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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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J. C. Freund grössere und kleinere Dampfmaschinen, 
während Lilienthal vorwiegend leichte Maschinen baut. 
Durch die Abbildungen und Beschreibungen auf 
S. 126 u. ff. ist das Bild vom Dampfmaschinenbau schon 
anschaulicher gestaltet worden. 
Die Abbildungen zeigen dort nurstehende Maschinen, 
z. T. mit gusseisernen, z. T. mit schmiedeeisernen und 
z. T. mit gusseisernen und schmiedeeisernen Ständern. 
Die schweren gusseisernen Ständer geben den 
Maschinen dieser Art wegen der Aehnlichkeit mit einem 
Dampfhammer den Namen Hammermaschinen. Sie 
machen einen erheblich standfesteren Eindruck, als bei 
ausschliesslicher Anwendung schmiedeeiserner Säulen für 
Die schnellst laufende der ausgestellten Maschinen 
war die von Brodnitz & Seydel, welche 600—800 Umläufe 
in einer Minute machte, aber für 900 berechnet ist. Die 
Erbauerin hat sich um die Ausbildung derschnelllaufenden 
Dampfmaschinen ganz besonders verdient gemacht. 
Zur Zeit, als Radinger in seinem Werke über 
die Dampfmaschinen auf der Weltausstellung in Phila 
delphia 1876 schrieb: »Eine Dampfmaschine, welche 
mit 300 Umdrehungen in der Minute dauernd arbeitet, 
verdient die vollste Aufmerksamkeit, indem sie einen 
Blick in die Zukunft gewährt« und dann eine versuchs 
weise gebaute Maschine beschreibt, hatten Brodnitz & 
Seydel längst Dampfmaschinen zum direkten Betrieb 
Fig. 10. Liegende zweicylindrige Verbundmaschine mit Kondensation von C. Hoppe. 
die Stützung der Cylinder. Diese Bauart ist aus 
den Bedürfnissen des Schiffsbaues hervorgegangen; 
statt schwerer Gestellmassen sind gleichsam Fachwerke 
— leicht und der Beanspruchung genau angepasst — 
in schmiedeeisernen Säulen und Diagonalstäben aus 
geführt. So sorgfältig nun auch die Ausführung dieser 
Maschinen ist, wofür der ruhige Gang Zeugnis ablegte, 
so will uns dies Geizen mit dem Gestellgewicht bei 
Landdampfmaschinen wenig angebracht erscheinen, es 
sei denn, dass, wie z. B. bei der Ausfuhr nach Russ 
land, ein hoher Zoll auf die Gewichtseinheit zur Ge 
wichtsersparnis zwingt. Im übrigen dürfte das Ge 
wicht in den gusseisernen Cylinderständern namentlich 
bei den Schnellläufern in vorgerücktem Alter die Er 
schütterungen erheblich herabdrücken und somit die 
Lebensdauer günstig beeinflussen. 
von Centrifugalpumpen mit 360—420 Umdrehungen in 
der Minute erfolgreich gebaut. 
Diese Maschinen haben sich so zuverlässig und 
dauerhaft erwiesen, wie gewöhnliche, langsam gehende 
Dampfmaschinen guter Bauart. Die ersten schnell 
gehenden Dampfmaschinen, welche Siemens & Halske 
zur elektrischen Beleuchtung von Panzerschiffen der 
deutschen Marine geliefert hat, sind aus den genannten 
Werkstätten hervorgegangen. Zu dieser Zeit galt der 
Bau schnellgehender Dampfmaschinen noch als ein 
Kunststück. Die von Brodnitz & Seydel gelieferten 
Maschinen wurden von den Marine-Ingenieuren den 
peinlichsten Dauerproben unterworfen, ohne dass dabei 
auch nur ein Lager warm lief oder der geringste Fehler 
sich bemerkbar machte. Dieser Erfolg gründete sich auf 
die Erkenntnis, dass schnellgehende Dampfmaschinen
	        
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