmaurer 
meister Jacob, Stadtbaurat a. D. Köhn, Regierungs 
und Baurat Schulze, Oekonomierat Späth, Stadtrat 
Töbelmann und Baumeister Wolffenstein be 
stehende Terrainkommission, der später die Herren 
Architekt Hoffacker und Gartendirektor Mächtig 
durch Kooptierüng beitraten, mit der Aufgabe, die an 
gebotenen oder sonst in Aussicht genommenen Plätze 
zu prüfen, zu begutachten und dem geschäftsführenden 
Ausschuss darüber Bericht zu erstatten. 
Auf Grund dieses Berichts und der Verhand 
lung im geschäftsführenden Ausschuss richtete dann 
der Arbeitsausschuss unterm 5- Mm eine ausführliche 
Denkschrift an den Gesamtvorstand. In dieser wird 
mitgeteilt, dass das sonst allen Anforderungen ent 
sprechende, aber räumlich unzureichende fiskalische 
Terrain Hippodrom*) vom Kaiser abgelehnt worden sei. 
*) Dieses war schon empfohlen worden in der Schrift: »Zur 
Platzfrage der deutsch-nationalen Gewerbe-Ausstellung in Berlin im 
Jahre 1888.« Vortrag, gehalten im Verein der Westvorstadt zu Berlin 
am 5.Mai 1886 von Chr. Herrstadt, Regierungsbaumeister. Berlin 1886, 
Sittenfeld. 
Der Grundsatz, die herrlichen alten Baumbestände des 
Tiergartens unversehrt zu erhalten, ist seit langer Zeit 
in Geltung. Ohne Inanspruchnahme ansehnlicher Stücke 
des benachbarten Tiergartenteils wäre aber das Hippo 
drom-Gelände zweifellos ganz unzureichend gewesen, 
eine Ausstellung von grösserem Umfange aufzunehmen, 
selbst von den nun einmal unerlässlich gewordenen 
Nebenveranstaltungen ganz abgesehen. Sieben ferner 
angebotene oder empfohlene Plätze erwiesen sich 
nach sorgfältiger Prüfung als ungeeignet. Die Ter 
rain-Kommission war hiernach darüber einig, dass in 
engere Wahl nur genommen werden konnten: der 
Treptower Park und das im Charlottenburger Gebiet 
gelegene Terrain Witzleben am Lietzensee. Für 
den Fall der Wahl Witzlebens bewilligte die Charlotten 
burger Stadtverordneten-Versammlung einen im Falle 
eines Reinüberschusses zurückzuzahlenden Beitrag von 
150000 Mk. und verpflichtete sich ausserdem, die Zu 
fahrtstrassen herzurichten, sowie die Entwässerung des 
Ausstellungsplatzes und der darauf zu errichtenden Bau 
lichkeiten in die dazu geeigneten öffentlichen Leitungen 
während der Dauer der Ausstellung unentgeltlich zu 
gestatten. In der Begründung des betreffenden An 
trages hatte der Charlottenburger Magistrat gesagt: 
»Die Ehre, dem mächtig aufstrebenden und blühen 
den Gewerbe der Reichshauptstadt vorübergehend eine 
Stätte zur Entfaltung seiner Leistungen gewährt zu haben, 
würde uns immer bleiben, mit und ohne Verdienst. 
Fällt die Wahl auf Charlottenburg, so wird sich 
naturgemäss noch manche Gelegenheit bieten, dem 
Unternehmen von Gemeinde wegen direkt oder indirekt 
förderlich zu sein.« 
Charlottenburger Bürger richteten überdies eine 
Petition an den Magistrat und die Stadtverordneten 
ihrer Stadt, worin beantragt wurde, den beabsichtigten 
Zuschuss zu den Kosten der Ausstellung von 1 50000 auf 
300000 Mk. zu erhöhen. 
Die Terrainkommission liess die beiden in Frage 
kommenden Gelände durch zwei Subkommissionen unter 
suchen und stellte sodann Folgendes fest:*) 
A. Treptower Park. 
Es herrschte allgemeine Uebereinstimmung, dass 
der Treptower Park durch seine Anlagen und durch 
seine Angrenzung an die Oberspree für eine Ausstellung 
ein sehr geeignetes Terrain bildet und hinreichend freien 
Raum mit gutem Baugrund liefert, um die nötigen 
Bauten aufzunehmen. Es wurde ferner anerkannt, dass 
das Haupt-Ausstellungsgebäude, welches die verwandten 
Gewerbe in einem Raume unterbringen soll und für 
welches nach den Erfahrungen früherer Ausstellungen 
eine Grundfläche von 30 000 qm nicht allzu reichlich 
bemessen ist, an der langgestreckten Wiesenfläche 
*) Bei der dauernden Wichtigkeit der Frage geben wir die 
Untersuchungsberichte über die beiden Gelände im Wortlaut.
	        
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