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Gruppe VI. Kurz- und Galanteriewaren

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Mannigfaltigkeit der Genres erzielt wird. Die halb 
kreisrunde Form ist bei den Fächern wohl am meisten 
beliebt, doch sind auch andere Arten vorhanden. 
In der Ausstellungskollektion der Firma Conrad 
Sauerwald fand das grosse Fächerformat zu echten 
Spitzenbezügen oder zu Blumenmalereien auf abge 
töntem Grunde Verwendung. Was die Malereien an 
belangt, so enthielt die Kollektion Originalkunstwerke 
namhafter Maler, u. a. im Kunstgewerbemuseum unter 
Professor Döplers Leitung ausgeführte Malereien, anderer 
seits aber auch von berufsmässigen Fächermalern aus 
geführte oder durch Chromolithographie vervielfältigte 
für billigere Genres. In Federfächern hat die Firma 
ausser Straussfederarten (naturfarbig — weiss, schwarz, 
grau — oder gefärbt), den grauweissen, wie auch 
selteneren rein weissen Marabufederngenres, noch Fächer 
aus den Federn des Perlargus, den kleinen Federchen 
des Nusshähers, den grossen Flügelfedern des Adlers, 
Uhu, Habichts, der Eule und Schnee-Eule, den Stoss- 
federn des Auerhahns und Birkhahns (welche Arten 
jetzt grosse Nachfrage finden) vorgeführt. Die Ab 
bildung S. 348 zeigt einen von der Firma hergestellten 
Fächer. 
Eine sehr schöne Spitzenfächerkollektion fand sich 
inderAusstellungvonLouisMarkus und Ison Markus, 
während J. Gräber namentlich schöne Federfächer, Tietz 
& Strauch das hochfeine Genre, därunter einen reich 
mit Juwelen besetzten Fächer, Reicher & Comp, 
das einfachere Genre ausstellten, daneben aber auch 
weisse Straussfeder- und zierliche Blumenfächer, aus 
winzigen, fein abschattierten Blüten zusammengesetzt, 
deren Schleier aus feinster Häkelarbeit bestand. Die 
Berliner Fächerfabrikation steht, wie die Ausstellungs 
kollektionen zeigten, auf einer solchen Höhe, dass es 
nicht wundernehmen darf, wenn der Export bereits eine 
ziemlich hohe Ziffer aufweist. Der Nachweis giebt für 
das verflossene Jahr den Ausfuhrwert Deutschlands in 
Fächern auf 145000 Mark an, welche Ziffer hauptsächlich 
den Berliner Fabrikanten gutzuschreiben ist; als Ausfuhr 
gebiete kommen vornehmlich Skandinavien, Russland, 
England und dessen Kolonieen, sowie Nord- und Süd 
amerika in Frage. 
In das praktische Gebiet gehören die in der Aus 
stellung neben den P'ächerkollektionen untergebrachten 
Möbelabstäuber und Cylinderputzer. Die Firma 
Paul Mahler hatte unter anderem aus Pflanzenfasern 
hergestellte Abstäuber ausgestellt, während diese bisher 
im allgemeinen aus bunt gefärbten, billigen Federn 
hergestellt zu werden pflegten. 
Max Schön. 
Spielwaren-Industrie. 
Die Berliner Spielwaren-Industrie war in 
Gruppe VI durch 15 Aussteller vertreten. Auch in 
anderen Gruppen fanden sich noch Aussteller, die 
teilweise diesem Geschäftszweige zuzurechnen waren. 
Mit der Fabrikation von Spielwaren ist in Berlin 
vor ca. achtzig Jahren begonnen worden. Damals Hessen 
sich Zinngiesser in Berlin nieder, die sich mit der 
Herstellung von Zinnsoldaten, Zinn-Spielgeschirren und 
-Geräten befassten. Legionen von Infanterie, Kavallerie 
und Artillerie, zuerst in flachen und dann in plastischen 
Formen, wuchsen aus den Gussformen heraus und 
wurden mit den Malerpinseln uniformiert. Die Zinn- 
bezw. Bleisoldaten-Fabrikation ist dann von Berlin nach 
anderen deutschen Städten ausgewandert. Dagegen hat 
in Berlin die Herstellung von schönen und formgerechten, 
blanken, galvanisierten und auch porzellanartig be 
malten Spielgeschirren , Puppenstuben - Dekorations - 
Gegenständen u. s. w. aus Zinnguss den erfreulichsten 
Fortgang genommen. 
Die Fabrikation von Blechspielwaren ist in Berlin 
ebenfalls heimisch. Es werden hier Kinderkochherde, 
Spielgeschirre für Kinderküchen und sonstige Spiel 
gegenstände aus Blech fabriziert, doch waren diese 
Fabrikate auf der Ausstellung nur spärlich vertreten. 
In grossem Umfang wird in Berlin die Puppen 
schneiderei betrieben. Eine stattliche Anzahl von 
Firmen lässt in eigenen Ateliers und Arbeitsstuben 
Puppen in allen Grössen und Preislagen kleiden, ver 
sieht damit den Berliner und den deutschen Markt und 
exportiert auch nach dem Auslande. Die Puppen 
haben ebenfalls ihre Mode; die Modelle für die Puppen- 
Schneiderei werden den Journalen der Kinder- und der 
Damen-Konfektion entnommen. Es werden einfache, 
aber auch feine und ganz feine Stoffe verwendet, die 
gut zugeschnittenen Teile werden sorgfältik genäht, und 
auch auf eine gediegene Unterkleidung wird Wert gelegt. 
In den Muster-Sortimenten der Berliner Puppen-Konfek- 
tionäre sind neben den in einfachem kindlichen 
Geschmack gekleideten Puppen auch wahre Modedamen 
zu sehen, letztere hauptsächlich für das Ausland bestimmt. 
Hand in Hand mit der Puppenfabrikation geht die 
Herstellung von Puppenbedarfsartikeln, als da sind: 
Schirme, Schultornister und Schulmappen, Taschen, 
Schürzen, Hüte, Schuhe. 
Auf dem Gebiet der Gesellschafts- und Beschäfti 
gungsspiele zeigt sich die Berliner Fabrikation hervor 
ragend thätig. Ein besonderer Aufschwung ist seit 
ca. 20 Jahren zu verzeichnen. Die Pläne und Vorlagen 
der Berliner Spiele sind in Zeichnung und Farben schön 
gehalten, die Spielgeräte, die Cartonnagen sind solid 
und haben durch ihre Gediegenheit einen guten Absatz 
erzielt, auch auf andere Orte, wo Spiele verlegt werden, 
befruchtend gewirkt. In Gesellschafts- und Uebungs- 
spielen fürs Freie bringt Berlin, wie die Ausstellung 
zeigte, Neuheiten. Auch bei der Fabrikation von Ge 
sellschafts- und Beschäftigungsspielen wird in Berlin 
ein besonderes Gewicht auf gute Qualität gelegt.
	        
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