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Gruppe VIII. Graphische und dekorative Künste und Buchgewerbe

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Paul Schnabel; letzterer legte auch ein- und mehr 
farbige Lichtdrucke vor. 
Der Lichtdruck als Spezialität war vertreten 
durch Martin Dienstbach, welcher besonders Abbil 
dungen industrieller Gegenstände ausstellte, sowie durch 
W. Neumann & Co., in deren Koje u. a. das Bild 
eines Christuskopfes die Aufmerksamkeit der Besucher 
auf sich lenkte, das einen Kupferstich, gemacht nach 
einem im Besitze des spanischen Königshauses befind 
lichen Gemälde von Raphael, reproduzierte. Auch 
Handzeichnungen Ad. Menzels waren durch den Aus 
steller in Lichtdruck vorzüglich wiedergegeben. 
Treffliches hatte Albert Frisch namentlich in 
Farbenlichtdruck ausgestellt. Dreifarbendrucke, einer 
davon in seiner Skala, schmückten neben mehreren 
monochromen Drucken die Rückwand seiner Auslage; 
Mappen voll höchst gelungener Facsimiledrucke, Bücher 
mit farbigen Drucken, darunter das reich ausgestattete 
Prachtwerk »Friedrich der Grosse und die französische 
Malerei seiner Zeit«, bedeckten den Ausstellungstisch, 
und ihre duftigen, zarten Bilder gaben Zeugnis davon, 
dass auch die schöne Kunst des Lichtdrucks in der 
Reichshauptstadt würdig vertreten ist. 
Die älteste graphische Kunst aber, der Holz 
schnitt, dessen Untergang Schwarzseher vom Auf 
blühen der photomechanischen Reproduktion erwarten zu 
müssen glaubten, war, wenn auch nicht allzu umfangreich, 
so doch sehr gut vertreten in Gruppe VIII, wo sich 
die Xylographen zu einer Kollektivausstellung vereinigt 
hatten*). Dass die pessimistische Auffassung der Zu 
kunft des Holzschnitts falsch sei, war schon durch 
die bereits erwähnte Bongsche Ausstellung dargethan, 
wurde aber durch den Inhalt des Xylographen- 
Kabinets noch besonders deutlich bewiesen. Von beiden 
Hauptarten des Schnitts, der technischen und der so 
genannten belletristischen, fanden sich hier muster- 
giltige Beispiele und wahre Kunstwerke; in letzteren 
glänzten namentlich Brend’amour und Heuer & 
Kirmse. Die Ueberlegenheit des von Künstlerhand 
ausgeführten Holzschnitts in Kraft und malerischer 
Wirkung über die nur mechanisch reproduzierende 
Autotypie trat, trotz aller bewundernswerten Leistungen 
der letzteren, in den ausgestellten Schnitten abermals 
unangezweifelt zu Tage. Die beiden genannten Firmen 
hatten übrigens neben historischen Darstellungen, Land 
schaften, Genre- und Modebildern auch sehr gute tech 
nische Arbeiten, die von den anderen Ausstellern der 
Gruppe vorzugsweise gepflegt werden, ausgestellt; letz 
tere scheinen sich die prächtigen gewerblichen Xylo- 
graphieen der Amerikaner zum Vorbild genommen zu 
haben. Wenn sie diese noch nicht in allen Punkten 
erreichen, so kann man doch sagen, dass ein sehr be- 
*) Die xylographische Kollektivausstellung- umfasste die Firmen 
H. Baudouin, Brend’amour & Co., Francois George, G. Heuer & Kirmse, 
Martin Hönemann, G. Neumann, Hugo Spindler und Hermann Walter. 
trächtlicher Teil der in ihren Rahmen ausgestellten 
Schnitte in der Schönheit und Reinheit der Linien, 
wie in präziser Zeichnung kaum etwas zu wünschen 
übrig Hessen. 
G. Neumann hatte sich die verdienstliche Auf 
gabe gestellt, dem Publikum das Werden eines Schnittes 
vorzuführen; zu diesem Zweck brachte er nach den 
verschiedensten Originalen, wie Tusch- und Feder 
zeichnung, Photographie, Lichtdruck und Kupferstich 
gemachte Uebertragungen auf die Buchsbaumplatte zur 
Auslage. 
G. Heuer & Kirmse haben übrigens neben dem 
Holzschnitt auch die Photogravure in ihr Arbeitsfeld 
aufgenommen. Ein Bild des Altreichskanzlers nach 
einem Gemälde Lenbachs, sowie ein solches der Königin 
Luise mit dem Kaiser Wilhelm I. als Kind, beide in 
grossem F'ormat, waren künstlerisch vollendete Proben 
der Leistungsfähigkeit der Firma auf diesem Gebiete. 
Das Bindeglied zwischen Xylographie und Schrift- 
giesserei bildeten die Ausstellungen von Joh. Hart 
leib und C. Behling. Der Kern des Geschäfts des 
ersteren ist eine xylographische Anstalt, neben welcher 
er in umfangreicher Weise die Herstellung von Galvanos 
betreibt; ein Bild des Kaisers in Holzschnitt, Galvano 
und Abdruck, angefangene Holzschnitte, ein grosser, 
achtstrahliger aus Galvanos von 184 Ausstellungsmedaillen 
zusammengesetzter Stern, Kupfer-Cliches zum Bedrucken 
von Metallpapier, sowie für Postmarken etc., machten 
diese durchweg gute Erzeugnisse aufweisende Ausstel 
lung zu einer sehr reichhaltigen. — C. Behling 
(F. Lewerenz) hatte der seinigen ein besonderes Inter 
esse verliehen durch Darlegung aller Phasen, welche 
ein Galvano, mit dem Originalholzschnitt beginnend, bis 
zu seiner Druckfertigkeit durchzumachen hat; der Fach 
mann aber zollte den sehr korrekten Linienplatten für 
den Druck von Schulschreibheften, sowie einem grossen 
Schnittmuster-Cliche nebst der beigegebenen Papier 
matrize, gern die verdiente Anerkennung. 
Die Ausstellung der Schriftgiessereien bildete 
das Centrum des Halbkreises von Gruppe VIII, und 
machte durch ihr einheitliches Arrangement den 
günstigsten Eindruck.*) 
H. Berthold, Messinglinienfabrik und Schrift- 
giesserei, hat sich durch die unwandelbare Präzision, 
mit welcher der Begründer des Hauses, Kommerzienrat 
H. Berthold, sein spezielles Fabrikat, Messinglinien 
für Buchdruckzwecke, herstellte, europäischen Ruf er 
worben, und die derzeitigen Inhaber der Firma streben, 
denselben zu wahren, wie dies namentlich durch einen 
ausgestellten, aus Einpunkt-Messinglinien gesetzten 
Typometer von 2660 typographischen Punkten dar 
gethan wurde, welchen man deshalb füglich als das 
*) Ausgestellt hatten: H. Berthold, Wilhelm Gronau, Emil Gursch, 
Ferdinand Theinhardts Schriftgiesserei und Wilhelm Woellmers Schrift- 
giesserei.
	        
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