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Gruppe VIII. Graphische und dekorative Künste und Buchgewerbe

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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gäbe gestellt hat, und dafür entsprechende Werke und 
treffliche Vorlagen aus den meisten Fächern der Kunst 
und Wissenschaft in lithographischer Aquarellmanier 
und in anderen Arten künstlerischer Reproduktion 
schafft, wie dies ihre reichhaltige Ausstellung bewies. 
Die Kartographie im engeren Sinne war ausser 
den bereits erwähnten Firmen noch durch sieben 
weitere vertreten*); eine derselben, Julius Straube, 
hatte sogar einen Originalstein, die orographische Karte 
des Riesengebirges ausgestellt, die hinsichtlich der 
Präzision und Feinheit der Darstellung — die Schraffen 
und Linien waren mit der Feder, die Schummerung 
mit Kreide ausgeführt — als ganz vorzüglich anzu 
erkennen war, gleich der Zeichnung des von derselben 
Firma ebenfalls in einigen Teilen ausgestellten grossen 
Planes von Berlin. Auch die Karten der übrigen 
Firmen machten, soweit man sich überhaupt nach deren 
Inaugenscheinnahme in einer Ausstellung ein Urteil 
bilden kann, den günstigsten Eindruck und sprachen 
dafür, dass auf dem Gebiete der Kartographie in den 
betreffenden Anstalten der Reichshauptstadt Ausgezeich 
netes geleiste'- wird. Einige der Aussteller hatten 
sich übrigens nicht streng auf Landkarten beschränkt, 
sondern, wie das Berliner Lithogr. Institut, auch 
einschlägliche Werke des eigenen Verlags ausgelegt; 
C. L. Keller bot anatomische Zeichnungen, sowie 
architektonische und ethnographische Werke, deren 
Kunstblätter ausser in Lithographie, in Kupferstich, 
Lichtdruck, Photographie etc. hergestellt waren. 
Der lithographische Kunstdruck aber feierte 
in der Ausstellung des Kgl. Hof-Kunstinstituts von 
Otto Troitzsch die höchsten Triumphe. Die 
Schöpfungen dieses Instituts sind ganz besonders durch 
die Vereinigung der Kunstfreunde für amtliche 
Publikationen der königlichen National-Galerie, 
deren Bilder sämtlich aus den Ateliers von Troitzsch 
hervorgegangen sind, und die hier in einem ganz gleich 
artigen Kabinet wie dieser ausgestellt hatte, in allen 
Weltteilen bekannt und hoch geschätzt geworden; sie 
gehören zu dem Vollendetsten, was die chromolitho 
graphische Kunst je geschaffen hat, allerdings in der 
Mehrzahl unter Zuhilfenahme des Lichtdrucks, dem als 
dann die feine Abtönung und Ausgleichung der Farben 
durch Aufdruck einer Platte zufällt. Alle Fächer der 
Malerei waren in den beiden, nur durch eine bilder 
tragende Scheidewand getrennten Kabinetten vertreten; 
Troitzsch hatte aber nicht blos Schöpfungen der Kunst 
wiedergegeben, er zeigte auch, dass er der Industrie 
in künstlerischer Weise zu dienen weiss, durch eine 
Anzahl vornehmer Plakate, die den vielgerühmten fran 
zösischen nicht nachstehen, in der Präzision der Aus 
*) In Kartographie hatten ausgestellt: Berliner Lithogr. Institut 
(Jul. Moser), W. H. Fritsche, Geograph. Institut und Landkarten- 
Verlag Jul. Straube, Bogdan Gisevius, C. L. Keller, Fritz Kindt, 
Leopold Kraatz (Inhaber Theod. Böttiger). 
führung sie aber bedeutend übertreffen. Troitzschs 
Ausstellung enthielt überdies auch eine Anzahl feiner 
Oeldrucke — sie und die ihr benachbarte der Ver 
einigung der Kunstfreunde vertraten die chromolitho 
graphische Kunst in glänzendster Weise im Industrie 
palast des Parkes von Treptow. 
Was J. Miesler daselbst dem Publikum vorgeführt 
hatte, gehörte zwar auch der Chromolithographie an, 
bewegte sich jedoch auf anderem Gebiete: dem der 
Luxuspapierfabrikation. Eine Anzahl schöner Blätter, 
welche für Fachleute ein besonderes Interesse da 
durch gewährten, dass ihnen die Farbenskala bei 
gedruckt war, schmückte in Rahmen die Wände seines 
Ausstellungsplatzes; das eigentliche Geschäftsfeld des 
Firma war indes durch Hunderte von Glückwunsch 
karten in unerschöpflicher Mannigfaltigkeit dargestellt, 
sowie durch die Reproduktion der Engel am Fusse der 
Sixtinischen Madonna, die in allen Grössen in sehr 
glücklicher Weise zu einem umfangreichen Tableau zu 
sammengestellt waren. Sorgfältige Ausführung und 
brillante Farbengebung kennzeichneten diese litho 
graphischen Nippsachen. 
Noch eine Anzahl anderer Berliner lithographischer 
Anstalten pflegt den Druck von Glückwunschkarten, 
von Chromos zu Reklamezwecken, von Oeldrucken etc., 
und fertigt auch kommerzielle lithographische Arbeiten, 
doch waren diese der Gruppe XVI, Papier-Industrie, 
zugewiesen und befanden sich in deren Ausstellungs 
räumen. In Gruppe VIII aber erblickte man eine 
andere Verwendung des lithographischen Farbendrucks: 
Firmenschilder, Plakate und andere für Reklamezwecke 
bestimmte Drucke waren auf Blech und Karton aus 
geführt und teilweise zum Zwecke der Erhöhung 
ihrer Auffälligkeit auch geprägt; andere waren auf 
leicht gewölbtes Blech von eleganter Form gedruckt 
und dabei so fein in Zeichnung und Farben, dass sie 
wegen ihrer grossen Aehnlichkeit mit Porzellanmalereien 
einen wirklichen Zimmerschmuck bilden können. Aus 
steller dieser Spezialität war die Firma Otto Lutze; 
der vielfach fremdsprachliche Text ihrer Fabrikate 
spricht für deren grosse Verbreitung und Wert 
schätzung. 
Letzteres kann auch in Bezug auf die Plakat- und 
Reklame-Ausstellung von Alex. Honig gesagt werden. 
Er nennt seine Druckerei »Star Printing Office«, und 
viele der in einem geräumigen Kabinet mit Dreh 
flügelstand in der Mitte ausgestellten Plakate trugen 
englischen Text; bei ihrer Herstellung ist zum Teil der 
Dreifarbendruck in Anwendung gekommen, und die 
dargestellten Sujets boten grosse Mannigfaltigkeit. Diese 
Darstellungen aber erhoben sich nur selten über das 
Alltägliche, was allerdings zunächst dem Auftraggeber 
und dem Zeichner, kaum dem Drucker wird zur Last 
gelegt werden dürfen. Leider liess die technische Aus 
führung bei manchen der Ausstellungsobjekte er
	        
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