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Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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oder die sämmtlichen bisher bekannt gewordenen künst 
lichen Hände und Füsse« von Herrn. Ed. Fritze, nach 
Manuskripten bearbeitet von C. A. F. Kluge, Lemgo, 
1842.« Vergl. auch J. Görcke, Zeichnung und Be 
schreibung eines künstlichen Arms, angefertigt von 
le Gros in Paris. Berlin 1875; Dornbliith, Ueber 
den mechanischen Wiederersatz der verlorenen unteren 
Gliedmaassen, Rostock 1831, und Caroline Eichler, 
Beschreibung eines neu erfundenen künstlichen I'usses. 
Berlin 1834. Der gute alte Stelzfuss kommt immer mehr 
ausser Gebrauch; erstens ist der Wunsch Bilguers, des 
»Vaters der konservativen (d. h. konservierenden) Chi 
rurgie«, jetzt, nach 100 Jahren, in Erfüllung gegangen: 
unter dem Schutze der Anti- und Aseptik sind die Ampu 
tationen sehr viel seltener geworden, und zweitens trifft es 
nicht mehr zu, dass nur reiche Leute sich die kostspieligen 
und oft reparaturbedürftigen künstlichen Glieder an- 
schaffen können; heute ist diese Wohlthat auch dem 
Aermsten erreichbar. — In grösserer Zahl (s. Kar- 
pinsky) wurden künstliche Glieder zuerst in Amerika 
nach dem grossen Kriege nötig; daher mag es auch 
gekommen sein, dass uns Amerika in dieser Beziehung 
bis vor kurzem noch weit voraus war. — Die Haupt 
typen künstlicher Arme und Beine waren in unserer 
Ausstellung vertreten; bei allen hat man darnach gestrebt, 
eine leichte und doch feste, widerstandsfähige, nach 
Form und Funktion dem gesunden Gliede ähnliche 
Prothese zu schaffen. Künstliche Arme und Hände, 
bei denen es auf grosse Festigkeit nicht so sehr an 
kommt, können leicht gebaut (z. B. Aluminiumarm 
mit Korkhand, Geffers, aus Neusilber Pfister) und mit 
verschiedenen fein ersonnenen Vorrichtungen für Finger- 
bewegungen versehen sein. Schwieriger ist die Frage 
der Leichtigkeit bei künstlichen Beinen zu lösen, am 
allerschwierigsten ist es, eine gut funktionierende Pro 
these bei kurzem Oberschenkelstumpf herzustellen. 
(Paalzow & Pfister.) Dabei ist mehr als bisher Gewicht 
zu legen auf eine exakte, zuverlässige, beim Sitzen 
nicht versagende Befestigung am Becken und auf die 
Lastverteilung auf beide Schultern (vgl. Golrner, Berl. 
klin. Wochenschr. 1895, No. 46). Die Frage des 
Materials ist für künstliche Beine auch noch nicht ent 
schieden; am häufigsten werden für den Oberschenkel 
Hülsen aus Stahlblech (lackiert), Eisenblech (verzinnt), 
mit Leder überzogen, oder mit Bandeisen verstärkte 
Lederhülsen gefertigt. Ob es sich empfiehlt, diese 
Hülsen aus »Cellouvert« (Geffers) zu machen, ist trotz 
der gerühmten Eigenschaften des Materials zweifelhaft, 
weil sie sich nicht leicht ändern lassen, wenn der 
Stumpf im Laufe der Zeit sich an P'orm und Umfang 
verändert. Wir wollen daran erinnern, dass man in 
Krankenhäusern für die ersten Gehversuche über einen 
Gipsabguss des Stumpfes eine Holzleimkapsel her 
steilen kann, an welcher ein entsprechend langes Stück 
Bambus befestigt wird (Albers). Für den Unterschenkel 
wird vielfach nur gewalktes Leder, aber auch Neusilber, 
Holz, Gummi u. a. m. verwendet. Die künstlichen 
Beine sind häufiger als früher mit beweglichen Knie 
gelenken versehen; man hat es gelernt, für die Festig 
keit dieser Gelenke eventuell durch doppelte, aussen 
und innen angebrachte Stahlschienen (Detert) zu sorgen. 
— Im grossen und ganzen können wir sagen, dass 
unsere Fabrikation den Vergleich mit der anderer 
Länder, die ausgezeichneten, aber auch sehr teuren 
amerikanischen Prothesen (A. A. Marks) vielleicht 
ausgenommen, heute nicht mehr zu scheuen hat, 
wenn es auch in der Praxis oft immer noch mancher 
Versuche bedarf, bis beide, »Produzent und Konsument«, 
ganz befriedigt sind. 
Ganz Hervorragendes hat aber die Berliner Arbeit, 
wie auch allgemein anerkannt wird, in allem geleistet, 
was in direktem Zusammenhänge mit der Ope 
rationselbst steht; in der Einrichtung des Raum es, 
den Apparaten zur Sterilisation der Instrumente und 
des Verbandmaterials, den Operations- und Verbands 
tischen, den Glasschränken, den Lagerungs-, Hebe- und 
Transportvorrichtungen, und last not least den »In 
strumenten« im eigentlichen Sinne, den Waffen, auf 
deren Güte die »handwirkende Kunst« rechnen muss. 
— Für den Operationsraum finden wir den abwasch 
baren glasurharten Anstrich mit deutscher Emaillefarbe 
(J. Heck) sehr praktisch; von den schönen Operations 
tischen waren einige, nach unzählbaren Richtungen be 
weglich, doch wohl etwas zu kompliziert; einfach und 
praktisch schien mir der sogen. Laparotomietisch nach 
Pfannenstiel und die Hemmungsvorrichtung nach 
Haertel. Die sauberen Glas- und Eisenschränke von 
Lentz, Holzhauer, Lautenschlaeger u. a. sind 
über jedes Lob erhaben. Dasselbe können wir von 
den fast ausschliesslich nach Schimmelbusch ge 
arbeiteten Apparaten zum Sterilisieren unserer Geräte 
sagen, von denen für den praktischen Arzt, nament 
lich auf dem Lande, die am brauchbarsten sein dürften, 
in denen Verbandstoffe und Instrumente zugleich 
sterilisiert werden können (Lautenschläger). Ein 
Apparat (Surel) ist mit selbstthätiger Spiritus-Regu 
lierung versehen, die anderen sind für die verschie 
densten Arten von Heizung eingerichtet. Ein Sterili 
sationsapparat für Katheter (Hanfland), ein aseptisches 
Taschenbesteck nach Czerny (Dröll) und die mehr 
fach vertretenen billigen, waschbaren Verbandtaschen 
scheinen uns hierbei noch erwähnenswert. (Man vergl. 
des Verf. »Neuere Fortschritte in der Chirurg. Technik«, 
Deutsche med. Wochenschrift, 1895-) 
Wenn ich bei den eigentlichen chirurgischen 
Instrumenten erwähne, dass in sonst ausgezeichnet 
eingerichteten Bestecken immer noch die riesigen Ain- 
patationsmesser, immer noch die Katelinen, immer noch 
zu wenig stumpfe, zu viele scharfe Wundhaken und 
immer noch nicht genug Unterbindungsinstrumente
	        
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