Path:
Gruppe VIII. Graphische und dekorative Künste und Buchgewerbe

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz (Public Domain)

392 
zu den schönsten Zierden der Berliner Ausstellung. — 
Kanter & Mohr pflegen annähernd das gleiche 
Gebiet wie die vorgenannte Firma; ihre Schaustellung 
kunstgewerblicher und architektonischer Werke war 
ebenfalls eine höchst beachtenswerte, und die den Wand 
schmuck ihres Standes bildenden Kunstblätter erregten 
die Aufmerksamkeit aller Kenner. 
Die Verlagshandlung Paul Parey ist die Ver 
treterin der landwirtschaftlichen Litteratur par excellence. 
Viehzucht, Gärtnerei, Jagd, Forstwesen u. s. w. bildeten 
in erster Linie den Gegenstand ihrer Hunderte von 
Verlagswerken, denen auch eine Zeitschrift »Die deutsche 
landwirtschaftliche Presse« beigesellt war. Gebrüder 
Paetel widmen ihre Geschäftsthätigkeit vorzugsweise 
der modernen Belletristik, der Völkerkunde und den 
Militärwissenschaften; ihre Ausstellung in diesen 
Branchen war eine gewählte und umfangreiche. 
Hermann Paetel ist der Vertreter des Allgemeinen 
Vereins für Deutsche Litteratur, dessen zahlreiche Aus 
gaben ausgestellt waren, während Schall & Grund 
als Leiter des jüngeren Vereins der Bücherfreunde 
dessen Verlagswerke ausgelegt hatten, neben diesen 
aber auch Reisewerke, Romane, Militaria u. s. w. zur 
Schau brachten. Die Ausstattung der Verlagsartikel 
der vorgenannten vier Firmen war eine ihren Zwecken 
entsprechende und durchaus gediegene. 
Pädagogische, geschichtliche undWerke patriotischen 
Inhalts fanden sich vorzugsweise in der Ausstellung 
von A. Hof mann & Co., — neben dem »Kladderadatsch« 
und der Bismarck-Litteratur die grossartige, vornehm 
ausgestattete Serie der Monumenta Germaniae paeda- 
gogica; —- ferner in der von Paul Kittel, dessen 
Bücher »Der alte Fritz«, »Unser Fritz«, »Mit Prinz 
Friedrich Karl«, »Graf Moltke« etc. zum Teil durch 
gute Chromotypien illustriert sind; — sowie in der Aus 
stellung von Rud. Mückenberger, der u. a. das 
prächtige »Kaiserbuch« vorlegte und durch seinen gut 
ausgestatteten »Prometheus« für den gewerblichen und 
naturwissenschaftlichen Fortschritt wirkt. 
Trowitzsch & Sohn gaben durch die vollständige, 
bis 1829 zurückreichende Serie ihrer Kalender ein 
interessantes Bild von der Entwicklung dieser so recht 
eigentlichen Familien-Litteratur, und damit zugleich einen 
schätzbaren Beitrag zur technischen Geschichte des Buch 
drucks während der letzten siebzig Jahre, welche aller 
dings durch die Ausstattung einiger anderer Werke 
desselben Verlags nicht gerade in günstiger Weise 
unterstützt wurde, eine Bemerkung, die leider auch in 
Bezug auf die Bücher noch anderer ausstellenden Firmen 
-— und unter diesen mehrere, welche die Werke ihres 
Verlags in der eigenen Druckerei in Berlin hersteilen 
lassen — gemacht werden muss. 
Unter den besondere Spezialitäten pflegenden 
Verlagsfirmen sind noch zu nennen die Hau de & 
Spenersche Buchhandlung (F. Weidling), deren 
»Salings Börsen-Jahrbuch« wohl ebenso oft konsultiert 
wird, als ihre »Geflügelten Worte« Biichmanns; beide 
Werke lagen in allen ihren Auflagen aus, ersteres hat 
deren bereits zwanzig, letzteres achtzehn zu verzeichnen, 
und beide Serien waren ebenfalls Zeugen vom Fort 
schritt des Buchdrucks. - Werke juridischen Inhalts 
verlegt Karl Siegismund, daneben aber auch die 
Zeitschrift »Deutscher Soldatenhort«; — Otto Liebmann 
giebt die »Deutsche Juristen-Zeitung« heraus, sowie Werke 
über Rechts- und Staatswissenschaften; desgleichen 
Carl Heymanns Verlag, dessen Veröffentlichungen 
auch die wichtigsten Publikationen der Staatsbehörden 
enthalten. Eigenartige Spezialitäten bietet der Verlag 
von C. Re gen har dt in den (auch von ihm gedruckten) 
Adressbüchern für die verschiedensten Berufszweige, 
sowie der von Robert Tessmer durch die Herausgabe 
von Geschäftsadressen, die in klarer Schreibschrift 
autographisch hergestellt sind. 
Der Schulbücher- und Jugendschriften-Verlag war 
durch die Firmen Fr. Aug. Hcrbig und Hermann 
J. Meidinger repräsentiert. Zu den Ausstellungs 
gegenständen der ersteren gehörte der altbekannte 
»Plötz« in seinen verschiedenen Formen, dieser Quell 
des Wissens, aber auch der Not für ungezählte Menschen 
kinder; die Bücher der letzteren Firma boten manchmal 
etwas zu viel in der bunten Pracht ihrer Einbände, 
und auch bei einigen anderen Publikationen desselben 
Verlags trat die »Farbenfreudigkeit« fast zu kräftig auf, 
was allerdings das Vergnügen grosser und kleiner 
Kinder kaum stören wird. 
Von dieser Skizzierung des Berliner Verlags in 
seinen Hauptzweigen, soweit derselbe namentlich durch 
den Werk- und Zeitschriftendruck auf der Ausstellung ver 
treten war — eine Vertretung, die ein recht umfassendes 
Bild von dessen Bedeutung bot — leitet die Verbindung 
des Buchdrucks mit anderen graphischen Darstellungs 
arten zu diesen über. Als auf der Grenze beider stehend, 
konnte die Ausstellung des Geographischen Instituts 
Wilhelm Greve (Inhaber Max Pasch) betrachtet 
werden, in welcher die chromolithographische Kunst 
besonders für wissenschaftliche Zwecke (naturgetreue 
Abbildungen von Vögeln, Eiern, Schmetterlingen, 
Bilder vom Totenfelde zu Ancon, Reproduktionen 
mittelalterlicher Miniaturen etc.) verwertet war, indes 
auch zur Herstellung von Serien von Kunstblättern, 
wie in der Pictorial Art of Japan und in den Publika 
tionen der Arundel Society zu London, Verwendung 
gefunden hatte. Eine bedeutende Anzahl Landkarten 
in sorgfältiger Ausführung bedeckte die W T ände der 
sehr umfangreichen Ausstellung. 
Die ähnliche Richtung wie Greve, d. h. die gleich 
zeitige Anwendung von Typo- und Lithographie — 
jedoch ohne die Herausgabe von Landkarten — ver 
folgt die Firma W. Schultz-Engelhard, die sich 
besonders die Förderung des Selbstunterrichts zur Auf
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.