Path:
Gruppe VII. Metallindustrie

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

362 
weites Gebiet. Erstens dem Material nach: denn an 
die edle Bronze, die nur aus Kupfer und Zinn ge 
mischt ist, schliessen sich in vielerlei Graden das 
Messing, aus Kupfer und Zink gebildet, und der billige 
Zinkguss an, der durch metallische Ueberzüge den 
Schein der Bronze erstrebt; zweitens den Gegenständen 
nach: vom mächtigen Denkmal bis zum Nippesgerät 
oder Möbelbeschlag und zur Tischlampe. Wir wollen 
versuchen, ein geschlossenes Bild dieser vielseitigen 
Kunstindustrie zu geben, doch werden wir einen der 
wichtigsten Zweige, die Lampenfabrikation, auch ge 
sondert besprechen. Auf einige der hier berührten 
Materialien, wie das Messing und das Zink, die sich 
auch als Bleche bearbeiten lassen, werden wir bei der 
Klempnerei zurückkommen müssen. 
Die Gewerke der Gelbgiesser und der Gürtler, 
die zu Nicolais Zeiten in Berlin 24 bezw. 38 Meister 
zählten und mancherlei Messingguss sowie Beschläge 
an Gürteln, Kleidungsstücken, Geräten, auch Nägel u. a. 
zu fertigen pflegten, schreiben ihren Ursprung in alte 
Zeit zurück. Aber die eigentliche Bronzekunst ist vor 
dem Beginn unseres Jahrhunderts in Berlin nur ge 
legentlich geübt worden. Der ausgezeichnete Guss 
der Statue des Grossen Kurfürsten ist zwar 1713 im 
Berliner Giesshause ausgeführt worden, jedoch aut 
Grund der Erfahrungen, die der Giesser Jacobi in 
Paris erworben hatte und unter Zuziehung von drei 
Ciseleuren aus Prag. In grösserem Umfange hat erst 
Friedrich der Grosse die künstlerische Bronzearbeit 
gepflegt. Als Freund des Pariser Geschmacks in 
Dekoration und Möbelwesen hat er auch der ver 
goldeten Bronze, die dort seit den Tagen Ludwigs XIV. 
das beliebteste Ziermaterial geworden war, einen an 
sehnlichen Raum gegönnt. Während seine Vorgänger 
ihre Prunkmöbel mit Silber beschlagen Hessen, hat 
Friedrich II. bekanntlich im Stadtschloss zu Potsdam 
und in Sanssouci mehrere unvergleichliche Räume mit 
Bronzeornamenten ausstatten lassen und sowohl für 
jene älteren Schlösser, wie auch später für das Neue 
Palais eine grosse Reihe trefflicher Möbel in Bronzestil 
bestellt, die älteren vom Bildhauer Nahl, die späteren 
von dem Schweizer Melchior Kambly, die sich ihre 
Gehilfen, die Giesser und Vergolder, aus Paris ver 
schrieben. Was diese Meister schufen, stellt sich den 
besten Pariser Arbeiten jener Zeit an die Seite. Indes 
der Kunstsinn und die Handwerksfreude, die solche 
Werkstätten ins Leben riefen und allein sie halten 
konnten, gingen mit dem grossen Friedrich ins Grab. 
Was laut Nicolais Bericht um das Jahr 1786 die Gelb 
giesser an vergoldeten Bronzearbeiten, Beschlägen an 
Schränken und Sekretären, Ringen an Kommoden 
und Schränken, Wandleuchtern und dergleichen »auf 
antike Art sehr vorzüglich« herstellten, wird nur ein 
bescheidener Nachklang gewesen sein. Nach den 
Freiheitskriegen war alles neu zu gründen. 
Zunächst wurde der Statuenguss gefördert. Auf 
Schadows Veranlassung ward 1818 ein Giesser aus Paris 
nach Berlin gezogen, so dass im königlichen Giess 
hause mehrere grosse Werke von Schadow und Rauch 
gegossen werden konnten; das Königliche Gewerbe- 
Institut, das unter Beuths Führung überall eingriff, wo 
es Not that, errichtete eine Schule für Bronzeguss und 
bildete mehrere tüchtige Former aus. Die erste Preis 
aufgabe des Vereins für Gewerbfleiss im Jahre 1822 
verlangte einen Kernguss in Bronze, der keiner Nach 
hilfe durch Ciselierung bedürfe. Der erfolgreichste 
Meister ward Chr. H. Fischer aus Culmbach, der seit 
1818 mit einem Ciseleur und einem Giesser aus Paris 
in Berlin arbeitete und auf Grund seiner Leistungen 
zum akademischen Künstler und Lehrer im Bronze 
giessen und Ciselieren ernannt wurde. Auf der Ge 
werbe-Ausstellung 1844 konnte er mit fünfzehn statt 
lichen Güssen auftreten. 
Die industriellen Gussarbeiten unseres Zweiges 
wurden 1844 geschieden in die Gelbgiesserarbeiten, 
d. h. die glatte Messingware für praktischen Gebrauch, 
die von Gelbgiessermeistern und einem Mechaniker 
ausgestellt war, und in die Erzeugnisse der Gürtler, 
Bronzeure und Bronzefabrikanten, die durch Modellierung, 
Ciselierung und Vergoldung verzierten, mehr dem Luxus 
dienenden Gegenstände. Hier waren insgesamt elf 
Aussteller aufgetreten, meist mit Kronleuchtern und 
einigen Altarleuchtern, zwei Aussteller mit Thürdrückern 
und Riegeln, ein einziger Aussteller mit einem Schreib 
zeug; das war alles, was das damalige Berlin bei einer 
solchen Gelegenheit an Bronzewaren aufweisen konnte. 
Noch lag diese ganze Industrie in den Händen der 
Pariser, bei denen die Tradition seit Ludwig XIV. un 
unterbrochen fortgepflegt worden war; noch wussten 
unsere wenigen Meister nichts besseres, als die fran 
zösischen Muster nachzuahmen; noch fehlte bei uns 
jede Nachfrage nach heimischer Ware; noch zehn Jahre 
später musste ein amtlicher Bericht die künstlerischen 
Vorzüge des Bronzegusses gegenüber dem Eisenguss 
mit ernsthaften Gründen ausführlich belegen. Kein 
Wunder, dass die kleine Gewerbe-Ausstellung, die 1849 
auf dem Krollschen Grundstück stattfand, keine 
Besserung aufwies. Was Schinkel an Kandelabern, 
Armleuchtern, Kronleuchtern u. a. entworfen hatte, war 
grossenteils auf dem Papier stehen geblieben. 
Wenn es somit für das feinere Kunstgewerbe noch 
an Geschmack und Verständnis fehlte, so war man da 
gegen in der technischen Arbeit nicht müssig. Man 
hatte die Vorteile des galvanischen Stromes zu be 
nutzen gelernt; zu der galvanischen Vergoldung und 
Versilberung, die gegen 1840 von Elkington erprobt 
und 1842 von Dr. Elsner in Berlin eingeführt waren, 
trat jetzt auch die Kunst der Galvanoplastik, die Hohl 
formung. Die ersten derartigen Reproduktionen waren 
1839 durch den deutschen Physiker Jacobi in Peters
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.