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Gruppe III. Die Berliner Bautechnik und die Ausstellung des Bauhofes

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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behandlung der ersten 6oer Jahre. Kein Material, das 
brauchbare technische Eigenschaften besitzt, ist so 
schlecht, dass es nicht nach bestimmten Richtungen 
hin unter Umständen auch eine bescheidene künst 
lerische Verwertung finden könnte. 
Die Verwendung des Eisens als Konstruktions 
material im Bauwesen ist in Berlin eine sehr aus 
gebreitete. Auf der Ausstellung waren die Konstruk 
tionswerkstätten so gut wie nicht vertreten, Nur einige 
Wellblechbauten der Firmen Hein, Lehmann & Co., 
Bernhard & Co., Netter & Jacobi waren an ver 
schiedenen Stellen des Parkes errichtet. Die Einführung 
des Eisens in die Baukonstruktion, und zwar zunächst 
als Gusseisen, fand erst Ende des vorigen Jahrhunderts 
statt; Walzeisen fand beim Bau des neuen Museums 
durch Sttiler Anwendung. In den letzten 20 Jahren 
hat die Verwendung des Eisens im Hochbau: in Wän 
den, Decken und Dächern, seiner geringen Abmessungen, 
grossen Tragfähigkeit und Feuersicherheit wegen immer 
mehr zugenommen. Doch ist auch die Verwendung 
des Eisens stets von den künstlerischen Strömungen 
im Hochbau abhängig gewesen. Es hat eine Zeit ge 
geben, wo die beiden untersten Geschosse von Ge 
schäftshäusern ausschliesslich auf möglichst dünnen 
Eisenteilen standen, während in neuester Zeit für die 
stützenden Teile der unteren Geschosse grosser Ge 
schäftshäuser mit stattlichen Ladenfenstern die dem 
natürlichen Gefühle entsprechend umfangreichere Stein 
stütze wieder in ihre Rechte tritt. Anders aber z. B. 
bei den Deckenbildungen. 
Auch in der Entwicklung der Decken hat sich, 
vom konstruktiven Standpunkte aus betrachtet, eine 
völlige Umwälzung vollzogen. Der Fläche nach über 
wiegen allerdings auch heute noch, und namentlich in 
den einfacheren Wohnhäusern, die gestakten Balken 
decken. Aber in den neueren, sogen, herrschaftlichen 
Wohnhausbauten, dann namentlich in Geschäftshäusern, 
Monumentalbauten, Magazinen, Lagerhäusern u. s. w. 
haben die Rücksichten auf die Sicherheit gegen Feuers 
gefahr und Schwammbildung, sowie auf die leichte Hör 
barkeit und Fortpflanzungsfähigkeit des Schalles eine 
Reihe neuer Deckenkonstruktionen entstehen lassen, von 
welchen sich einige einer ausgebreiteten Verwendung er 
freuen. Eine schon bei älteren Monumentalbauten be 
nutzte und bewährte feuersichere Decke hat der Bild 
hauer A. Brasch-Berlin konstruiert: sie hat den Vor 
zug, dass die Ornamente, die sie schmücken, mit ein 
gegossen werden, so dass ein Herabfallen derselben 
nicht erfolgen kann. Diese Decke ist unter anderem zur 
Verwendung gelangt in den Kaiserzimmern des Central 
bahnhofes in Strassburg, im Sitzungssaale des Ministe 
riums der öffentlichen Arbeiten zu Berlin, sowie im 
Reichs-Versicherungsamt und im königlichen Schlosse 
daselbst. Für die Decke, wie auch für die weiterhin 
zu besprechenden Arbeiten bildet das Eisen in Ver 
bindung mit Ziegelstein oder einer erhärtenden Füll 
masse einen Hauptbestandteil. Wohl hat man versucht, 
da, wo die Holzbalkendecke aus irgend welchen Grün 
den beibehalten wurde, die Stakung durch Gips-, Zement- 
und andere fertig zu verlegende Tafeln zu ersetzen und 
erreichte dadurch den Vortheil der Ermöglichung un 
ausgesetzter Weiterarbeit, die nicht, wie bei der herge 
brachten Ausführung, auf das langwierige Austrocknen 
der Balkenfächerzu warten hatte, aber die Preiserhöhung 
war dann derart, dass der Unterschied gegenüber einer 
vollkommen feuersicheren Decke nicht mehr gross war. 
Dies führte zur Bevorzugung der Deckenkonstruk 
tionen letzterer Art. 
Weiter Verbreitung erfreut sich die Kleinesche 
Decke, welche auf der Ausstellung in mehrfacher 
Ausführung zu sehen war. Es ist dies eine horizontale, 
nicht gewölbte obereRaumabdeckung, die zwischen Eisen 
balken von der erforderlichen Stärke folgendermassen 
hergestellt wird: Schwemm-, Loch-, Streu- oder Voll 
steine werden auf einer von der Unterfläche der Schienen 
sich um Verputzesdicke fernhaltenden Rüstung hoch 
kantig derart verlegt, dass zwischen je zwei Backstein 
reihen gleichfalls hochkantig gestellte Bandeiseneinlagen 
in den Fugenmörtel zu liegen kommen. Die ungleich er 
höhte Festigkeit, welche Eiseneinlagen den Mörtel 
materialien zu verleihen imstande sind, und die Binde 
kraft des Mörtels zwischen den Ziegelsteinschichten 
bewirken die grosse Tragfähigkeit der Decke, die sich 
vor Konstruktionen mit ähnlichen Zielen, von der 
Billigkeit abgesehen, dadurch auszeichnet, dass sie 
unterhalb eine ebene Fläche zur unmittelbaren Auf 
tragung des Putzes bietet und deshalb für den Fall, 
dass man eine solche Fläche braucht, keine Hilfs 
konstruktionen nötig macht. 
Das ist bisweilen bei einer Decke der Fall, die an 
scheinend nicht zur Ausstellung gekommen ist, aber 
sich doch in letzter Zeit vielfacher Verbreitung erfreut: 
der Koenenschen Rippendecke. Es ist eine Art 
Betondecke auf kleinen Eisenträgern, die in Entfernungen 
von 30 cm zwischen den Hauptträgern verlegt werden, 
zwischen welchen in etwa 10 cm Stärke (bei normalen 
Ausführungen) Beton so aufgebracht wird, dass derselbe 
unterhalb einen halbkreisförmigen Hohlraum, oberhalb 
dagegen eine ebene Fläche bildet, auf welche unmittel 
bar das Fussbodenmaterial, wie Plättchen, Linoleum, 
Asphalt u. s. w. gelangen kann. 
Eine der Kleineschen verwandte Decke ist die 
gleichfalls weit verbreitete Schürmannsche Decke, 
welche statt der glatten Bandeisen Eiseneinlagen ver 
wendet, die zweiseitig gebuckelt sind und durch den 
Buckel eine Art Gewölbwiderlagfläche in die Kon 
struktion bringen wollen. 
Eine interessante, vielfach verwendete Konstruktion 
bietet auch die Donathsche Decke dar. Sie ist eine 
Eisenbalkendecke, bei welcher zwischen die Eisenbalken
	        
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