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Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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seiner maximalen Leistungsfähigkeit zu benutzen. Auch 
die zur Projektion des mikroskopischen Bildes auf 
einen Schirm oder eine photographische Platte dienenden 
Okulare sind nach Art der Apochromat-Objektive sorg- 
fältigst korrigiert und infolgedessen frei von Focus 
differenzen zwischen den optischen und den chemisch 
wirksamen Strahlen. — Von besonderer Wichtigkeit 
für die Helligkeit und Schärfe des Bildes bei durch 
sichtigen Präparaten ist der auch von anderen Firmen 
vielfach adoptierte Abbesche Beleuchtungsapparat, ein 
Kondensorsystem von kurzer Brennweite, welches die 
vom Beleuchtungsspiegel ausgehenden Strahlenkegel 
grosser Oeffnung sammelt und im Objekt vereinigt. 
Zur Beleuchtung undurchsichtiger Präparate dient der 
Vertikalilluminator, ein totalreflektierendes Prisma, das 
zwischen Tubus und Objektiv eingeschoben wird und 
die Hälfte der Objektivöffnung bedeckt. — Dass die Ein 
richtung der Stative, den steigenden Anforderungen an 
Sicherheit der Einstellung u. s. w. entsprechend, von 
den verschiedensten Firmen wesentlich verbessert und 
teilweise ganz bestimmten Zwecken angepasst wurde, 
bedarf kaum der Erwähnung. 
Vortreffliche Mikroskope für mineralogische 
Untersuchungen stellte die Firma Fuess (Steglitz) 
aus. Bekanntlich müssen derartige Instrumente noch 
mit Nikolschen Prismen zur Beobachtung in polarisiertem 
Lichte versehen sein. Nun war es bisher üblich, die 
Beobachtung in verschiedenen Azimuten so auszuführen, 
dass das Präparat mit dem ganzen Mikroskoptischchen 
gedreht wurde, was mit erheblichen Unzuträglichkeiten 
verschiedener Art verknüpft war. Statt dessen hat die 
Firma Fuess eine Vorrichtung eingeführt, bei welcher 
das Präparat stehen bleibt und die Nikols gedreht 
werden; der tote Gang bei der Zahnradübertragung, 
welcher als stärkste Fehlerquelle bisher die allseitige 
Annahme dieser praktischen Neuerung verhinderte, 
ist dadurch beseitigt, dass die Räder aus einem System 
von zwei gegeneinander federnden Zahnrädern zusammen 
gesetzt wurden, so dass nunmehr die genaue Einhaltung 
der Stellung beider Nikols gegeneinander gesichert 
ist. Abgesehen davon, dass das Präparat nun nicht 
mehr centriert zu werden braucht, bietet die neue Ein 
richtung noch besondere Vorteile bei Erhitzungsver 
suchen, bei welchen früher die ganze Erhitzungsvor 
richtung mitgedreht werden musste.—Als Nebenapparate 
seien hierbei noch die vorzüglichen Krystall-Justier 
tischchen erwähnt, welche von obiger Firma nach den 
Angaben von F. v. Fedorow, C. Klein u. a. aus 
geführt werden. 
Wie nun das Mikroskop das Auge des Forschers 
unterstützt und es in den Stand setzt, den Aufbau der 
organischen und anorganischen Gebilde bis in die 
feinsten Einzelheiten zu studieren, so gewährt es ihm 
gleichzeitig auch die Möglichkeit, das Gesehene in 
vollster Naturtreue festzuhalten und wiederzugeben. 
Thatsächlich liefern denn auch die meisten Mikroskop 
fabrikanten zur photographischen Aufnahme der Präpa 
rate Vorrichtungen, welche direkt am Mikroskop be 
festigt werden können, so dass das frühere lästige 
Nachzeichnen in den meisten Fällen überflüssig ge 
worden ist. Die Mikrophotographieen von Himm 
ler, Fuess u. a. sind von geradezu erstaunlicher Fein 
heit und Deutlichkeit. Derartige Photographien sind 
natürlich auch für den Lehrer von unschätzbarer Be 
deutung, der dadurch in den Stand gesetzt wird, die 
Ergebnisse der mikroskopischen Forschung einem be 
liebig grossen Auditorium mit Hilfe eines Projektions 
apparates in grossen Dimensionen vorzuführen. Selbst 
verständlich muss ein solcher Apparat mit ausgezeichneten 
Linsensystemen versehen sein, sollen die dadurch ent 
worfenen Bilder in bedeutender Vergrösserung noch 
scharf und unverzerrt erscheinen, und ausserdem be 
darf man dazu einer mächtigen Lichtquelle. So haben 
sich denn wohl alle Fabrikanten von Projektions 
apparaten —• wir nennen als solche beispielsweise die 
Firmen Schmidt & Haensch (Berlin), Fuess (Steglitz), 
Leitz (Wetzlar), Krüss (Hamburg) —- das intensive, 
elektrische Bogenlicht zu nutze gemacht, dessen Wir 
kung ja von keiner anderen Lichtquelle erreicht wird. 
Aber auch da, wo Bogenlicht nicht zur Verfügung steht, 
hat man neuerdings in dem Zirkonlichte in Verbindung 
mit dem Linnemannschen Knallgasgebläse eine Licht 
quelle, welche an Intensität dem früher vielfach ge 
brauchten Drummondschen Kalklicht etwa gleich 
kommt, in der Handhabung aber viel bequemer ist, 
da es leicht reguliert werden kann und sich auch bei 
längerem Gebrauch wenig abnutzt. 
Wären wir nun thatsächlich im Zweifel über die 
Intensität einer zu wählenden Lichtquelle, so würde 
uns die Ausstellung auch hier wieder ein Mittel zur 
Hebung dieses Zweifels an die Hand geben: das 
Photometer. Früher, als noch Kienspan, Talgkerze 
und Oellampe die Beleuchtung von Zimmer und Strasse 
beherrschten, war das Bedürfnis nach der Messung der 
Lichtstärke kein besonders brennendes; für gewöhnlich 
reichte dazu schon das Auge allein aus, der Wissen 
schaft genügte das Bunsensche Fettfleck-Photometer 
und als Lichteinheit der etwas stark variable Begriff 
der »Kerze«. Inzwischen ist die Menschheit lichthung 
riger geworden; Gas, elektrisches Licht, Gasglühlicht 
u. s. w. haben einen mächtigen Wettkampf um die Ober 
herrschaft begonnen, und zur Entscheidung dieses 
Streites reichen natürlich die früheren Mittel nicht 
mehr aus. 
Die Frage nach einer unveränderlichen und leicht 
reproduzierbaren Lichteinheit, mit deren Lösung 
sich namentlich die Physikalisch-Technische Reichs 
anstalt beschäftigt, kann auch heute noch nicht als 
endgiltig erledigt angesehen werden; zunächst hat man 
sich zur Annahme der mit Amyl-Acetat gespeisten
	        
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