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Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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weil es auf ununterbrochene Beobachtungen ankommt. 
Um diese zu erreichen, ist eine photographische Re 
gistrierung vorgesehen. Der sinnreiche und vollendete 
Apparat hat sich bei den bisher mit ihm angestellten 
Versuchen gut bewährt. So wurde z. B. im Geo 
dätischen Institut in Potsdam von einem solchen 
Apparat ein in Kärnthen stattgefundenes Erdbeben mit 
grosser Sicherheit registriert. Der Apparat wird daher 
eine wichtige Rolle für das Studium der Erdbeben 
wellen spielen. — Auf einem anderen Gebiete der 
Geophysik sind in neuerer Zeit gleichfalls wichtige 
Verbesserungen der instrumentellen Hilfsmittel ent 
standen; wir meinen die Apparate zum Studium der 
mittleren Meereshöhen wie der Wasserbewegungen 
überhaupt. Während man früher überzeugt zu sein 
glaubte, dass die das europäische Festland umgebenden 
Meere eine verschiedene Höhenlage zeigten, kommt 
man neuerdings immer mehr zu der Ueberzeugung, 
dass die Höhenlage der Meere überall dieselbe ist und 
dass die früher beobachteten Höhenunterschiede durch 
Nivellementsfehler erklärt werden müssen. Das Studium 
der mittleren Meereshöhe hat daher für die wissenschaft 
lichen wie die technischen Höhenmessungen eine 
erhöhte Bedeutung gewonnen. In der allerneuesten 
Zeit ist ein weiteres Problem hinzugekommen, welches 
das Studium der Wasserbewegungen zu einem wichtigen 
Gebiete der geophysischen Forschung macht. Man 
hat nämlich die neuerdings mit grosser Sicherheit kon 
statierten Schwankungen der Erdaxe mit der Wasser- 
bevvegung in den grossen Oceanen in Verbindung ge 
bracht. Selbstverständlich erfordern diese neuen 
Probleme genauere instrumentelle Hilfsmittel, als man 
bisher anwendete. Während man sich früher damit 
begnügte, die Wasserstände mittelst einfacher Latten 
pegel, dann mit Hilfe ziemlich unvollkommener Re 
gistrierapparate zu messen, sind neuerdings wesentlich 
verfeinerte Instrumente entstanden. Die wichtigsten 
dieser Neukonstruktionen, nach Angabe von Prof. 
Dr. W. Seibt von R. PTiess-Steglitz ausgeführt, waren 
teils in gebrauchsfertigen Exemplaren, teils in Modellen 
auf der Ausstellung vertreten. Wir nennen zunächst einen 
nach dem allen früheren Flutmessern zu Grunde 
liegenden Schwimmerprinzip konstruierten kurven 
zeichnenden Kontrollpegel (Fig. 4.). Wie bei den 
bisherigen Flutmessern wird auch hier die Bewegung 
eines Schwimmkörpers mit Hilfe des Schwimmerdrahtes, 
des Schwimmerrades und einer in dieses eingreifenden 
Zahnstange auf einen Schreibstift übertragen, welcher 
die Wasserbewegung auf einem mit Papier bedeckten 
und von einem Uhrwerk bewegten Cylinder registriert. 
Die Neuheit dieses Apparates liegt nun ausser in der 
wesentlich verfeinerten Konstruktion aller mechanischen 
Teile in zwei Punkten: einmal in einer Einrichtung, 
welche gestattet, das von dem wechselnden Stande 
der Luftfeuchtigkeit abhängige Einschrumpfen des Re 
gistrierapparates in Rechnung zu ziehen, und zweitens 
in einer sehr einfachen und sinnreichen Lotvorrichtung, 
mittelst welcher es möglich ist, jederzeit die Angaben 
des Apparates mit dem augenblicklichen Wasserstande 
schnell zu vergleichen und so den Apparat zu kon 
trollieren. Ein ganz neues Prinzip ist bei dem Seibt- 
Fuessschcn Pendelregistrierwerk angewendet 
worden. Hier werden die Wasserschwankungen durch 
den Schwimmer auf das bewegliche Gewicht eines zu 
sammengesetzten Pendels übertragen. Mit dem Steigen 
und Fallen des Wasserstandes verschiebt sich das be 
wegliche Pendelgewicht, ähnlich wie bei einem Metro 
nomen; mit dem Wasserstande verändert sich also 
auch die Zahl der Pendelschläge in einem bestimmten 
Zeiträume. Das Prinzip wird nun auf verschiedene 
Weise angewendet; entweder werden die Pendel 
schläge durch ein Zählwerk gezählt, und man kann 
aus der in einem gewissen Zeitraum erfolgten Anzahl 
von Pendelschlägen das Mittelwasser für diese Zeit 
berechnen, oder es wird nach je 500 Pendelschlägen 
eine Marke auf einem Papierstreifen eingestochen,
	        
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