Path:
Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz (Public Domain)

418 
Gruppe X. Nahrungs- und Genussmittel. 
Mühlenfabrikate, Mehlprodukte und 
Bäckerei-Erzeugnisse. 
I. 
Die in Gruppe X, Untergruppe I, ausgestellten Pro 
dukte unserer Mühlenindustrie waren geeignet, die Un 
wahrheit gewisser gegen unsere Müller gerichteten An 
griffe zu beweisen. 
Die ausgestellten Fabrikate Hessen erkennen, dass 
hierin der höchste Grad von Reinheit und Feinheit 
erreicht ist, dass jede Unreinlichkeit vom Getreide vor 
der Vermahlung aufs Sorgfältigste abgerieben und jedes 
Unkraut daraus entfernt wird. 
Sowohl die »Berliner Brodfabrik«, als die 
»Berliner Dampfmühlen - Aktien - Gesellschaft« 
und die Mühle von Bernhard Meyer & Jacoby 
führten dies in anschaulicher und lehrreicher Weise vor. 
Sie zeigten die verschiedenen Unreinlichkeiten, die dem 
Getreide nicht allein mechanisch, sondern auch infolge 
des Wachstums beigemischt sind bezw. anhaften, ge 
trennt, als da sind: Aehren, Flolz, Kaff, Sand, Steine, 
Eisenteilchen, dann namentlich Wicken, Raden und 
andere Unkrautsamen und -Keime; daneben waren zu 
nächst die gespitzten und rein polierten Roggenkörner, 
dann dieselben in den verschiedenen Phasen bis zu 
den daraus erzeugten Mehlsorten ausgestellt. 
Die Reinigung des Getreides bezw. die Absonde 
rung aller darin befindlichen Unkrautsamen und fremden 
Bestandteile geschieht in folgender Weise: 
Gleich bei der Aufnahme auf die Speicher wird 
das Getreide durch einen grobmaschigen Cylinder von 
groben Unreinigkeiten, wie Steinen, Erdklössen, Aehren, 
Bindfaden u. dergl., gesondert, dann durch engere 
Siebe von Sand und feineren Unkrautsamen befreit. 
Hierbei saugen starke Exhaustoren den Staub und die 
leichte Spreu heraus. Dies Verfahren wird thunlichst 
bei jeder Umarbeitung im Speicher wiederholt. Wenn 
nun das Getreide weiter zur Vermahlung kommt, wird 
es über Trieurs (Ausleser) geleitet; diese bestehen aus 
Trommeln, deren oberer Teil mit gelochten Blechen 
versehen ist, durch welche kleine Samen- und ver 
krüppelte Getreidekörner hindurchfallen, während der 
andere Teil, etwa dreiviertel der Länge, nicht gelocht, 
sondern nur mit kreisrunden Vertiefungen versehen ist, 
welche so gross sind, dass gerade die kugelförmigen 
Sämereien hineinpassen. Die Trommel dreht sich 
langsam, dabei nimmt jedes Grübchen ein Korn auf, 
soweit es noch hineinpasst, während alle längeren 
Körner darüber hinweggehen. Die in den Grübchen 
sitzenden Teilchen fallen heraus, wenn der Stand der 
Trommel eine gewisse Höhe erreicht hat, und zwar in 
eine geneigt liegende Rinne, durch die sie aus der 
Trommel entfernt werden, während die normalen Ge 
treidekörner schon früher die Trommel verlassen. 
Von hier geht das Getreide über Spitzgänge, die 
die Keime abnehmen und die äussere Schale des 
Kornes entfernen, darnach auf Sichtmaschinen, Bürsten, 
Saugapparate, Quetschwalzen und Siebwerke, durch 
welche auch die geringsten, dem Getreide noch an 
haftenden Staub- und Schalenteilchen vollständig ent 
fernt werden. Bevor das Getreide auf die Spitzgänge 
gelangt, läuft es über starke Magnete, die die etwa 
noch mitgeführten Metallteile entfernen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.