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Gruppe XII. Die Berliner Musikinstrumenten-Industrie

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Ganz vortrefflich sind auch zwei andere Flügel 
derselben Firma. Der eine, ein Konzertflügel 
aus mattem Nussbaumholz, mit Malerei von Prof. 
Koch versehen, trägt auf der polierten Platte schön 
angeordnetes Rankenwerk. Bei dem dritten ist das 
Gehäuse in breite konstruktive Linien gebracht, die 
durch Holz von zweierlei Farbe wirkungsvoll markiert 
sind. Die Messingbeschläge heben sich im Farbenton 
sehr schön davon ab. 
Wundervoll gearbeitet war auch ein Stutzflügel*), 
der reiche Intarsienarbeit von prächtiger Wirkung zeigte. 
An den Seiten waren von Guirlanden umschlungene 
Medaillons angebracht, welche die sprechend ähnlichen 
eine Erfindung Dr. Eisenmanns in Berlin. Im 
Aeussern unterscheidet sich der Flügel von keinem 
anderen. Schlägt man die Tasten an, so erklingt er 
mit dem hellen und kräftigen Ton eines Konzertflügels. 
Tritt man aber auf ein Pedal, so erfährt der Ton so 
fort eine sehr auffällige Aenderung. Bald klingt er wie 
aus einem Harmonium, bald glaubt man den zarten 
Ton einer Harfe, den sehnsüchtigen eines Cello oder 
den einer durch Sourdine gedämpften Violinsaite zu 
hören. Diese Töne sind das Erzeugnis der elektro- 
phonischen Verbindung mit den Saiten. Diese elek 
trische Vorrichtung — nebenbei bemerkt die erste, die 
in dieser Weise versucht wurde — ist sehr sinnreich. 
Portraitköpfe unserer grossen Komponisten Wagner, 
Liszt, Mendelssohn und Rubinstein trugen. Auch ein 
grosser Konzertflügel derselben Firma, dessen Platte 
ganz in Schildpatt und Messing (Boule) gehalten war, 
erregte allgemeines Interesse. 
Als besondere Neuheit, die bei gehöriger Ver 
besserung sicher noch einmal eine Zukunft hat, war 
ein Konzertflügel**) ausgestellt, bei welchem der Ton 
dadurch zum Ausdruck kam, dass die Saiten durch 
darüberstehende kleine Elektromagnete in Schwingung 
versetzt wurden. Diese Verbindung der elektrischen 
Kräfte mit den tönenden Klaviersaiten, oder genauer 
gesagt, die Erzeugung der Töne durch Elektricität, ist 
*) Aus cler Hofpianofortefabrik von Georg- Schweehten, 
Berlin. 
**) Aus der Pianofortefabrik von Ed. Westermayer, Berlin. 
Quer über den Saiten befindet sich eine Leiste, an der 
so viele kleine Hufeisenmagnete angebracht sind, als 
das Klavier Töne besitzt. Die kleinen Magnetspulen 
stehen von den Saiten etwa anderthalb Millimeter ent 
fernt, so dass sie das Ertönen, das Schwingen der Saiten 
nicht hindern. Wird nun das Pedal niedergetreten und 
dann eine oder mehrere Tasten angeschlagen, so er 
folgt durch eine andere Vorrichtung ein Kontakt; der 
elektrische Strom geht durch die einzelnen Magnete 
und diese Magnete ziehen die Saiten an sich. Es ist 
dies ein Vorgang, wie man ihn bei jeder elektrischen 
Leitung, bei jeder Thürglocke beobachten kann. Damit 
aber die Saiten nicht an den Magneten haften bleiben, 
befinden sich in der Nähe der Magnete sechs Mikro 
phone, welche den Strom unterbrechen und dadurch 
die Saiten frei schwingen lassen. Die Saiten schlagen
	        
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