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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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ebenen Holzschaufeln haben io m Durchmesser und je 
zwei derselben 3 m bezw. 3,6 m Breite. Ein recht 
passendes Seitenstück zu diesem Riesen war das in 
der Sonderausstellung »Kairo« vorgeführte Schöpfwerk, 
das von einem Ochsengöpel getrieben wurde und in 
denkbar einfachster Ausführung Thonkriige als Schöpf- 
gefässe am Radkranze trug. Bei der sonstigen Ma- 
schinen-Ausrüstung solcher Entwässerungsanlagen ist 
übrigens Berlin sehr stark beteiligt. So sind beispiels 
weise bei der jüngst fertiggestellten Eindeichung des 
Memeldeltas die Elektromotoren zum Antrieb der 
Schöpfräder, die das Wasser der Niederung über den 
Haffdeich heben und dabei auf Sumpfboden stehen, 
der die Bauten für Dampfmaschinen und Dampfkessel 
recht kostspielig gemacht hätte, mit der sonstigen 
elektrischen Einrichtung von der Allgemeinen Elek- 
trizitäts - Gesellschaft in Berlin geliefert worden. Die 
Berliner Firmen Brodnitz & Seydel, Mehlis & Behrens 
und C. Hoppe haben auch auf diesem Gebiete den 
Kreiselpumpen Eingang verschafft; grosse Entwäs 
serungsanlagen in der norddeutschen Tiefebene und 
an der Küste bezeugen den Erfolg, der auch in 
Holland, dem Mutterlande der Pumpräder, Beachtung 
gefunden hat. Verdrängt sind aber diese Schöpfriesen 
keineswegs. Bei geringen Hubhöhen von 1 bis 2 m 
sind sie unübertroffen, und so bleibt ihnen auch in 
Deutschland bei der neuzeitlichen Bevorzugung der 
Sommerpolder*) mit den niedrigen Dämmen ein weites 
Anwendungsgebiet. 
Kolbenpumpen. Weitaus die grössten aller Pumpen 
werden nach Art der Kolbenpumpen gebaut, deren 
einfachste Vertreter die bekannten Brunnenpumpen sind. 
Schier zahllos sind die Arten und Formen dieser Pumpen, 
je nach der Folge, in welcher der Kolben bei den einzelnen 
Pliiben saugend und drückend auf das Wasser wirkt, 
einfach saugend und einfach drückend durch alle Mög 
lichkeiten bis doppelt saugend und doppelt drückend. 
Einfach wirkend sind sie, wenn das Wasser nur bei 
jedem zweiten Hube fortgedrückt wird, doppelt wirkend, 
wenn dies bei jedem Hub geschieht. Der Kolben 
kann geschlossen oder zum Wasserdurchlass mit Ventil 
bezw. Klappe versehen werden; es können mehr als ein 
Kolben in einem Cylinder, auch mehrere Cylinder an 
geordnet sein; die Kolben können Schieber-, Plunger-, 
Tauch-, Mönchs- oder Trunkkolben sein; der oder 
die Kolben können beweglich und der Cylinder fest, 
der Cylinder beweglich oder fest oder beide beweglich 
sein. Immer gründet sich die Wirkung der Kolben 1 
*) Sommerpolder sind nur gegen die niedrigen Hochwasser des 
Sommers eingedeicht; die Winterhochwasser überschwemmen dieselben 
und lngern den mitgeführten befruchtenden Schlamm ab, der sonst 
ungenutzt ins Meer getragen wird. Im Frühjahr müssen die im 
Polder zurückgebliebenen grossen Wassermassen zur Ermöglichung der 
Bestellung in kürzester Zeit über den niedrigen Sommerdeich gepumpt 
werden. Winterpolder sind durch hohe Dämme auch gegen die 
Winterhochwasser geschützt. 
saugpumpe darauf, dass beim Verschieben des Kolbens 
im Cylinder ein luftleerer Raum entsteht, in den die 
Aussenluft das Wasser durch das an den Cylinder an 
schliessende Saugrohr hineindrückt. Theoretisch ist 
also höchstens bis 10 m über den das Saugrohr um 
gebenden Wasserspiegel, praktisch höchstens bis auf 
8,5 bis 9 m ein Ansaugen des Wassers möglich, weil 
mit dieser Höhe das Tragvermögen des Luftdrucks er 
reicht ist. 
Der Bau der Kolbenpumpen hat seit der An 
wendung der Dampfkraft einen ungeahnten Aufschwung 
genommen; andererseits hat die Dampfmaschine auf 
keinem Gebiete von vornherein eine so ausgedehnte 
Anwendung gefunden wie für Pumpmaschinen, und 
zwar zuerst in Bergwerken. Da für diesen Zweck 
zuvor Pferde benutzt wurden, lag es nahe, die Stärke 
der Dampfmaschinen nach der Zahl der Pferde zu 
bemessen, die sie ersetzte; daher stammt die Bezeich 
nung der noch heute gebräuchlichen Leistungseinheit 
der Dampfmaschine, der Pferdestärke. Nach ihrem 
Heimatlande benannte man die zu Anfang des Jahr 
hunderts üblichen Pumpmaschinen Cornwall-Pumpen. 
Der Dampf hat hier nur das Gestänge und den 
Pumpenkolben zu heben, worauf diese durch ihr 
eigenes Gewicht niedersinken und dabei das zuvor 
angesaugte Wasser hinaufdrücken. Nach jedem Hub 
giebt es eine Pause. Die Hublänge ist nur von der 
Dampfwirkung, dem Gleichgewicht und der Dampf 
auslassvorrichtung abhängig. Gegen diesen Zustand 
bedeutete die Verbindung der Pumpmaschine mit einer 
Kurbelwelle einen grossen Fortschritt. Denn von der 
Kurbelwelle aus wird, mag nun die Wirkung der 
Dampfmaschine durch Balanciere oder Zwischenhebel auf 
die Pumpenkolben übertragen werden, oder direkt von 
der Dampfkolbenstange aus, hier der Pumpenkolben- wie 
der Dampfkolbenweg durch Pleuelstangen begrenzt. 
Immer dient ein Schwungrad zur Aufspeicherung der 
Energie, die beim Beginn des Kolbenhubes unter dem 
vollenDampfdruck imUeberfluss vorhanden ist und gegen 
Ende des Hubes nicht ausreicht, die Wassersäule zu be 
wegen. Die Wasserversorgungsanlagen der Städte und 
später ebenso die Entwässerungsanlagen sind eines 
der wichtigsten Anwendungsgebiete dieser Pump 
maschinen ; es ist eine fast hundertjährige Entwicklung, 
auf welche dieselben zuriickblicken, denn schon zwischen 
1801 und 1803 wurde in Philadelphia ein grösseres 
Wasserwerk dieser Art in Betrieb gesetzt, bei dem 
eine Dampfmaschine mit 800 mm Cyl. Durchmesser und 
1800 mm Hub durch eine doppelt wirkende Pumpe 
von 450 mm Cyl. Durchm. und 1800 mm Hub das Wasser 
15,5 m hoch in einen Behälter hob. Mit den Ab 
messungen wuchsen die Schwierigkeiten, die Durch 
flussquerschnitte in den Ventilen genügend gross zu 
machen, ohne doch einen grossen Ventilhub zu wählen, 
der bei den frei spielenden Ventilen unter der Wirkung
	        
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