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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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endlich eine ebensolche Anlage im Freihafen Kopen 
hagen durch die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft 
Ende 1894 dem Betriebe übergeben wurde. Auch für 
Mannheim und Ludwigshafen haben Siemens & Halske 
den elektrischen Teil zu zahlreichen, im übrigen von 
Mohr & Federhaff in Mannheim sowie Nagel & Kaemp 
in Hamburg gelieferten Krahnen gebaut. Auf diesem 
Gebiete handelt es sich um einen noch nicht aus- 
gefochtenen Kampf mit den Presswassercentralen, der 
jüngst in Köln den Ausgang genommen hat, dass zwar 
die Hafenkrahne mit Presswasser betrieben werden 
sollen, dass die Pumpen für das Presswasser aber aus 
der Leitung der städtischen Elektricitätswerke elek 
trischen Antrieb erhalten. Auch bei dieser Lösung 
ist Berlin beteiligt, insofern C. Hoppe die fahrbaren 
Krahne u. s. w. liefert. Die Rohrleitung ist an Haniel 
& Lueg in Düsseldorf vergeben, die Maschinenfabrik 
Dinglinger in Cöthen bei Magdeburg baut die Centrale, 
deren elektrotechnische Ausstattung der Firma Geist 
in Cöln obliegt. 
Die Einzelheiten der elektrischen Krahne werden 
mit Vorliebe geheim gehalten. Jeder geht hier auch 
vorläufig noch seinen eigenen Weg. Die Uebertragung 
der Kraft vom Elektromotor auf die Windetrommel 
erfolgt sowohl durch Schraubenradgetriebe, wie durch 
die nicht immer geräuschlosen Stirnräder; das Senken 
besorgt hier der Elektromotor, dort die Bremse; hier 
der Motor, indem er infolge Vertauschung der Magnetpole 
seine eigene Drehrichtung umkehrt; dort unter Bei 
behaltung seiner Drehrichtung durch Wechselgetriebe. 
Alles schwankt hier noch, namentlich auch die An 
sichten über die Wirtschaftlichkeit und die Betriebs 
tüchtigkeit. Nichtsdestoweniger dringt auch hier die 
Elektricität weiter und weiter vor. Für den vierten 
bei Schichau in Danzig der Vollendung entgegen 
gehenden Dampfer »Bremen« der Barbarossa-Klasse baut 
die Elektricitäts-Gesellschaft Union in Berlin eine elek 
trische Anlage mit 16 Krahnen. Die »Bremen« wird 
das erste Schiff der Welt sein, das eine elektrische 
Krahnanlage trägt. 
Krahne und Winden mit Treibkolben. In 
allen besprochenen Hebezeugen vermittelte ein Zahn 
rad- oder Schraubengetriebe die Einwirkung der Kraft 
auf die Last. Denselben Dienst vermag ein Treib 
kolben zu leisten. Entweder trägt er die Last direkt, 
wie bei der einfachsten und sichersten Form der be 
kannten Personen- und Lastenaufzüge. Das bedingt 
aber die Senkung eines Schachtes für den Treibcylinder, 
in den der Kolben so tief hinabsinken muss, als er 
den Aufzug hoch zu heben hat. Oder er hebt die Last 
indirekt, d. h. zwischen Kolben und Last ist ein um 
gekehrter Flaschenzug eingeschaltet, dessen lose Rolle 
sich mit dem Kolben bewegt. Hängt an der Lastkette 
ein Gewicht für die Leersenkung mit Haken zur Auf 
nahme der Last, so ist das Hebezeug eine Winde; 
hängt ein Fahrstuhl daran, so ist es ein indirekt wirken 
der Aufzug. Ist die Winde an einem Ausleger ange 
bracht, so haben wir eine neue Form des Krahnes. 
In allen diesen Gestalten spielt das Treibkolben 
hebezeug eine wesentliche Rolle in der Arbeit Berlins; 
es ist in seinem wirtschaftlichen Leben ein Faktor, 
gleich mächtig als Gegenstand der fabrikmässigen Her 
stellung, wie der ausgedehntesten Verwendung. 
Als Treibmittel ist das Druckwasser von einer 
hervorragenden Bedeutung in der gebräuchlichen Pres 
sung von 50 Atmosphären. Der Engländer Armstrong hat 
für diese Hebezeuge die Grundlage geschaffen. Dampf- 
und Pressluft haben zwar dem Presswasser gegenüber 
den Vorzug, sich mit ihrer Expansionsfähigkeit leichter 
einer wechselnden Belastung anzupassen, allein Press 
luft hat trotz der durch die Pariser Druckluft-Centrale 
gegebenen Anregung keine erwähnenswerte Anwendung 
für Hebezeuge gefunden, während Krahne mit Dampf 
treibkolben nach den Erfahrungen in Hamburg wegen 
der leichten Kondensationsfähigkeit des Dampfes nur 
bei kurzen Leitungen und sehr flottem Betriebe prak 
tisch sind, auch der hydraulischen Bremsen bedürfen, 
damit die Kolben nicht bei leichter Last durchgehen 
und bei schwerer Beanspruchung alsbald die gehobene 
Last infolge Kondensierung des Dampfes wieder sinken 
lassen. In dieser Hinsicht ist eine von der englischen Firma 
Brown & Wilson in Hamburg 1865 angewandte Bauart 
bis zum heutigen Tage massgebend geblieben. Sie wird 
von einigen deutschen Anstalten mit Verbesserungen 
(Nagel & Kaemp, Hamburg) nachgebaut, Berlin ist dabei 
nicht beteiligt. In Sachen des Druckwasser-Antriebes 
ist dagegen die Firma C. Hoppe schon bald, nachdem 
der Engländer Armstrong die Grundlagen dafür ge 
schaffen hatte, losgelöst von allem englischen Einflüsse, 
selbstschöpferisch aufgetreten und hat Schule gemacht 
für zahlreiche andere deutsche Maschinenfabriken, die 
sich heutzutage den grossartigsten Aufgaben gewachsen 
fühlen, welche in der modernen Hafentechnik und so 
manchen verwandten Gebieten gestellt werden. Treff 
liche, im angestrengtesten Betriebe bewährte Lösungen 
unter allen Himmelsstrichen bezeugen dies. Hoppe 
hat aber nicht nur Winden, Krahne und Aufzüge ge 
baut, sondern auch in jedem einzelnen Teile der Press 
wasser-Anlage seine erfinderische Kraft glücklich be- 
thätigt. Seinem Namen begegnet man beim Studium 
der Pumpen für das Presswasser ebensowohl wie bei 
den Druckwassersammlern, den Accumulatoren, diesen 
durch einen Presscylinder gehobenen Gewichtsmassen 
zur Vergleichmässigung des Druckes; bei den Press 
wasserleitungen wie bei deren Absperreinrichtungen und 
bei den Treibcylindern mit allen Organen zur Ueber 
tragung ihrer Bewegung auf die Last. Hoppe hat 
endlich dem Druckwasserbetriebe durch seine muster 
haften Ausführungen zahlreiche neue Anwendungsgebiete 
erschlossen, wie wir bei den Hebewerken sehen werden.
	        
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