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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Streifens sind bestimmte Querschnittsverhältnisse ein 
zuhalten, und mit Rücksicht auf einen wirtschaftlich 
vorteilhaften Betrieb ist ausgeschlossen, mehr als 
4—6 Zugtiere gleichzeitig arbeiten zu lassen, die zu 
sammen etwa 300 — 600 kg Zugkraft ausüben können. 
Es werden daher einscharige Pflüge in Anwendung 
kommen müssen, wenn schon bei Ablösung des ein 
zelnen Erdstreifens ein Widerstand von 300 kg oder 
mehr zu überwinden ist. Dieser Fall tritt ein, wenn 
die Schar in sehr bindigem oder noch nicht urbar 
gemachtem Boden auf 18—42 cm Tiefe und 20—30 cm 
Breite arbeiten soll. Die Vervollkommnung des 
Pfluges einerseits und die gesteigerte Bodenkultur 
andererseits haben aber zur Folge gehabt, dass in den 
meisten Fällen, in denen früher einscharige Pflüge 
angewendet wurden, gegenwärtig zweischarige Pflüge 
benutzt werden, weil dieselben, bei Aufwendung der 
selben Zugkraft und Bedienung, in derselben Zeit die 
doppelte Leistung ergeben. 
Fig. 54. Zweischar-Pflug »Simplex« der 
A k t i e n - G e s e 11 s c h a f t H. F. Eckert. 
Nach den neueren Konstruktionen der zwei- und 
mehrscharigen Pflüge werden die Schare mit ihren 
Griessäulen an polygonalen Rahmen befestigt, welche 
sich auf zwei Räder stützen. Mittelst eines Hebels 
lassen sich die beiden Räder derart stellen, dass das 
vor den Scharen befindliche Rad, »Furchenrad« während 
des Pfliigens auf der Ebene der Scharsohlen bleibt, das 
andere Rad, »Landrad«, aber beliebig hochgestellt 
werden kann. Damit ist ermöglicht, die Tiefe des 
Schareingriffs in jedem Augenblick in bequemster 
Weise ohne Unterbrechung der Arbeit zu ändern. 
Diese in zahlreichen, zum Teil sehr sinnreichen Aus 
führungsformen zur Anwendung gekommene- Einrichtung 
hat wesentlich dazu beigetragen, den zweischarigen 
Pflügen Aufnahme zu verschaffen. 
Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben den Land 
wirt genötigt, die Tierhaltung auf das äusserste Mass 
zu beschränken. Damit ist aber auch die natürliche 
Düngerproduktion wesentlich vermindert worden, und 
dieser Umstand, wie die Erkenntnis, dass der Stall 
dünger in vielen Fällen überhaupt nicht genügend 
wirkt, hat dazu geführt, Guano, Knochenmehl und 
Körper mineralischen Ursprungs, wie Chilisalpeter, 
Kainit, Kalk, Superphosphat, Thomasschlacke, zur 
Fruchtbarmachung des Bodens in grossem Masse an 
zuwenden. Die erwähnten Materialien sind gesondert 
oder gemischt, in Pulverform oder feinkörnig, in genau 
abgewogenen, aber sehr verschiedenen Quantitäten gleich - 
mässig über die zu düngende Ackerfläche zu verteilen- 
Eine gleichmässige Verteilung ist jedoch mit nicht 
geringen Schwierigkeiten verknüpft. Streuen aus der 
Hand ist, abgesehen von den hohen Arbeitskosten, 
nicht zu empfehlen, weil hierdurch die Gesundheit des 
Arbeiters gefährdet werden kann. Gleichmässiges 
Streuen jedes der erwähnten Materialien und ihrer 
Gemenge mittelst derselben Maschine wird dadurch 
sehr erschwert, dass einige Materialien, wie Knochen 
mehl und Thomasschlacke, sehr leicht ausfliessen, 
andere dagegen, wie Chilisalpeter und Superphosphat, 
teigartig werden und der Teilung widerstehen. Unter 
den sehr verschiedenartigen, bisher in den Verkehr 
gebrachten Düngerstreumaschinen hat nur ein System 
sich so weit bewährt, dass die damit erreichte Ver 
teilung in den meisten Fällen der Praxis genügt. Die 
Maschinen dieses erst vor elf Jahren in Vorschlag ge 
brachten Systems sind aber recht kompliziert und er 
fordern eine sehr sorgfältige Behandlung und beträcht 
liche Zugkraft. Die von der A.-G. H. IC Eckert aus 
gestellte Düngerstreumaschine »Matador« ist so neu, 
dass endgiltig entscheidende Erfahrungen über die 
Leistungen der Maschine noch nicht vorliegen können; 
das gewählte Konstruktionsprinzip lässt aber hoffen, 
dass die Maschine sich bewähren wird. Das Dünge 
material ruht auf einer rotierenden Walze und soll von 
dieser in eine Mulde gefördert werden, in der eine 
radial mit spatenförmigen Stiften besetzte Welle rotiert. 
Erfolgt die Zuführung des Materials in die Mulde zu 
verlässig in gleichmässiger Schicht, so ist nicht zu 
bezweifeln, dass die stets bis zu derselben Tiefe ein 
tauchenden Spaten auch gleichmässig ausstreuen 
werden, und dann wäre diese sehr viel einfachere 
Maschine der älteren vorzuziehen. 
Nach dem älteren Verfahren des Säens wird das 
Saatgut »breitwürfig«, d. h. etwa so wie die erwähnten 
Düngematerialien aus der Hand oder mittelst Maschinen 
auf den gepflügten Acker gestreut und durch Eggen oder 
mehrscharige, seicht arbeitende Pflüge mit Boden bedeckt. 
Hierbei ist ein Verlust von etwa 30 pCt. Saatgut unver 
meidlich, weil ein Teil desselben unbedeckt auf der Ober 
fläche bleibt und ein anderer Teil so tief eingebettet wird, 
dass die Keime sich nicht entwickeln können. Zum 
1 eil stehen hiernach die Pflanzen auch so dicht, dass 
sie sich gegenseitig in ihrem Wachstum beeinträchtigen. 
In den hochkultivierten und dicht bevölkerten Teilen 
Asiens hat man diesem Uebelstande schon sehr früh 
dadurch zu begegnen gesucht, dass man mittelst hohler, 
scharartiger Geräte Furchen von bestimmter Tiefe und
	        
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