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Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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ganzen Gewichte des von ihr getragenen und bewegten 
Instrumentes in ihren festen Lagern aufliegt, sondern 
nur mit einem sehr kleinen Teil dieses Gewichtes, 
wird weiter unten bei der Darlegung der Contrebalan- 
cierung der Deklinations-Axe die Rede sein. 
Die Polar-Axe trägt an ihrem oberen, über ihre 
Lager hinausragenden Ende einen Hohlcylinder von 
nahezu 3 m innerem Durchmesser. An dem oberen 
Rande dieses Hohlcylinders befinden sich, einander 
diametral gegenüberstehend, die beiden Lager der 
Deklinations-Axe, und rechtwinklig zu dem Durch 
messer, an dessen Enden diese beiden Lager ange 
bracht sind, ist der dieselben tragende Hohlcylinder 
nach beiden Seiten ausgeschnitten, um den Spielraum 
für die mit der Deklinations-Axe um die Verbindungs 
linie der beiden Lager drehbaren Teile zu geben. In 
jedem dieser beiden Lager liegt ein Zapfenstück der 
Deklinations-Axe, dessen Mitte in Kugelgestalt ausge 
führt ist. Diese beiden Zapfenstücke sind aufeinander 
centriert, aber nicht unmittelbar miteinander verbunden, 
denn sie müssen eben zwischen sich den Raum für den 
Beobachter freilassen. Sie sind aber mittelbar zu 
einem Stücke verbunden durch je zwei Arme, mit 
denen jedes der beiden Zapfenstücke, auf jeder Seite 
der beiden Lager hervorragend, an einer mächtigen 
Traverse, einem kastenartigen Stück, angreift, welches 
das eigentliche tragende Glied der Deklinations-Axe 
bildet; denn an diesem Kastenstück ist nicht blos das 
Fernrohr und seine Schutzhülle befestigt, sondern von 
demselben gehen auch auf jeder der beiden Seiten die 
Arme aus, welche die radförmigen Kasten mit den 
Entlastungsrollen für die Drehung der Deklinations- 
Axe tragen, endlich auch die längeren äusseren Arme 
auf beiden Seiten, an denen die schon oben erwähnten 
grossen Gegengewichts-Scheiben wirken, welche -das 
Fernrohr und die Schutzhülle derartig balancieren, dass 
mit dem Drehpunkt auch der Schwerpunkt des Ganzen 
in den Augenpunkt des Beobachters fällt. 
Die Vollendung der Contrebalancierung liefert 
schliesslich die Verbindung der beiden, die Entlastungs 
rollen der Deklinations-Axe enthaltenden radförmigen 
Kasten mit einem äusseren Hohlcylinder, dessen Figur- 
Axe mit der Polar-Axe zusammenfällt, und mittelst 
dessen die ganze Deklinations-Axe nebst Fernrohr, 
Schutzhülle und Gegengewichten den grössten Teil 
ihres Gesamtgewichtes auf ein Rollensystem stützen 
kann. Dieses letztere System, aus drei Rollen be 
stehend, ist — gemäss seinem doppelten Zwecke, die 
Polar-Axe zu entlasten und zugleich dem ganzen 
System der Deklinations-Axe, einschliesslich der ge 
waltigen um diese bewegten Masse, bei der Drehung 
des Instrumentes um die Polar-Axe eine Führung zu 
gewähren — in besonders gesicherter und doch jeden 
Zwang thunlichst ausschliessender Weise gelagert, wobei 
in sinnreicher Weise entsprechende Einrichtungen, wie 
bei den grossen Centesimalwaagen, zur Anwendung 
gebracht sind. 
An demselben äusseren Hohlcylinder, und zwar 
an zwei einander gegenüber liegenden Stellen, wirkt 
auch eine subsidiäre Drehung des ganzen Instruments 
um eine der Polar-Axe sehr nahe konzentrische Axe, 
während die feinste, durch ein Uhrwerk getriebene 
und regulierte Drehung der Polar-Axe selber im Innern 
des Fundamentbaues an der letzteren angreift. Infolge 
der zwangfreien Beweglichkeit der Lagerung jener 
äusseren und gröberen Drehungs-Einrichtung können 
beide Drehungen unter Umständen mit grossem Vorteil 
Zusammenarbeiten. 
In welcher Weise dies alles im Einzelnen durch 
gebildet ist, wäre nicht ohne sehr detaillierte Zeichnungen 
und Erläuterungen klarzumachen. Wir wollen uns da 
mit begnügen, hier zu konstatieren, dass die Mecha 
nismen ausserordentlich sicher wirken und viele sinn 
reiche und in der astronomischen Technik neue Ein 
richtungen enthalten, die Herrn Paul Hoppe und seiner 
Firma verdankt werden. 
Als bewegende Kraft wird bei allen Drehungen 
des Instrumentes, abgesehen von den kleineren Ein 
stellungsänderungen, die Elektrizität benutzt. 
Was nun die an Stelle der Kuppel tretende Schutz 
hülle des Fernrohrs betrifft, so besteht dieselbe in 
einem an der vorerwähnten Traverse der Deklinations- 
Axe ebenso, wie das Fernrohr, befestigten Hohlcylinder 
aus 2 mm starkem Eisenblech, welcher das Fernrohr in 
einem Abstande von ungefähr 12 cm umgiebt und um 
nahezu IOO cm über das Ende desselben hinausragt. 
Die durch Luftbewegungen hervorgebrachten Er 
zitterungen dieser Schutzhülle können also nicht un 
mittelbar auf das Fernrohr und die Axen übertragen, 
sondern nur durch Vermittlung der vorerwähnten, sehr 
stark und massig gebauten Traverse der Deklinations- 
Axe auf Fernrohr und Axen fortgepflanzt werden. 
Hierbei werden, nach experimentell erprobten Vor 
gängen und auch bei der Anwendung des Fernrohrs 
bereits bestätigten Erfahrungen in Betreff der Fort 
pflanzung von Stössen und Erzitterungen, die in Rede 
stehenden Wirkungen von Luftbewegungen durch den 
Uebergang auf grössere Massen fast bis zum Ver 
schwinden gedämpft. 
Auch die Wirkungen eines beständigeren Wind 
druckes auf die Schutzhülle können durch deren 
Biegsamkeit derartig aufgenommen werden, dass nur 
ein geringer, praktisch unerheblicher Teil derselben 
auf das Fernrohr und die Axen übergeht. Beim Nicht 
gebrauch des Fernrohrs, bei Regen und Schnee wird 
dasselbe horizontal gelegt und durch einfache Schutz 
dächer oder Schutzkasten vor den Wetterunbilden be 
wahrt, während auch die anderen beweglichen und 
feineren Teile des ganzen Instrumentes ihre besonderen 
einfachen Schutzeinrichtungen haben.
	        
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