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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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gesamten, zum grössten Teil von Berlin—Tegel ge 
lieferten Einrichtungen in Material und Ausführung 
auch nachträglich bei allen Indiensthaltungen in jeder 
Beziehung bewährt hat, waren ganz besonders gute, so 
dass die kontraktliche Maschinenleistung sowohl wie 
auch die angenommene Geschwindigkeit ganz erheblich 
überschritten wurden. Die nachfolgende Abbildung 
sowie einige Angaben über Bau und Konstruktion der 
in Tegel vollständig fertiggestellten Maschine werden 
deshalb von Interesse sein. 
Wie aus dieser Abbildung ersichtlich, besteht die 
Maschinenanlage aus zwei Satz dreicylindriger, stehen 
der Expansionsmaschinen, welche bei etwa iio Um 
drehungen zusammen über IOOOO Pferdekräfte indi 
zieren und in zwei durch ein wasserdichtes Längsschott 
getrennten Maschinenräumen aufgestellt sind. Jede 
Heizräumen derartig aufgestellt, dass sie mit den Rück 
wänden nach mittschiffs zu stehen. 
Acht Ventilationsmaschinen (zwei in jedem Heiz 
raum) drücken Pressluft in die luftdicht abgeschlossenen 
Heizräume und von dort unter die Roste der Feuerungen. 
Zur Speisung der Kessel ist in jedem Heizraum eine 
dreicylindrige Dampfspeisepumpe aufgestellt, welche 
das Speisewasser aus See sowohl wie aus Tanks ent 
nehmen kann. 
Ungefähr denselben Typus, wie die Maschinen von 
S. M. S. »Wörth«, zeigt das ausgestellte Maschinenmodell 
von S. M. S. »Kaiserin Augusta«. Der Unterschied in der 
Gesamtanlage besteht im wesentlichen nur darin, dass 
bei letzterem Schiß drei Maschinen vorgesehen sind, 
welche gleichfalls, voneinander getrennt, in besonderen 
Räumen stehen, und deren jede eine Schraube von 
Fig. 49. 
Maschine treibt eine dreiflügelige Bronzeschraube von 
5000 mm Durchmesser und 5400 mm Steigung. Grund 
platte und Maschinenständer sind aus Tiegelstahlguss 
und die Cylinder aus Gusseisen hergestellt. Die Kurbel 
welle besteht aus drei unter sich auswechselbaren 
Stücken und ist, ebenso wie die ganze übrige Wellen 
leitung, der Gewichtsersparnis wegen der ganzen Länge 
nach durchbohrt. Für jede Maschine sind zwei einfach 
wirkende Luftpumpen vorgesehen, welche durch 
Balanciers vom Kreuzkopf des Hoch- resp. Mitteldruck- 
cylinders angetrieben werden. Zwei Centrifugalpumpen, 
welche durch je eine Wolfsche Maschine betrieben 
werden, saugen das Cirkulationswasser aus See und 
drücken es durch die Röhren der Kondensatoren nach 
aussenbords. 
Zwölf cylindrische Dampfkessel mit je drei Feue 
rungen erzeugen den erforderlichen Dampf von zwölf 
Atmosphären Ueberdruck. Dieselben sind in vier 
durch wasserdichte Quer- und Längsschotte getrennten 
4500 mm Durchmesser und 6500 mm Steigung an 
treibt. Zwei von den Schrauben befinden sich seitlich 
am Schiffskörper, und die dritte ist mittschiffs in 
einem Ausschnitt des Hinterstevens untergebracht. Die 
Kesselanlage besteht aus acht doppelendigen, cylin- 
drischen Kesseln mit je sechs Feuerungen und einem 
einfachen cylindrischen Hilfskessel. Die Heizfläche der 
Hauptkessel beträgt 3320 qm und die Rostfläche 96 qm. 
Nachdem wir so einige für die Kriegsmarine ge 
lieferte Schiffe nebst Maschinen kennen gelernt haben, 
möge auch noch der beiden im Jahre 1895 fertiggestellten 
grossen Lloyddampfer »Halle« und »Bonn« gedacht 
werden, welche auf denselben Werken entstanden sind 
und sich besonderer Anerkennung zu erfreuen haben. 
Vornehmlich interessieren uns bei diesen Schiffen die 
Maschinen und wollen wir daher von einer derselben 
eine Abbildung beifügen, um den charakteristischen 
Unterschied im Typus gegenüber den Maschinen von 
S. M. S. »Wörth« zu veranschaulichen, und um vor
	        
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