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Gruppe VIII. Graphische und dekorative Künste und Buchgewerbe

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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kennen, dass in Deutschland noch immer zuviel mit 
dem »Billig« gerechnet werden muss und der Wert eines 
in Entwurf und Druck künstlerisch durchgeführten 
Plakats noch nicht genug gewürdigt wird. — Farben 
reichere lithographische Plakate zeigte R. Barnick, 
doch scheint diese Firma dem Etikettendruck, von 
welchem zwei dicke Folianten mit vielen hübschen 
Mustern in leuchtenden Farben auslagen, ihre be 
sondere Aufmerksamkeit zu widmen. Einige weitere 
im Plakatdruck thätige Berliner chromolithographische 
Anstalten waren ebenfalls der Gruppe XVI zugeteilt. 
Ein anderes graphisches Haus, dessen Bedeutung 
indes auf dem Gebiete der photomechanischen Repro 
duktion liegt, das von Meisenbach, Riffarth & Co. 
zu Schöneberg-Berlin, leistet gleichfalls Hervorragendes 
im Druck von Plakaten, bei deren Herstellung jedoch 
neben der Chromolithographie gelegentlich wohl auch 
die Chromozinkographie in Anwendung kommen mag. 
Die Aetzung in Zink und Kupfer, und zwar in der 
Hochätzung für Zinkographie und Autotypie, in der 
Tiefätzung für Heliographie und Photogravure, mit 
allen Nebenarten dieser Verfahren, bildet indes das 
wesentlichste Arbeitsgebiet dieser Firma. Ihre Aus 
stellung war ausserordentlich vielseitig und lehrreich; 
sie bestand in Kunstblättern, damit gefüllten Mappen, 
illustrierten Werken u. s. w. und war in ihrer Ge 
samtheit geeignet, uns einen vollen Begriff zu geben 
von der unschätzbaren Bedeutung und Tragweite, 
welche die photomechanischen Verfahren für die 
Illustration trotz ihrer relativ noch so grossen Jugend 
im allgemeinen schon erlangt haben; das Geburts 
datum des wichtigsten derselben war durch einen 
hochinteressanten Ausstellungsgegenstand festgestellt. 
Es war dies die erste, am 2. August 1881 von ihrem 
Erfinder G. Meisenbach in München gedruckte Auto 
typie, den Kopf eines Tirolers darstellend. Das Netz 
zu ihrer Aufnahme, das man heute in mikroskopischer 
Feinheit direkt auf Glas herzustellen vermag, war da 
mals von dem Maler Lothar Meggendorfer mit der 
Feder auf Papier gezeichnet und erst dann auf Glas 
photographiert worden, um es bei photographischen 
Aufnahmen zum Zwecke des Zerlegens von Flächen 
und Halbtönen in Linien und Punkte für den typo 
graphischen Druck zwischen Original und Negativplatte 
einschalten zu können. Verglich man nun diese wert 
volle Inkunabel der Autotypie mit deren heutigem 
Stande — und die Meisenbach-Riffarthsche Ausstellung 
bot hierzu die günstigste Gelegenheit —, so musste 
man in der That staunen über die gewaltigen Fort 
schritte, welche diese Kunst in dem kurzen Zeiträume 
von nur fünfzehn Jahren gemacht hat. Dank denselben 
hat die typo- und lithographische Illustration der Gegen 
wart eine früher ganz unerreichbare Ausdehnung ge 
wonnen ; neben ihr ist es der Photogravure, dieser 
Aristokratin unter den photomechanischen Reproduk 
tionsverfahren, zugefallen, auch den Tonkupferstich, 
sowie Tusch- und andere Zeichnungen, photographische 
Naturaufnahmen etc. in originalgetreuen Nachbildungen 
mittelst der Kupferdruckpresse zu popularisieren und 
selbst beschränkten Mitteln zugänglich zu machen. Auch 
von dieser Art der Vervielfältigung bot die Meisenbach- 
Riffarthsche Ausstellung Vorzügliches, wie man dies 
sowohl in Gruppe VIII, als auch in der im Chemie 
gebäude untergebrachten Gruppe XVII: Photographie, 
wo das grosse Schöneberger Haus ebenfalls vertreten 
war, bestätigt fand. 
Die Photochemigraphische Kunstanstalt von Georg 
Büxenstein & Co., deren bereits gedacht worden ist, 
hatte ebenfalls im Chemiegebäude eine Schaustellung ihrer 
mit Hilfe der Photographie und der Aetzung geschaffenen 
Reproduktionen veranstaltet; von besonderer Be 
deutung auf dem Gebiete der photomechanischen Verviel 
fältigung ist jedoch die daselbst auch vertretene Firma 
Edm. Gaillard, sowohl der von ihr hergestellten feinen 
Zinkographieen und Autotypieen halber, von denen sie 
viele ausgestellt hatte, als auch namentlich wegen der 
vortrefflichen Glasraster, d. h. der für die Zerlegung 
von glatten Tönen und Flächen in typographisch druck 
bare Punkte bei den photographischen Uebertragungen 
auf Zink, Messing oder Kupfer, für die nachfolgende 
Aetzung erforderlichen Punktnetze auf Glasplatten. Die 
Feinheit, welche die Firma Edm. Gaillard in deren 
Herstellung erreicht, ist geradezu erstaunlich; siebzig 
scharf begrenzte schwarze Linien auf den Centimeter 
geben bei Kreuzung der Fläche ein so feines Korn, 
dass dasselbe nach dem Druck mit blossem Auge 
kaum noch als solches zu unterscheiden ist. Eine aus 
gestellte Glastafel enthielt auf der Fläche von 79:81 cm 
1600 glasklare, rautenförmige Punkte pro Quadrat- 
centimeter, oder 10238400 auf der ganzen Tafel; die 
Firma steht mit derartigen, tadellos vollkommenen 
Leistungen in erster Linie in Europa. Sie zeigte übrigens 
durch die Menge und Vielseitigkeit ihrer anderen Aus 
stellungsobjekte, dass sie auf allen Gebieten der photo 
mechanischen Reproduktion einen hohen Rang ein 
nimmt; sie führte dieselben in wohlgeordneter, syste 
matischer Folge vor, und da sie von ihnen auch 
vielfach Abdrücke ausgelegt hatte, welchen sehr tief 
und rein geätzte Prägeplatten für Buchbinder beigefügt 
waren, so hätte man sie wohl eher in der graphischen 
Gruppe VIII, neben Meisenbach, Riffarth & Co., als 
bei den Photographen in Gruppe XVII zu finden er 
wartet. 
Die Ausstellung von P'ischer & Dr. Bröckel 
mann schloss sich der Gaillardschen an; sie enthielt 
ebenfalls zahlreiche Cliches in Zink und Kupfer und 
zeigte auch deren Herstellung durch Auslage derselben 
in verschiedenen Stadien. Ferner hatten auf dem Ge 
biete der photomechanischen Reproduktion für Buch 
druckzwecke noch ausgestellt Th. Wendisch und
	        
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