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Gruppe XIII. Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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In die erste Hälfte dieses Jahrhunderts fällt auch 
noch die Begründung des Baues landwirtschaftlicher 
Maschinen in Berlin. Ursprünglich lag dieselbe in 
den Händen von Schmieden, Stellmachern und anderen 
Gewerbetreibenden; selbst in den vierziger Jahren 
war dieser Fabrikzweig im Zollvereinsgebiet noch 
nicht gehörig entwickelt; waren auch einzelne Sonder 
fabriken dafür vorhanden, z. B. die Ackergeräte-Fabrik 
von Dr. Sprengel & Cie. zu Regenwalde, Reg.-Bez. 
Stettin, fehlte es doch an der genügenden Zahl 
und Kapitalbeteiligung. In Berlin bauten Maschinen 
bauer A. F. Neukranz, Joh. F. Hartmann, Schlosser 
und Maschinenbauer C. Hauschild*), Hofmechaniker 
J. Amuel, Besitzer eines Magazins landwirtschaftlicher 
Geräte, u. a. einzelne landwirtschaftliche Maschinen, 
wie Häckselmaschinen, Haferschrotmühlen u. s. w., aber 
erst 1846 trat die Anstalt von H. F. Eckert**) mit 
wenigen Arbeitern und 1849 Carl Beermann mit 10 Ar 
beitern ausschliesslich für diese Zwecke ins Leben. Beide 
Werke sind schnell aufgeblüht und dieser Richtung 
mit besten Erfolgen bis heute treu geblieben. 
Beermann hat sich später auch vorübergehend mit 
der Herstellung von Nähmaschinen — als erster auf 
dem europäischen Festlande — befasst. 
Zwei wichtige Bausteine in der breiten Grundlage, 
auf welcher sich in der zweiten Hälte des Jahrhunderts 
der Berliner Maschinenbau entwickelte, sind die 1847 ent 
standene Telegraphenbau-Anstalt von Siemens & Halske 
und die 1852 von L. Schwartzkopff***) errichtete Eisen- 
giesserei und Maschinenbau-Anstalt; letztere betrieb 
anfangs den Bau von Dampfsägen, Holzbearbeitungs 
maschinen, Ventilatoren und Kreiselpumpen, Dampf 
hämmern, Bergwerks- und Walzwerksmaschinen f). 
Die Würdigung des weltbekannten Unternehmens 
von Siemens & Halske liegt nicht im Rahmen dieses 
Abschnittes. 
Den kräftigen Aufschwung in der Metallwaren- 
und Maschinenfabrikation gegen Ende der vierziger 
Jahre zeigt deutlich nachfolgende Tabelle. 
!{s ) C. Hauschild übernahm von seinem Vater eine bescheidene 
Schlosserwerkstatt, fand aber mit seinen Leistungen als Mechaniker im 
Bau eiserner Geldschränke u. dergl. so viel Beifall, dass er 1846: 
80—90 Arbeiter, darunter etwa die Hälfte Schlosser, beschäftigte. 
**) Im Jahre 1871 ist die Fabrik auf eine Aktien - Gesellschaft 
übergegangen errichtete; diese 1894/95 einen grossartigen Neubau in 
Friedrichsberg. 
***) Schwartzkopff war bis dahin Maschinenmeister beim Bau der 
Magdeburg—Wittenberger Eisenbahn unter v. Unruh und wurde 1848 
von diesem in Gemeinschaft mit dem alten Borsig und dem Baumeister 
Benda zu einer Reise nach Belgien, Frankreich und England veran 
lasst, als es sich darum handelte, die erste eiserne Brücke mit grosser 
Spannweite — über die Elbe bei Wittenberge — zu bauen. 
f) Seit 1860 trat die Herstellung von Drehscheiben, Schiebe 
bühnen, Eisenbahn-Wasserstationen, Dachkonstruktionen u. dergl. hin 
zu; seit 1866 auch der Lokomotivbau, der 1867 die Errichtung einei 
Zweiganstalt in der Ackerstrasse erforderlich machte und nachmals 
zum Hauptgeschäftszweig wurde. 1871 ging das ganze Unternehmen 
an die Berliner Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft vorra. L. Schwartz 
kopff über. 
1837 
1840 
1843 
1846 
1849 
Metallwaren- 
3 
4 
5 
5 
28 
Dampfmasch. 
Fabriken 
58 
60 
72 
56 
275 
Pferdestärken 
Maschinen- 
2 
6 
7 
17 
I I 
Dampfmasch. 
Fabriken 
22 
46 
52 
145 
107 
Pferdestärken 
Berlin 
30 
50 
59 
75 
114 
Dampfmasch. 
überhaupt 
390 
662 
819 
883 
1256 
Pferdestärken 
(Vergl. Volkszählung Berlin 1875, Heft 4* & 65.) 
Die Zahl der Dampfmaschinen (Pferdestärken) hat 
sich in dieser Zeit um 280 (222) v. H. vermehrt. 
Wie mit zunehmender Einführung des Maschinen 
betriebes die Zahl der auf einen Selbständigen in der 
Gruppe Maschinen, Werkzeuge, Instrumente u. dergl. 
entfallenden Gesellen und Arbeiter, also der Umfang 
der Selbständigkeit sich verschoben hat, ist aus nach 
folgender Zusammenstellung ersichtlich: 
1801 
1810 
1813 
1816 
1846 
1849 
Zahl der Selbständigen 
266 
261 
244 
25 1 
553 
630 
Zahl der Gesellen und 
Arbeiter 
251 
301 
173 
219 
4048 
1961 
(Vergl. Volkszählung Berlin 1875, Heft 4, S. 7.) 
In welchem Masse Berlin damals anderen indu 
striellen Bezirken Preussens von einer sehr alten und 
bedeutenden Vergangenheit voranging, erhellt daraus, 
dass noch 1844 beispielsweise in Hagen und Umgegend 
maschineller Fabrikbetrieb in Eisen- und Stahl waren 
etwas ganz aussergewöhnliches war. Maschinell, jedoch 
ohne Dampfkraft betrieben waren nur die Eisenhämmer 
an den Flussläufen der Volme und Ennepe, sowie 
einige Papierfabriken an Volme und Lenne. Die 
erste Dampfmaschine wurde in Hagen 1844 bei 
Funke & Hueck aufgestellt, wo mit englischen Ma 
schinen die maschinenmässige Holzschraubenherstellung 
aufgenommen wurde. 
Berlins Ausfuhr ins Ausland war bis zur Mitte des 
Jahrhunderts und darüber hinaus bis zum Beginn der 
60er Jahre in Sachen des Maschinenbaues vollkommen 
unentwickelt; es handelte sich zunächst darum, das 
Ausland vom Inlandmarkte zu verdrängen, und da gab 
es in Hülle und Fülle zu thun*). Zur Abrundung 
des Bildes von der Entwicklung des Maschinenbaues 
bis zur Jahrhundertmitte bedarf es noch eines Blickes 
auf die Bezugsquellen der Materialien. 
*) Der Handel unterstützte übrigens die Industrie, soweit sie da 
mals bereits exportfähig war, nicht in dem Masse wie heutzutage; so 
sahen z. B. auf dem Gebiete der Eisen- und Stahlwaren die Import 
häuser durch die inländische Erzeugung ihre Geschäfte gefährdet, und 
selbst die Exporthäuser der Seestädte brachten dem inländischen Fa 
brikat kein Vertrauen entgegen; sie kauften um so lieber im Aus 
lande, als sich dort auch die Frachten günstiger gestalteten.
	        
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