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Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Centrum arbeitender Kollege; das in den ersteren 
Stadtgegenden lebende Publikum legt weniger Wert 
auf die Güte, als auf die Masse des Brotes, so dass 
dort geringere Mehle oder eine Mischung von Roggen- 
und geringerem Weizenmehl zur Verwendung kommen. 
Die Konsumenten sind bei der Beurteilung des 
Brotes zuweilen' unberechenbar; während sie in einer 
Stadtbäckerei die Qualität eines thatsächlich guten 
Brotes anzweifeln, kaufen sie in den Markthallen das 
sogenannte »Landbrot« oder lassen es sich ins Haus 
bringen, weil man meint, es schmecke kräftiger. Prüft man 
dies Landbrot genau, so ist es meistens aus geringerem 
die Gewerke, dass die Gastwirte in der Ausstellung 
ihren Bedarf nur von den in derselben errichteten 
Bäckereien entnehmen dürften. Dies Gesuch musste 
seitens des Arbeitsausschusses abgelehnt werden, da 
man nicht das Recht hatte, den Gastwirten eine solche 
Verpflichtung aufzuerlegen. Gleichwohl errichteten 
Bäckereien: Bäckermeister Alfred Tacke gegenüber den 
Marine-Schauspielen, Bäckermeister Steffen nahe der 
Stufenbahn, Bäckermeister Heil, in Firma Schindler, im 
Vergnügungspark und Bäckermeister Alfred Gartz auf 
seinem Grundstück an der Treptower Chaussee vor 
dem Eingang zur Ausstellung. Mit Recht wurde im 
Mehl und etwas säuerlicher gebacken. Der eine will 
das Brot gestrichen, der andere ungestrichen, dieser 
gegerstelt, jener als Körbchenbrot haben, daher der 
schlechte Erfolg der Brotfabriken und die dauernde 
Lebensfähigkeit des Kleinbetriebes. 
Dass man in Berlin weiss, wie es in einer guten 
Bäckerei aussehen muss, bewies die Ausstellung 
deutlich. Von den Bäckerinnungen Germania und Con- 
cordia, sowie einer grösseren Zahl von Bäckermeistern 
war für die Ausstellung die Errichtung schön aus 
gestatteter Bäckereien geplant, da Backwaren sich nur 
dann auf einer Ausstellung gut vorführen lassen, wenn 
sie in dem Gelände derselben hergestellt worden sind; 
hierzu gehört dann aber auch der Absatz der Ware an 
Ort und Stelle. Um diesen zu erreichen, verlangten 
Katalog die Bäckerei von Tacke als »Musterbäckerei« 
aufgeführt, dieselbe Bezeichnung konnte man aber auch 
der Heilschen erteilen; die Räume waren hell und luftig 
und von peinlichster Sauberkeit bis zu den Oefen 
und der maschinellen Einrichtung, die alles zeigte, was 
die Neuzeit an zweckmässigen Erfindungen, wie Knet 
maschinen, Teigteilmaschinen u. s. w., geleistet hat. 
Die Oefen waren selbstverständlich mit indirekter 
Feuerung, sogenannten Unterzugbacköfen versehen, die 
hoffentlich bald überall an Stelle der mit direkter 
Feuerung versehenen treten werden, denn mit der 
grossen Sauberkeit des Herdes verbinden sie eine grosse 
Ersparnis an Brennmaterial und Zeit. Dieselben werden 
mit Braunkohlenbriketts geheizt, und man vermag hier 
3 Schuss Brot und i Schuss Weisswaren in 5—6 Stunden
	        
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