Path:
Gruppe XI. Wissenschaftliche Instrumente

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

455 
besondere Vorrichtung werden nämlich beide Libellen 
an denselben Teilstrichen zum Einspielen gebracht. 
Von weiteren geodätischen Hilfsmitteln wollen wir 
nur die kleinen Ablothungsinstrumente von Hilde 
brand, Bamberg und Sprenger erwähnen, sowie die 
zahlreichen Verbesserungen an Stativen, die sich 
A. Meissner, Sprenger u. a. haben angelegen sein 
lassen; die leicht zusammenstellbaren Reisestative der 
erstgenannten Firma verdienen besondere Erwähnung. 
Die wichtigen Aufgaben, welche sich die moderne 
Geophysik gestellt hat und mit denen sie in das 
intime Leben unserer Erde einzudringen sucht, haben 
zur Konstruktion von verfeinerten Apparaten geführt, 
welche über die gebräuchlichen Typen astronomischer 
Der Apparat gleicht somit einem Pendel, dessen Schneide 
senkrecht und dessen Pendelstange horizontal steht. Die 
Richtung der Schwerkraft der Erde liegt stets in der 
durch die Rotationsaxe und den Schwerpunkt gehenden 
Ebene. Einflüsse, welche die Richtung der Schwerkraft 
ablenken, bringen daher das Horizontalpendel zum 
Schwingen. Der Apparat, nach seiner ersten Kon 
struktion durch Hengler von Zöllner wesentlich ver 
bessert, hat neuerdings durch die Arbeiten von 
v. Rebeur-Paschwitz eine sehr empfindliche Gestalt 
angenommen. Nach der ihm von Stückrath gegebenen 
Form besteht der Apparat (Fig. 3) aus einem leichten, 
ein durchbrochenes gleichschenkliges Dreieck bildenden 
Pendelkörper aus Aluminium, welcher um zwei feine 
Fig- 3- 
und geodätischer Instrumente hinausgehen. Zu den 
interessantesten und empfindlichsten Präzisionsinstrumen 
ten dieser Art gehört das Horizontalpendel, welches 
ursprünglich zur Bestimmung des Einflusses der Stellung 
der Himmelskörper, insbesondere von Sonne und Mond, 
auf die Schwerkraftsverhältnisse der Erde konstruiert 
wurde und welches weiter zum Studium der kleinsten 
Bodenbewegungen, der sogenannten mikro-seismischen 
Bewegungen, und zur Beobachtung und Registrierung 
von Erdbeben dient. Die vollendetste Form dieses 
Instruments, in welchem die deutsche Präzisions 
mechanik gegenwärtig einen hohen Triumph feiert, war 
auf der Ausstellung vertreten. Das Grundprinzip des 
Horizontalpendels ist folgendes: Um die Verbindungs 
linie zweier nahezu vertikal übereinander liegender Punkte 
als Rotationsaxe lässt man einen Körper schwingen, 
dessen Schwerpunkt ausserhalb der Rotationsaxe liegt. 
Spitzen schwingt. Der Pendelkörper schwebt auf diesen 
beiden Spitzen und ist um ihre Verbindungslinie als 
Axe ganz ausserordentlich leicht drehbar. Um die 
richtige Lage der beiden Spitzen herzustellen und die 
leichte Drehbarkeit des Pendels zu sichern, hat der 
Apparat eine Reihe von ingeniös erdachten Einrich 
tungen, auf welche wir hier nicht näher eingehen 
können. Der Apparat enthält zwei solcher Pendel, 
welche unter einem rechten Winkel zueinander stehen, 
damit auch diejenigen Abweichungen zur Erscheinung 
gebracht werden, welche gerade in die Ebene des einen 
Pendels fallen, von diesem also nicht angezeigt werden 
können. Das Ganze ist in einem kupfernen Cylinder 
angebracht, der oben durch eine Spiegelglasplatte ge 
schlossen ist. Die Bewegungen der beiden Pendel 
können nun durch einen Beobachter nicht direkt 
messend verfolgt werden, besonders deshalb nicht,
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.