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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Aus der Fülle der interessanten Auskünfte, welche 
diese Zahlen geben, sei nur hervorgehoben: 
Der Wert der Einfuhr übersteigt die Ausfuhr nur 
bei den überwiegend aus Holz bestehenden Maschinen 
(wohl in erster Linie landwirtschaftlichen Maschinen), der 
Mehreinfuhrwert ist jedoch in starker Abnahme begriffen. 
Der Mehrwert der Ausfuhr an Maschinen, Instrumenten 
und Apparaten hat sich seit 1890 verdoppelt, seit 1880 
ist er auf das 2 1 /i fache gestiegen. 
An dem Betrage von 1254,2 Millionen M., um den 
1895 die Ausfuhr an Fabrikatwerten die Einfuhr über 
wog, war die Industriegruppe Maschinenbau im weiteren 
Sinne mit 138,6 Millionen M., also mit 1 /g beteiligt, 
während der Anteil 1890 erst 1 /n betragen hatte. Wie 
viel Millionen hiervon auf den Berliner Maschinenbau 
kommen, verrät uns keine Statistik. 
Wenn aber die gesamte vorstehende Darstellung 
ihre Schuldigkeit gethan haben soll, so muss sie klar 
vor Augen geführt haben: 
Die Vertreter des Maschinenbaues in Berlin haben 
mit einer aussergewöhnlich hohen Summe von ernster 
Arbeit und Intelligenz zu den Erfolgen unseres deut- 
schenVaterlandes auf dem Gebiete des gewerblichenWett- 
streites beigetragen, auch in ihrem heissen Ringen um den 
geschäftlichen Fortschritt stets offene Augen und Hände 
für das wahre Wohl derer bewahrt, die unter ihrer An 
leitung im Schweiss der täglichen Arbeit mit der 
hammerbewehrten Faust aus dem spröden Rohstoff die 
Maschinenwunder des neunzehnten Jahrhunderts hervor 
zaubern. 
Gegenwärtiger Stand auf den einzelnen Gebieten. 
Dampfkessel, Kraftmaschinen, Pumpen, Hebe 
le uge, Werkzeugmaschinen, Triebwerke. 
So vieldeutig der Begriff »Maschine« im gewöhn 
lichen Sprachgebrauch, so weit umfassend ist der 
»Maschinenbau«. Mit der fortschreitenden Entwicklung 
der Fabriken für die Erbauung einer einzelnen Gattung 
von Maschinen oder gar einer einzelnen Art wird der Be 
griff »Allgemeiner Maschinenbau« eng und enger be 
grenzt. Noch heute ist jedoch in Deutschland und so 
auch in Berlin die Zahl der Maschinenfabriken eine 
namhafte, welche den »allgemeinen Maschinenbau« 
pflegen und sowohl den Bau der Dampfkessel, als auch 
den der Dampfmaschinen, Pumpen, Hebezeuge, Trieb 
werksteile und einzelner, namentlich schwerer Werkzeug 
maschinen betreiben. 
In dieser Aufzählung spiegelt sich noch die gute 
alte Zeit, in der König »Dampf« Alleinherrscher in 
einem Gebiet war, das ihm heute Leucht- und Kraft 
gas, Petroleum und Benzin, Spiritus, Druckluft, Druck 
wasser und die alles bewegende Elektrizität streitig 
machen. Noch gegenwärtig nimmt er jedoch eine 
Sonderstellung ein, insofern Dampfkessel und Dampf 
maschinen als Hilfsmittel bei der Erzeugung der Druck 
luft, des Druckwassers und der Elektrizität vorläufig noch 
den Gas- und Petroleummaschinen gegenüber im Vorder 
gründe stehen. Immerhin wird unter den Kraftmaschinen 
auch derjenigen für die genannten Kraftmittel zu ge 
denken sein, bis auf die der Gruppe XIV angehörenden 
elektrischen Maschinen. 
Dampfkessel und Zubehör. 
Umfangreiche Betriebe zur ausschliesslichen Her 
stellung von Dampfkesseln, also eigentliche Kessel 
fabriken, wie man sie in der Rheinprovinz und ander- 
weit in Deutschland inmitten der Industriebezirke 
und in der Nähe der Blechwalzwerke findet, hat Berlin 
nicht aufzuweisen. Der Dampfkesselbau ist vielmehr 
von vornherein als Nebenzweig des allgemeinen Maschinen 
baues gepflegt worden und wird noch heute als solcher 
unter anderen von den Maschinenfabriken A. Borsig 
(auch Lokomotivkessel), Berl. Maschinenbau - Aktien - 
Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff (besonders Loko 
motivkessel), Maschinenfabrik Cyklop, Mehlis & Behrens, 
Berliner Aktien - Gesellschaft für Eisengiesserei und 
Maschinenfabrik (früher J. C. Freund & Co.), Schifif- 
und Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Germania (be 
sonders Schiffskessel), C. Hoppe, Döring & Rückert, 
Petzold & Co. und C. Flohr betrieben. Ein Teil 
dieser Fabriken hat Einrichtungen zur hydraulischen 
Nietung; Schwartzkopff hat auch hydraulische Kiimpel- 
pressen, auf denen er eigenen und fremden Bedarf an 
Kesselböden u. dergl. kümpelt. Von den zwölf Kesseln 
des grossen Kesselhauses der Ausstellung, das bereits auf 
S. 122 u. ff. dargestellt und beschrieben wurde, waren 
nur sechs Berliner Ursprungs, und zwar vier Heinekessel 
von A. Borsig (Abb. S. 123 u. 124), ein Wasserröhren 
kessel von Cyclop und ein Lancashireröhrenkessel von 
Petzold & Co. Diese Beteiligung steht in einem argen 
Missverhältnis zur Leistungsfähigkeit Berlins auf dem 
Gebiete des Dampfkesselbaues. Denn wenn auch die mo 
dernen Wasserröhrenkessel nicht die Namen von Berliner 
Maschinenfabriken als Systembezeichnung tragen, so 
bauen doch die obengenannten Firmen je nach Gründen 
der Zweckmässigkeit für die betreffende Anlage oder 
nach den Wünschen der Besteller alle vorkommenden 
Kesselarten, Grosswasserraum-, Wasserrohren- und kom 
binierte Kessel beider Systeme. Und nicht nur die 
Berliner Lokomotivkessel (A. Borsig und Schwartzkopff), 
sondern auch die stationären, Schiffs- und Lokomobil- 
kessel haben weit über Deutschlands Grenzen hinaus 
wegen der Güte der Ausführung Anerkennung gefunden.
	        
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