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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

dieser vierfach wirkenden Duplexpumpen zur Speisung 
der zwölf Kessel aufgestellt hatte (vgl. S. 125), betreibt 
seit 1885 den Bau dieser Pumpen als Besonderheit 
und Massenartikel nach Vorbild von Worthington, je 
doch mit Aenderungen an Stopfbuchsen und Ventilen, 
mit dem besten Erfolge in Deutschland, sowie auf 
dem Weltmarkt. 
In Berlin sind zahlreiche Kesselspeisepumpen von 
Weise & Monski in Betrieb; für das städtische Wasser 
werk in Lichtenberg wurde eine Verbund-Doppelpumpe 
mit 1500001 stündlich gepumpter Wassermenge geliefert. 
Bei den bisher behandelten Kolbenpumpen wurden 
die Kolben geradlinig hin- und herbewegt. 
Als Pumpen mit schwingendem Kolben haben die 
Flügelpumpen mit Handbetrieb wegen ihrer hand 
lichen Form eine weite Verbreitung in Brauereien, 
Brennereien, sowie als Bau- und Schiffspumpen ge 
funden. Mit dem hin und her zu schwingenden Hand 
hebel sind ein oder zwei plattenförmige Kolben ver 
bunden, die in einem Ringcylinder ebenso wirken, wie 
die gewöhnlichen Kolben im geraden Cylinder. Eine in 
der Ausstellung von E. Engelmann in Köpenick bei 
Berlin vorgeführte Verbesserung besteht in der durch 
Gebrauchsmuster geschützten kreisförmigen Querschnitts- 
Ausbildung des Kolbens und des umgebenden Gehäuses, 
was dem bisher gebräuchlichen, rechteckig begrenzten 
Kolben gegenüber den Vorteil der Verwendbarkeit der 
einfachen runden Lederdichtungsstulpe bietet. Auch sein 
patentiertes Getriebe zur Uebertragung der drehenden 
Bewegung der Riemscheiben in die schwingende der 
Flügelpumpen war Gegenstand der Ausstellung. 
Die Pumpen mit stetig sich drehenden Kolben 
sind von jeher ein Tummelplatz der Erfinder gewesen; 
die Zahl der Bauformen mit ein, zwei oder drei Kolben 
ist daher Legion. Eine praktische Bedeutung hat die 
überwiegende Mehrzahl ebenso wenig erlangt, wie der 
schraubenförmig bewegte Kolben. Berlins Industrie 
ist auf diesem Gebiete weder erfinderisch noch prak 
tisch thätig gewesen. Die weiteste Verbreitung in 
Deutschland hat wohl die hierher gehörige, von Klein, 
Schanzlin & Becker in Frankenthal gebaute Wiirgel- 
pumpe gefunden, bei der zwei einzähnige, von dem 
Triebwerk oder der Kraftmaschine direkt angetriebene 
Stirnräder in einem entsprechenden Gehäuse dauernd 
umlaufen und durch ihr Kämmen ohne alle Ventile 
oder dergleichen die Saug- und Druckwirkung hervor- 
rufen. Diese Würgelpumpen geben einen nahezu gleich- 
massigen Flüssigkeitsstrahl, weshalb sie in Amerika 
auch wohl als Feuerspritzen verwendet werden. Die 
genannte Fabrik empfiehlt sie zum Heben von kalten 
und heissen Flüssigkeiten, für Wasser, Dickmaische, 
Würze, Syrup, Zuckersäfte (deren Kristalle sie mangels 
der Ventile nicht zerquetscht) u. dergl. mehr. Von der 
in die Kapselradwelle eingeleiteten Arbeit wird V2— 3 j5 
in gehobenem Wasser nutzbar gemacht. 
Kreiselpumpen. Ein von Berliner Maschinenfabriken 
erfolgreich gepflegtes, theoretisch noch nicht zulänglich 
erschlossenes Gebiet ist das der Kreiselpumpen, bei 
welchen durch schnelle Drehung eines Schaufelrades das 
Wasser angesaugt und fortgedrückt wird. Je nachdem 
man den Anteil der Schaufelwirkung oder der Flieh 
kraft höher veranschlagt, nennt man diese Pumpen 
auch Schaufel- oder Schleuder- (Centrifugal-) Pumpen. 
Das Schaufelrad als Pumpe ist die Umkehrung der 
Turbine, bei der das unter der Wirkung der Druck 
höhe einfliessende Wasser das Schaufelrad arbeitver 
richtend in Drehung versetzt. Hier hebt das unter 
Arbeitsaufwand gedrehte Schaufelrad das Wasser auf 
eine bestimmte Förderhöhe. 
Das Verdienst, die durch mangelhafte Ausführungen 
hervorgerufenen Vorurteile beseitigt zu haben, welche 
die Anwendung der Kreiselpumpen nur in wenigen 
Fällen für zulässig erscheinen Hessen, gebührt der Ma 
schinenfabrik von Brodnitz & Seydel; seit dem Jahre 1870 
betreibt diese vorzugsweise deren Herstellung. 
Nachdem man zuvor schon mit ungünstigem In 
folge in Wilhelmshaven Kreiselpumpen angewendet, 
hatte man beim Bau des grossen Hafenbassins in Kiel 
wieder zur Wasserhaltung durch die alten Trommel 
schnecken gegriffen, die hier beträchtliche Abmessungen 
hatten und häufige, kostspielige Reparaturen erforderten. 
Die ausgezeichnete Leistung einer 1872 aufge 
stellten und i l /s Jahre ununterbrochen Tag und Nacht 
betriebenen Kreisel-Pumpe von Brodnitz & Seydel, 
die minütlich 8 cbm 12 m hoch zu fördern hatte, hat 
nicht nur die Beseitigung der Trommelschnecken ver 
anlasst, sondern auch zur ausgedehnten Anwendung 
dieser Pumpen in der deutschen Marine und in 
Deutschland geführt. Die Kieler Trockendocks und 
ebenso alle später gebauten Trocken- und Schwimm 
docks der Marine in Wilhelmshaven, Kiel und Danzig, 
sowie die beiden Bergungsdampfer sind mit Brodnitz & 
Seydelschen Kreisel-Pumpen ausgerüstet worden. 
Seit langen Jahren pflegen auch die Maschinen 
fabriken von C. Hoppe, sowie Cyklop (Mehlis & Behrens), 
den Bau dieser Pumpen, namentlich aber der Riesen 
kreisel-Pumpen, welche direkt durch Dampfmaschinen 
angetrieben werden. Das Gebiet der Anwendung sind vor 
wiegend Entwässerungsanlagen an unseren Küsten und 
in Flussthälern, wie z. B. die nachstehend beschriebenen. 
Das westliche Schleswig-Holstein, sowie die an der 
Unterelbe und Weser liegenden Länderstrecken sind 
gegen Ueberschwemmungen eingedeicht; die im Früh 
jahr oft monatelang unter Wasser stehenden P'lächen 
haben aber nur bei Ebbe natürlichen Abfluss und sind 
häufig erst spät im Frühjahr zu bestellen. Um nun 
eine rechtzeitige Kultur zu ermöglichen, lassen die 
Meliorationsverbände das Wasser durch grosse Pump 
werke fortschaffen. Die grössten dieser Anlagen sind 
ausgeführt bei Bremen zur Entwässerung des St. Jürgen-
	        
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