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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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welchen der Dampf nacheinander in zwei Cylindern 
mit gleichen oder gegenläufigen Kolben zur Wirkung 
kommt. Hoppe erkannte alsbald, dass die Dampf 
ausdehnung in mehreren Cylindern den grossen Vor 
teil hat, dass man sie im einzelnen Cylinder weniger 
weit zu treiben braucht, und dass daher der abziehende 
und frisch eintretende Dampf, die einander in dem 
selben Cylinderabschnitt ablösen, in Spannung und 
Temperatur einander näher sind. Infolgedessen wird 
der eintretende Frischdampf an den Cylinderwänden 
nicht so stark abgekühlt, wie bei der weiter getriebenen 
Ausdehnung in einem Cylinder. Zumeist waren Hoch- 
und Niederdruckcylinder stehend angeordnet und mit 
ihren Kolbenstangen unter Geradführung durch ein 
Wattsches Parallelogramm an einen Balancier ange 
schlossen. In manchen Fabriken sind diese Maschinen 
noch jetzt sehr geschätzte Betriebsmaschinen; so auch 
die erstgebaute Hoppesche, einevierzigpferdigeWoolfsche 
Maschine für den Betrieb der Herzschen Oelfabrik in 
Wittenberge. Zahlreiche grössere, bis I500pferdige 
Hoppesche Maschinen dieser Art werden zur Wasser 
haltung beim Steinkohlenbergbau in Oberschlesien be 
nutzt. Die Neuzeit ersetzte bei den Woolfschen Ma 
schinen den langsam schwingenden Balancier wegen 
seines grossen Raumbedarfs und der kostspieligen An 
lage durch direkte Einwirkung der Kolbenstangen 
auf die Kurbelwelle und vereinfachte dieselbe 
weiter durch Anordnung der beiden Cylinder hinter 
einander (Tandem), so dass es nur noch einer Kurbel 
mit Antrieb bedurfte. Auch Woolfsche Maschinen 
dieser Art wurden von C. Hoppe gebaut und haben 
ihren Weg nach Sicilien, Shangai u. s. w. genommen. 
Seit etwa 40 Jahren hat im Schiffbau- und seit 
20 Jahren im Bau der Land-Dampfmaschinen eine An 
ordnung der Zweifach-Expansionsmaschine steigenden 
Eingang gefunden, bei der die Kolben nicht wie bei 
Woolf stets gleichgerichtet miteinander laufen, sondern 
an Kurbeln angreifen, die gegeneinander versetzt sind, 
so dass während eine Kurbel im Totpunkt steht, die 
andere oder anderen sich in besserer Angriffsstellung 
befinden. Diese Maschinen laufen daher leichter an 
und gleichmässiger als die Woolfschen. Deren Er 
findung knüpft sich an den berühmten Namen Röntgen; 
sie wurden zuerst 1829 von einem Maschinenfabrikanten 
dieses Namens in Tyenoord bei Rotterdam ausgeführt. 
Da hier nicht, wie bei Woolf, der Einströmabschnitt im 
Niederdruckcylinder mit dem Ausströmabschnitt im 
Ilochdruckcylinder zusammentrifft, bedarf es eines 
Zwischenbehälters zur Aufnahme des Dampfes auf dem 
Wege von einem zum anderen Cylinder. Verbund 
maschine ist der gut deutsche Ausdruck für die be 
liebte englische Bezeichnung: »compound receiver«- 
Maschine, die ihren Weg von Holland über England 
zu uns genommen hat. Statt der für Schiffsmaschinen 
wegen der Dampfersparnis häufig vorkommenden drei 
oder gar vier Cylinder, begnügt man sich bei Land 
dampfmaschinen zumeist mit zwei Cylindern, wie 
auch die Kraftstation in der Ausstellung zeigte. Auch 
in der heute allgemein üblichen Heizung der Cylinder 
grösserer Dampfmaschinen durch ein Dampfhemd ist 
C. Hoppe früh mit gutem Beispiel vorangegangen bei 
seinen Lokomobilen, indem er den Dampfcylinder im 
Dampfdom des Kessels anordnete. 
Zur Rückgewinnung der bei den Auspuff 
maschinen in dem auspuffenden Dampfe verloren 
gehenden Wärme hat man schon in der Kindheit der 
Dampfmaschine allenthalben mit grösseren Ausführungen 
derselben einen Einspritz- oder Oberflächenkondensator 
verbunden, in dem der verbrauchte Dampf an ein 
gespritztes oder auf grossen Flächen (Metallröhren) 
vorbeistreichendes Wasser seine Wärme abgiebt und so 
heisses Kesselspeisewasser erzeugt. Bei diesen auch 
in der Kraftstation benutzten Kondensations 
maschinen ist zur Fortschaffung des Dampfluftwasser- 
gemisches, des Kondensats, eine sogenannte Luftpumpe 
erforderlich, die von jeder Maschine selbst angetrieben 
wird oder als besondere Anlage eine grössere Zahl 
von Maschinen bedient. Wo kaltes Wasser schwer zu 
beschaffen ist, leisten die Rückkühlanlagen oder Gra 
dierwerke vorzügliche Dienste, um deren Ausbildung 
mit natürlichem oder künstlichem Luftzuge sich Deutsch 
lands Maschinenfabriken namhafte Verdienste erworben 
haben, z. B. Klein, Schanzlin und Becker in Frankenthal, 
Gebr. Körting in Hannover und andere. 
Unterscheidungen, wie liegende undstehendeDampf 
maschinen, langsame und schnelllaufende, sind aus sich 
verständlich, und so bedarf es zur Ergänzung des 
Rahmens, in den sich die modernen Dampfmaschinen 
formen eingliedern, nur noch eines kurzen Eingehens 
auf die Steuerung. 
Dem Dampf den richtigen Weg aus der Leitung in den 
Cylinder und aus diesem zum Auspuff, zum Behälter oder 
zum Kondensator zu weisen, dienen als innere Steuer 
ung Schieber, Hähne oder Ventile und darnach benennt 
man: Schieber-, Hahn- oder Ventil-Dampfmaschinen. 
Die Idachschieber mit ihrem grossen Reibungs 
widerstande werden neuerdings mehr und mehr durch 
die entlasteten Kolbenschieber ersetzt. Von letzteren 
unterscheiden sich die Hähne oder Rundschieber da 
durch, dass sie gegen ihre cylindrische Gleitfläche ge 
dreht, statt wie jene hin- und hergeschoben werden. 
Die Steuerventile sind zumeist Doppelsitzventile. Während 
ein Schieber für beide Cylinderseiten Ein- und Auslass 
zu regeln pflegt, sind bei Hahn- und Ventilsteuerungen 
an jedem Cylinderende zwei Hähne bezw. Ventile üblich. 
Die schädlichen Dampfkanäle sind naturgemäss im 
letzteren Falle erheblich kürzer; C. Hoppe hat übrigens 
in frühester Zeit vorgeschlagen, jene Nachteile der langen 
Schieberkanäle durch Anwendung je eines Flachschiebers 
an jedem Cylinderende zu beseitigen.
	        
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