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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

Verhältnissen in den Tropen angepasst sein mussten. 
Auch diese Aufgabe ist als gelöst zu betrachten, da 
sich die Schiffe bis jetzt allgemeiner Anerkennung zu 
erfreuen gehabt haben. 
Die beiden für den Dienst in Deutsch-Ostafrika 
bestimmten Dampfer »Rovuma« und »Rufiyi«, welche 
die Abbildung Seite 591 zeigt, haben eine Länge von 
29 m, eine Breite von 5,6 m und einen Tiefgang von 
1,8 m. Die Maschinen indizierten bei der Probefahrt 
über 200 Pferdekräfte, mit welchen die Schiffe eine 
Fahrt von mehr als zehn Knoten erreichten. Das 
Kohlenfassungsvermögen ist so bemessen, dass die 
Schiffe bei zehn Knoten Geschwindigkeit 1500 See 
meilen zurücklegen können. Die Kammern für den 
Schiffsführer, zwei Maschinisten und den Steuermann 
sind unter Deck angeordnet, und ausserdem ist auch 
der sonst auf Oberdeck lebenden schwarzen Besatzung 
Zimmermann und Koch haben ihre Kammern unter 
Deck, während der Raum unter der Back für den 
Aufenthalt der schwarzen Besatzung bestimmt ist. 
Die Armierung besteht aus einer auf der Back an 
gebrachten Kruppschen 5 cm Schnellfeuerkanone und 
zwei auf der Kommandobrücke aufgestellten Maschinen 
gewehren. 
Alle drei Schiffe sind nach den Regeln des Ger 
manischen Lloyd erbaut, welcher an dieser Stelle nicht 
unerwähnt bleiben darf, da er seinen Sitz in Berlin hat 
und für die Entwicklung des Schiffbaues von hervor 
ragender Bedeutung ist. Er stellt sich dar als ein 
Privatunternehmen, welches ungefähr dem Board of 
trade, einer Staatsbehörde in England, entspricht, von 
welchem gewissermassen eine Polizei über den Bau 
aller Schiffe der Handelsflotte ausgeübt wird, um zu 
verhüten, dass Seeschiffe und Schiffsmaschinen unsach- 
FiS- 53. 
für den Aufenthalt bei schlechtem Wetter ein Raum 
unter Deck angewiesen. Auf dem Verdeck befindet 
sich ein behaglich eingerichteter Salon. Zum eigenen 
Schutze und zur Verfolgung von Sklavendhaus ist im 
Bug und auf Achterdeck je eine Kruppsche 3,7 cm 
Schnellfeuerkanone aufgestellt. 
Der obenstehend abgebildete Dampfer »Nachtigal« 
ist als Zweischraubenschiff gebaut und zum Küsten 
dienst für den Gouverneur von Kamerun bestimmt. 
Zugleich ist er mit Vorrichtungen versehen, um die 
im Schutzgebiet ausliegenden Fahrwassertonnen ver 
legen zu können. Seine Länge beträgt 41 m, die 
Breite 7,2 m und der Tiefgang 2,7 m. Die dem Schiff 
von zwei Maschinen zu 160 indizierten Pferdestärken 
erteilte Geschwindigkeit beträgt zehn Seemeilen pro 
Stunde. Auf Deck befindet sich hinten ein grosser, 
aus Teakholz erbauter Salon mit Wohn- und Schlaf- 
cinrichtung für den Gouverneur und vorn eine Kammer 
für den Schiffsführer. Die Maschinisten, der Steuermann, 
gemäss und aus schlechtem Material gebaut werden, 
über See gehen und die Besatzung, Passagiere etc. in 
Gefahr bringen. Eine derartige sehr nützliche Staats 
behörde existiert bei uns noch nicht, weil man es bis 
her für ausreichend hielt, dass die Baupolizei gewisser 
massen auf privatem Wege ausgeübt wird, indem man 
damit rechnet, dass die Assekuranz-Gesellschaften, wie es 
ja allerdings in ihrem eigenen Interesse liegt, nur dann 
die Versicherung von Seeschiffen übernehmen, wenn 
das Attest vorliegt, dass die zu versichernden Schiffe 
nach den Regeln des Germanischen Lloyd, des Board 
of trade oder des Bureau Veritas erbaut und unterhalten 
sind. Dass diese private Polizei immer ausreichend ist, 
muss sehr bezweifelt werden, da viele Seeunfälle vor 
gekommen sind, welche eine staatliche Aufsicht drin 
gend notwendig erscheinen lassen, trotz des Wider 
spruches der interessierten Rhedereien und Schiffsbau 
firmen, welchen natürlich eine strenge staatliche Auf 
sicht sehr unbequem ist.
	        
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