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Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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den Doppelsternen, gestatten jedenfalls, die Hoffnung 
auszusprechen, dass eine sehr bedeutende, wissenschaft 
lich förderliche Leistung erreicht werden wird. Es ist 
zu erwarten, dass es Herrn Archenhold ermöglicht 
wird, durch Weiterführung seiner Arbeiten an Ort und 
Stelle die ganze Einrichtung auf die grösstmögliche 
Vollkommenheit zu bringen und damit der Wissen 
schaft und dem Rufe der deutschen Technik einen 
grossen Dienst zu erweisen; denn Alles, was die Wissen 
schaft und die Präzisionstechnik eines Landes und 
eines Mittelpunktes wie Berlin gerade in diesen Ge 
bieten leistet, kommt der Schätzung und dem Erfolge 
seiner gesamten wirtschaftlichen Arbeit in besonderer 
Weise zu gute. 
Prof. Dr. Wilhelm Foerster. 
Prof. Dr. Victor Knorre. 
Uhren. 
Ueber die Gruppe »Uhren« haben die beiden Fach- 
zeitschrilten »Deutsche Uhrmacherzeitung«, Verlag von 
Carl Marfels, Berlin W., Jägerstrasse 73«, und »Allge 
meines Journal der Uhrmacherkunst, Organ des Central- 
Verbandes der deutschen Uhrmacher, Halle a. S.«, so 
detaillierte Beschreibungen geliefert, dass ich zur Ver 
meidung von Wiederholungen mich begnüge, einige An 
sichten allgemeinerer Art auszusprechen. Ausserdem 
ist bezüglich der Berliner Uhrenindustrie in dem Spezial- 
Katalog V der Ausstellung, sowie in dem noch spe 
zielleren Kataloge der Gruppe XI, Untergruppe II 
»Uhren«, in Kürze begründet, dass, gleichwie bei mancher 
anderen Industrie, der Mangel an günstigen natürlichen 
Bedingungen, sowie an Hilfsindustrieen, die Fabrikation 
von Uhren in Berlin in grossem Umfang nicht auf- 
kommen liess. Ausgenommen hiervon ist die Fabri 
kation von Turmuhren, in der Vorzügliches geleistet 
wird. 
Unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf, dass 
noch andere Umstände lähmend mitgewirkt haben, 
von denen die Grossuhrenfabrikation nicht betroffen 
wurde. Im Besitze von fachmännischen Berichten über 
Uhren-Fabrikation und Handel, die bis zum Jahre 1879 
zurückdatieren, bin ich zu dem Schlüsse gelangt, dass 
das Eingehen auf die Wünsche nach äusserster Ver 
billigung der Ware, welches auswärtige Fabriken den 
Konsumenten entgegenbringen, der gedeihlichen Ent 
wicklung der Uhrenfabrikation im Wege steht. Man 
bedenke, dass heute Taschenuhren schon im Preise 
von 3 Mark in den Handel kommen! Bezüglich der 
teureren Uhren gesellt sich als weiterer hindernder 
Faktor die Modesucht dazu, die mit ihrem stets wandel 
baren, auf das Aeussere gerichteten, mitunter sehr ge 
schmacklosen Sinnen und Trachten unser modernes 
Leben immer mehr beherrscht und für die Solidität 
der technischen Ausführung der Uhren einen geringen 
Teil des Preises übrig lässt. Heute werden grosse 
Mengen von Taschenuhren in dieser Modehülle auf den 
Markt gebracht, morgen müssen sie anderen weichen 
und verlieren an Wert, weil die Mode für die äussere 
Ausstattung eine andere geworden ist. So nur ist es 
zu erklären, dass Möbelfabrikanten kostbare Gehäuse 
für Standuhren im Preise von 300—400 Mark an 
fertigen, welche ein Uhrwerk von nur 10—20 Mark 
beherbergen. 
Bei Turmuhren hingegen dürfte die Sachlage in 
sofern eine günstigere sein, als sich auf sie die Massen 
fabrikation zum mindesten in bedeutend geringerem 
Umfange anwenden lässt, und der Anfertigung im 
allgemeinen eine besondere Bestellung vorangehen 
wird. Hinsichtlich der äusseren Ausstattung aber 
kommen nur das Zifferblatt und die Zeiger in Betracht. 
Diese Teile werden sich der nächsten Umgebung ihres 
Standortes anzupassen haben, also unabhängig von 
Modeeinflüssen einer speziellen Vereinbarung über den 
Kostenpunkt unterliegen. 
Unter den geschilderten Umständen nimmt sich 
die geringe Beteiligung Berlins an der Uhrenfabrikation 
weniger wie Konkurrenzunfähigkeit, als vielmehr wie 
solide Denkungsart aus. 
Von den wenigen Fabrikanten astronomischer 
Pendeluhren und Schiffs-Chronometer war nur August 
Böhme (Berlin W., Taubenstrasse 43) mit 4 Pendel 
uhren vertreten. Zwei von den Pendeln sind in drei 
voneinander isolierten Abteilungen gegen Temperatur 
unterschiede in ihrer Längenausdehnung kompensiert. 
Hgrr Böhme hatte schon vor einigen Jahren die sehr 
guten Gänge eines so kompensierten Pendels in den 
Astr. Nachr., Bd. 121, Seite 69—74, veröffentlicht, die 
jedoch seine eigene Zufriedenheit noch nicht ganz er 
langt hatten. Es wäre daher zu wünschen, dass er 
diese neuen Pendel auch durch längere Beobachtungs 
reihen prüfte, um festzustellen, dass die Unregelmässig 
keiten im Gange, welche sich damals nach Verlauf 
von 4 Monaten noch zeigten, sich doch wieder nur 
durch eine noch weiter getriebene Vervollkommnung 
der Kompensation wegschaffen lassen und nicht durch 
die Vermehrung von Fehlerquellen entstanden sind, 
welche die kompliziertere Einrichtung mit sich ge 
bracht hat. 
Die eine dieser beiden Uhren ist mit einem »An 
trieb auf konstanten Ausschlagswinkel« nach Angaben 
des Ingenieurs von Hefner-Alteneck in Berlin versehen. 
Wenn es durch diese wohldurchdachte Einrichtung auch 
gelungen sein mag, die Ungleichheiten der Grösse des 
Schwingungsbogens auf das geringe Mass von 0,01 mm 
einzudämmen, so müssen doch erst fortgesetzte Beob 
achtungen erweisen, dass die Hemmung der Schwin 
gung, welche diese Einrichtung mit sich bringt, klein 
genug ist, um Isochronismus bestehen zu lassen.
	        
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