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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Die in Berlins Industrie 1877/78 thätigen Dampf 
maschinen entwickelten 19378 Pferdestärken, 1891 
schon 52816 und 1896 sogar 66 480*) Pferdestärken. 
Die Gaskraft- und Heissluftmaschinen, die 1875 nur 
eine Leistung von 175 Pferdestärken aufwiesen, leisteten 
1895 deren 54 00> Mit welchem Erfolge unterdessen 
die Elektromotoren in den Kampf zwischen Dampf und 
Gas eingegriffen haben, bekunden sehr deutlich die 
Ende September 1896 allein an das Leitungsnetz der 
Berliner Elektrizitätswerke angeschlossenen 1508 Motoren 
mit 5430 Pferdestärken, die gerade im Kleinbetriebe, 
also im Anwendungsgebiet der Gasmotoren, und zwar 
für Metall-, Papier- und Lederbearbeitung, Fleischerei- 
und Bäckerei-Betrieb, bei Tuchschneide-, Hutbügel-, 
Spül- und Waschmaschinen, Rost-, Zahnbohr- und 
Häckselschneidemaschinen vorzügliche Dienste leisten. 
Ist hiernach der Elektromotor einerseits ein gewichtiger 
Mitbewerber der übrigen Motoren, so fördert er doch 
andererseits auch deren Anwendung; allein in Dampf 
maschinen waren 1896 etwa 28 500 Pferdestärken zum 
Betriebe von Dynamomaschinen thätig. 
Wieviele von den insgesamt in der Berliner In 
dustrie angespannten 80 000 Pferdestärken der Kraft 
maschinen in der Maschinenindusrie allein Anwendung 
finden, ist leider nicht zu erkunden; sie können in 
vollem Umfange insoweit zu Zeugen für die Grösse des 
Maschinenbaues aufgerufen werden, als sie dessen Er 
zeugnisse sind, und zwar zweifellos im überwiegenden 
Teile solche des Berliner Maschinenbaues. 
Festere Grundlagen für die zahlenmässige Beurteilung 
bieten die Ziffern der Berufsthätigen. An diesen gemessen, 
zeigt sich in der Verschiebung, welche die Bedeutung der 
einzelnen Berufsgruppen im Erwerbsleben Berlins seit 
1882 erfahren hat, eine Hebung der Bedeutung der 
Maschinenindustrie, welche nur noch übertroffen wird von 
der des Handels und der Gewerbe für Beherbergung und 
Erquickung. Hauptberuflich waren thätig**): 
In der Berufsgruppe 
1882 
(5- Juni) 
1895 
(14. Juni) 
Maschinen, Werkzeuge, Apparate***) . 
14 230 
25 623 
Metallverarbeitung 
29 879 
45 772 
In beiden Gruppen 
44 109 
71 395 
In Industrie, Gewerbe und Bauwesen 
überhaupt 
288 292 
404 481 
Bei einer Einwohnerzahl von .... 
I 156 945 
1 615517 
*) Im Kgl. Preuss. Statist. Amt erfragt; ebenso die nachfolgenden 
Zahlen betr. Pferdestärken der Dampfmaschinen. 
**) Statistische • Korrespondenz 1896. No. 35/3^» S. 4- 
***) Umfasst: Verfertigung von Maschinen, Werkzeugen und Appa 
raten, Mühlenbauer, Stellmacher, Wagner, Radmacher, Wagenbau 
anstalten, Schiftbau, Schusswaffenverfertigung, Uhrmacher, Verfertigung 
von Musikinstrumenten, mathematisch-physikalischen Instrumenten, 
Lampen, elektrotechnischen Maschinen, Apparaten und Anlagen. 
Der Anteil der Maschinen- und Metallindustrie an 
den insgesamt in Industrie, Gewerbe und Bauwesen im 
Hauptberuf Beschäftigten hat sich von 15,3 v. H. auf 
17,6 v. H. gehoben, und während 1882: 3,8 v. H. aller 
Einwohner in den genannten beiden Berufsgruppen be 
schäftigt waren, betrug die Zahl 1895 bereits 4,4 v. H. 
Die am 14. Juni 1895 im Hauptberuf der Metall- 
und Maschinenindustrie Gezählten verteilen sich auf 
die einzelnen Untergruppen nach dem Geschlecht und 
der sozialen Stellung wie folgt: 
Berufs k lassen 
Erwerbsthätige im 
Hauptberuf 
Selbständige 
Arbeitgeber und 
leitende Beamte 
Darunter 
Hausindustrielle 
Technisches und 
Bureaupersonal 
Gehilfen, Lehr 
linge, Arbeiter 
(einschl. mitthät. 
Familienmitgl.) | 
Darunter mit 
thätige Familien 
angehörige 
f m. 
3796 
227 
1080 
39 260 
6 
1. Metalle i 
l w. 
155 
34 
78 
1 353 
24 
f in. 
500 
11 
1582 
6 774 
1 
2. Maschinen .... 7 
1 w. 
12 
— 
34 
203 
f m. 
23 
I 
59 
1 089 
— 
3. Schusswaffen . < 
| w. 
I 
— 
1 
54 
4. Elektrot. Maschinen, J m. 
124 
5 
641 
2058 
— 
Apparate, Anlagen . [ w. 
1 
— 
29 
747 
— 
1 m. 
647 
17 
2282 
9 921 
1 
5. Summa 2 — 4 . . * | w 
14 
— 
64 
I 004 
— 
Hier sind von der Gruppe »Maschinen, Werkzeuge 
und Apparate« unter 2, 3 und 4 nur die drei zumeist 
interessierenden Untergruppen aufgeführt. 
In der Metall Industrie ist eine nennenswerte Zahl der 
Selbständigen und der abhängigen Selbstthätigen weib 
lich, es sind Hausindustrielle und mitthätige Familien 
angehörige verzeichnet, endlich wird Nebenerwerb in 
nicht unbeträchtlichem Umfange getrieben und das Ge 
werbe selbst im Nebenberuf wahrgenommen. Von alle 
dem ist in den verzeichneten Untergruppen der Ma- 
schinen-Industrie wenig zu vermerken; die Thätigkeit wird 
vielmehr fast ausschliesslich von Männern ohne Neben 
erwerb und nur im Hauptberuf ausgeübt ohne Heran 
ziehung von Familienangehörigen, wie es dem äusserst 
intensiven Betriebe in der Grossstadt und der dadurch 
bedingten Anspannung aller Kräfte entspricht. Nur in 
der Elektrotechnik ist ein ansehnlicher Bruchteil des 
technischen und Bureaupersonals ( 1 /äo) und der Gehilfen 
bezw. Arbeiter (J/s) weiblich. 
Zahlreiche Erwerbsthätige der Berufsabteilungen 
der Maschinenindustrie sind zwar in Berlin beschäftigt, 
aber nicht gezählt, also in obigen Zahlen nicht ent 
halten, weil sie in Charlottenburg bezw. in den Kreisen 
Niederbarnim und Teltow wohnen, zweifellos war deren 
Zahl 1895 grösser als 1882. 
Ueber die geschäftliche Entwicklung des 
Maschinenbaues von 1879 ab liefern — ebenso wie für die
	        
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