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Gruppe II. Bekleidungs-Industrie

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Angaben, die von wohl unterrichteter Seite bei den im 
vorigen Jahre stattgefundenen Verhandlungen zwischen 
Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemacht wurden, zu 
Grunde legen darf. 
Der Anerkennung der Ausländer folgte bald die 
gleiche Würdigung der Berliner Konfektion seitens 
des Inlandes. In kurzer Zeit hatte sie die führende 
Stellung auf allen Gebieten der Bekleidungsindustrie 
erworben. Die Leipziger Messe verdankt ihrem ehr 
würdigen Alter ein hohes Ansehen. Dorthin gingen 
alle auf die deutsche Fabrikation angewiesenen Ein 
käufer. Vom Beginn der siebziger Jahre an ent- 
sich vergrössernde Fremdenzufluss aus allen euro 
päischen und überseeischen Ländern bewog eine An 
zahl auswärtiger Grosshändler und Industrieller ihren 
Wohnsitz nach Berlin zu verlegen, um an dem regen 
Verkehr unmittelbar teilzunehmen. 
Aus Stettin und Westfalen sandte die Herren- 
garderoben-Konfektion ihre bedeutendsten Vertreter; 
aus Leipzig und Frankfurt am Main stellten sich die 
ältesten Spitzenfirmen ein; infolge des steigenden Be 
darfs an weissen und bedruckten Baumwollstoffen von 
Seiten der Kostüm-, Blusen- und Schürzenkonfektion, 
erschienen elsasser, rheinländische und sächsische Firmen 
schlossen sich jedoch viele Deutsche und Fremde nur 
schwer zur Heimkehr, ohne den Weg über die Reichs 
hauptstadt einzuschlagen. Der Besuch galt nicht so 
wohl dem Einkauf, als dem Studium der Modeerzeug 
nisse für Damenkleidung. 
Diese regelmässige Einkehr wird heute noch auf 
Grund ihrer ursprünglichen Veranlassung als »Durch 
reise« bezeichnet. Sie hat sich indessen zu einer 
grossen Messe, die sich jährlich zweimal, vor Beginn 
der Frühjahrs- und Sommersaison, im März und August 
wiederholt, entwickelt. 
Der Beweis, dass sich unsere Stadt zum Sammel 
ort des deutschen Handels emporgeschwungen hat, 
wurde auch bald von einer anderen Seite geführt. Der 
mit grossen Lägern auf dem Absatzmarkt. Die An 
regungen, welche die Webereien und Druckereien 
empfingen, vergalten sie durch das Bemühen, alle 
für das Ausland und Inland benötigten Stoffe früh 
zeitig und vollzählig zu jeder neuen Saison herbei 
zuschaffen. 
Jeder Versuch, ein Bild der industriellen Ver 
gangenheit Berlins zu entwerfen, ohne der rühmlichen 
Mitwirkung des Detailgeschäfts gebührende Anerkennung 
zu zollen, würde eine Lücke aufweisen. Gerade an dieser 
Stelle, wo es sich darum handelt, den Gesamteindruck der 
Ausstellung über die kurze Zeit ihres Bestehens hinaus 
festzuhalten, muss der grossen Magazine gedacht werden, 
die sich durch hervorragende Leistungen als Aussteller
	        
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