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Berlin und sein Gewerbefleiss

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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redaktion und die Ausarbeitung des allgemeinen Teils, 
mit Ausnahme der von den Verfassern Unterzeichneten 
Abschnitte, lagen in den Händen des Syndikus des Ver 
eins Berliner Kaufleute und Industrieller Dr. Heinrich 
Fränkel, dem als zweiter Redakteur der Schriftsteller 
AlbertWillner zur Seite stand. Im Aufträge des geschäfts 
führenden Ausschusses der Ausstellung war eine be 
sondere Kommission für die Vorbereitung des Berichts 
werkes thätig. Den Vorsitz führte Herr Generaldirektor 
Friedrich Goldschmidt; als Mitglieder gehörten der 
Kommission an die Herren Kommerzienrat Ernst 
Behrens, Architekt Karl Hoffacker, Stadtverordneter 
Leopold Rosenow und Oekonomierat Ludwig 
Spaeth. Von den Mitgliedern des Arbeitsausschusses 
nahm an den Arbeiten für das Berichtswerk Geh. Kom 
merzienrat Ludwig Max Goldberger teil. Besondere 
Hervorhebung verdient das opferbereite Entgegen 
kommen des Verlegers Herrn Konsul Ernst Vohsen 
in Firma Dietrich Reimer, wodurch es in Verbindung 
mit dem vom geschäftsführenden Ausschüsse bewilligten 
Kostenbeitrag möglich wurde, für das Berichtswerk einen 
ganz aussergewöhnlicb niedrigen Preis festzusetzen, um 
ein ernstes und lehrreiches Buch allen Kreisen zugäng 
lich zu machen. 
Der Schwerpunkt liegt naturgemäss in den fach 
männischen Einzelberichten. Dieselben enthalten keine 
vollständige Aufzählung der Aussteller, da hierfür die im 
Verlage von Rudolf Mosse erschienenen Spezialkataloge 
auch künftig zu Gebote stehen werden. Insbesondere ist 
das Studium derselben den Interessenten der einzelnen 
Geschäftszweige, den Technikern und Exporteuren zu 
empfehlen, da die JCataloge nicht nur genaue Angaben 
über die; Aussteller und Ausstellungsgegenstände, sondern 
auch zum Teil vorzügliche Einführungen in die Kenntnis 
der einzelnen Geschäftszweige und deren gegenwärtigen 
Stand, besonders in Berlin, enthalten. Ausserdem sind 
die mit Medaillen und Ehrenzeugnissen ausgezeichneten 
Aussteller am Schlüsse der Gruppen- und L T ntergruppen- 
Berichte aufgeführt. 
Die Klischees für die Illustrationen des Berichts 
werkes sind teils nach Zeichnungen, teils (unbeschadet 
der Rechte des »Verbandes für Photographie und deren 
Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Aus 
stellung 1896 G. m. b. H.«) nach Photographien an 
gefertigt, und zwar, soweit die Aussteller sie nicht selbst 
lieferten, durch die Berliner Firmen Meisenbach, 
Riffarth & Co., Albert Frisch und Fischer & 
Dr. Bröckelmann. 
Berlin und sein Gewerbefleiss. 
Das kleine Berlin des Mittelalters, bekanntlich aus 
den beiden Städten Berlin und Kölln bestehend, konnte 
sich, wie schon angedeutet, auch an gewerblicher Be 
deutung mit vielen anderen deutschen Städten in keiner 
Weise messen. Die verschiedenen Handwerkszweige 
waren natürlich vertreten. Kölln bot bis zu seiner 
Vereinigung mit Berlin (1307) kein lebensvolles Bild; 
denn seine Bürgerschaft war arm, so dass die Gewerke 
nicht gedeihen konnten. Desto kräftiger entwickelt 
war das bürgerliche Leben Berlins im engeren Sinne 
in früher Zeit; schon damals sind die ältesten Gewerke 
entstanden. So treffen wir bereits in dieser Periode 
von den sogenannten »niederen« Handwerkern Fischer, 
Tuchscherer und Schreiner, sowie die »ehrbaren und 
starken« Schmiedemeister und Schwertfeger an. Allein, 
die Handwerker Berlins haben sich, in Zünfte vereinigt, 
ihre Privilegien erst schwer erkämpfen müssen. Denn 
die Geschichte des jungen, aufstrebenden Gemeinwesens 
an der Spree ist — mit Rücksicht hierauf betrachtet — 
im wesentlichen durchaus dieselbe wie die aller mittel 
alterlichen Städte: auch Berlins frühe Zeiten sind aus 
gefüllt von Kämpfen, welche die Zünfte mit dem Rate 
der Stadt führen mussten, um sich einen Anteil an der 
Regierung derselben zu erstreiten. Der Rat, der aus 
den »Geschlechtern« und den begüterten Handwerkern, 
Kaufleuten, Krämern, Kürschnern und Messerschmieden 
bestand, hielt eifersüchtig die Leitung der städtischen 
Angelegenheiten in Händen und verstattete anfangs den 
Zünften keinen Anteil daran. Die Vorkämpfer dieser 
Bewegung gegen die regierenden Klassen waren in 
Berlin die »Viergewerke«, welche aus den »Knochen 
hauern«, d. h. den Fleischern, deren es schon in der 
Mitte des 13. Jahrhunderts ausser den Wurstmachern 
46 gab, ferner den Wollenwebern (einschliesslich der 
Raschmacher), den Schustern und Bäckern zusammen 
gesetzt waren, und die zuerst dem Stadtadel einen 
Teil der Stadtverwaltung abgerungen haben. Der 
älteste Gildenbrief, welchen wir kennen, ist der der 
Bäcker; er stammt aus dem Jahre 1272. Rasch musste 
der zögernde Rat mit der Erteilung weiterer Innungs 
rechte fortfahren: 1280 erhielten die Kürschner ihr 
Privileg; 1284 empfingen die Schuhmacher ihr Statut; 
in demselben Jahre wurden auch die »Altbüsser«, 
d. h. die Schuhflicker, deren Gilde schon seit Begründung 
der Stadt vorhanden war, neu bestätigt. 1288 wurde 
das Schneidergewerk gestiftet; 1289 erscheint auch das Ge 
werk der Weber, 1295 insbesondere das der Wollenweber. 
Das Schlächtergewerbe wird zuerst 1311 erwähnt. Aus 
dem Jahre 1331 ist ein interessanter Brief des Rates 
auf uns gekommen, der das Verhalten der »Knappen« 
der Leinen- und Wollenweber regelt. Späterhin, im 
Jahre 1488, wurde am Fischmarkte eine Apotheke 
privilegiert, obgleich es deren in Berlin schon früher 
mehrere gab. Die erste Buchdruckerei wurde in Berlin 
erst verhältnismässig spät, 1539, errichtet. In den frühe 
sten Tagen der Stadt und noch einige Jahrhunderte 
später betrieben die Handwerker ihre Hantierungen auf 
offener Strasse unter freiem Himmel, natürlich soweit 
die Jahreszeit es erlaubte, während die »Knochenhauer« 
im »Wursthofe« der Stadt schlachteten.
	        
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