Path:
Vorgeschichte und Vorbereitung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

32 
Pfeiler mit Zwickel in der Kuppelhalle. 
seitens der Regierung rechnen zu dürfen, und nahm die 
Frage aufs neue in Angriff. 
Am 15. April 1891 wurde vom »Verein Berliner 
Kaufleute und Industrieller« nach dem Bürgersaale des 
Rathauses eine öffentliche Versammlung einberufen, 
um sämtlichen Interessenten Gelegenheit zu geben, zu 
der Frage einer Ausstellung in Berlin 1895/96 Stellung 
zu nehmen. Nachdem der Referent Herr B. W. Vogts 
die seit vielen Jahren hierselbst vergebens aufge 
wandten Bemühungen, eine Ausstellung in Berlin 
ins Leben zu rufen, ausführlich geschildert hatte, kam 
es zu einer erschöpfenden Diskussion und zu zwei ein 
stimmig angenommenen Beschlüssen: I. Wir wollen 
eine Ausstellung in Berlin 1895 oder 1896. 2. In erster 
Linie wollen wir diese als eine internationale erstreben. — 
Wieder verging ein Jahr ohne sichtbare Wirkungen . . . 
Am 6. April 1S92 fand im Bürgersaale des Rat 
hauses eine von dem »Verein Berliner Kaufleute und 
Industrieller« berufene Versammlung aller Interessenten 
der für das Jahr 1896/97 in Aussicht genommenen 
Berliner Weltausstellung statt. Herr B.W. Vogts legte 
in seinem Referat*) die Sachlage dar und entwickelte 
*) S. Anhang I. 
insbesondere die Grundziige des Finanzplans 
einer Weltausstellung. Nachdem sich General 
konsul Schönlank, Generalsekretär des 
Vereins für die chemische Industrie Deutsch 
lands Wenzel, Geheimrat Prof. Dr. Witt 
mack (namens des Vereins für Gartenbau in 
den preussischen Staaten), Fabrikant Gustav 
Schultz und Kommerzienrat Lissauer für 
die Weltausstellung ausgesprochen hatten, 
wurde einstimmig nachstehende Resolution 
angenommen: 
»Die heutige, von allen Inter 
essentenkreisen besuchte Versammlung 
beschliesst auf Anregung des »Vereins 
Berliner Kaufleute und Industrieller«, 
die Frage der Weltausstellung in Berlin 
wie im ganzen Reiche ungesäumt in 
Fluss zu bringen und die Zeichnung 
eines Garantiefonds in gegebener Zeit 
zu veranlassen.« 
Dieser Aufforderung folgend, bildete der 
Vorstand des genannten Vereins eine Kom 
mission unter Führung des in der Zwischenzeit 
zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählten 
Geheimen Kommerzienrats L. M. Gold 
berger, die den Auftrag erhielt, die er 
forderlichen Schritte, insbesondere behufs 
Schaffung eines Garantiefonds, einzuleiten. 
Dies entsprach zugleich dem Hinweise, 
den der Reichskanzler Graf v. Caprivi in 
seiner Antwort vom 20. Mai auf eine Ein 
gabe des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleisses 
in nachstehenden Worten gab: 
»Ebensowenig ist bisher die finanzielle Siche 
rung, sofern sie durch die Bereitstellung von erheb 
lichen Geldmitteln seitens Privater und seitens der 
Stadt Berlin herbeizuführen wäre, in einer Weise 
gewährleistet, welche dem Urteil der verbündeten 
Regierungen eine hinreichende Unterlage bieten 
könnte.« 
Inzwischen hatte sich auch der »Verein Berliner 
Kaufleute und Industrieller« an den Reichskanzler ge 
wandt. In einer vom 9. Mai 1892 datierten Eingabe an den 
Reichskanzler Grafen von Caprivi wurden diejenigen 
Gesichtspunkte dargelegt, welche zu einer Entscheidung 
drängten und es ratsam erscheinen Hessen, in thun- 
lichster Beschleunigung zunächst die Berliner Inter 
essenten zu einer freien Vereinigung behufs Förderung 
des Ausstellungsplanes und Schaffung eines Garantie 
fonds heranzuziehen, um die Ausführbarkeit des Werkes 
auf der Grundlage der Opferfreudigkeit der Beteiligten 
zu gewährleisten und damit die Entschliessungen der 
staatlichen und städtischen Behörden zu erleichtern. Es 
wurde in der Eingabe ferner betont, dass der Gedanke, 
in der Hauptstadt des Deutschen Reiches eine Weltaus-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.