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Die Festlichkeiten in der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Die Musik in der Berliner Gewerbe- 
Ausstellung 1896. 
In jahrzehntelangem Ringen hat Berlin 
sich die Stellung der ersten Musikstadt in 
Deutschland erobert. Wien und Leipzig, 
ehemals die Musik-Metropolen deutscher 
Zunge, sind, unbeschadet ihres noch immer 
bedeutsamen Ranges für das öffentliche 
Musikleben, von der Reichshauptstadt 
qualitativ und leider auch quantitativ 
in Bezug auf die öffentliche Musikpflege 
überholt worden. Mit einigem Recht durften 
deshalb wohl die musikalischen Kreise Berlins 
die Hoffnung nähren, dass auf der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung 1896 einem so hoch 
Portal von Gruppe X. 
Industriegebäudes die Ausstellung geschlossen. 
Nachdem der Ehrenpräsident der Gewerbe-Ausstellung, 
Herr Staatsminister von Berlepsch, sowie der Minister 
für Handel und Gewerbe, Herr Brefeld, vom Arbeits 
ausschuss geführt, den Kuppelsaal betreten hatten, be 
gann die durch Musik eingeleitete Feier. Der erste 
Vorsitzende des Arbeitsausschusses, Herr Kommerzien 
rat Kühnemann, brachte dem Protektor, Sr. Königl. 
Hoheit dem Prinzen Friedrich Leopold von 
Preussen, den Dank dar. Der erste stellvertretende 
Vorsitzende Herr Baumeister und Landtagsabgeordneter 
Fe lisch, sprach dem Herrn Ehrenpräsidenten und der 
Stadt Berlin den Dank aus. Gleichfalls dankend sprach 
der zweite stellvertretende Vorsitzende, Herr Geh. Kom 
merzienrat Goldberger, zu den ehrenamtlichen Organen 
und den Ausstellern. Hierauf hielt Herr Minister Brefeld 
eine Ansprache über Bedeutung und Wert der Aus 
stellung. Es folgte der Bericht über die Ergebnisse 
der Ausstellung, welchen Herr Staatsminister von 
Berlepsch gab, der nach einem Dank an die König 
liche Staatsregierung die vom Preisgericht zuerkannten 
Ehrenzeugnisse verkündete. Mit einem Hoch auf Se. 
Majestät den Kaiser schloss Herr von 
Berlepsch die Ausstellung. 
Am Abend dieses Tages flammten 
und glühten noch einmal alle Vorrichtungen 
der so oft und gern bewunderten Illumina 
tion im hellen Glanz auf. Noch einmal 
entwickelte sich reges Leben und Treiben 
zwischen den erleuchteten Bogen in der 
Platanenallee, noch einmal klangen die 
Musikstücke fröhlich und ernst aus den 
Pavillons am See, und erst in mitternächt 
licher Stunde wurde es still auf dem Gelände 
der Ausstellung, wo nun »Fest und Festes 
klang zu Ende waren«. 
J. J. van den Wyngaert. 
ausgebildeten Kulturmittel, wie die Musik es geworden 
ist, ein hervorragender Platz eingeräumt werden würde, 
zumal den Hunderttausenden von Fremden, die für die 
Ausstellungszeit in Berlin zu erwarten waren, hätte 
Gelegenheit geboten werden können, sich von dem 
gewaltigen Aufschwung des Berliner Musiklebens zu 
überzeugen. Diese Hoffnung ist leider unerfüllt ge 
blieben, denn der Musikbedarf der Ausstellung wurde 
nicht unter einem höheren künstlerischen Gesichtspunkt 
gedeckt, sondern vielmehr unter dem tieferliegenden 
des musikalischen Gewerbes. 
Diese Thatsache ist hauptsächlich auf den Umstand 
zurückzuführen, dass es auf dem ganzen weiten Ge 
lände der Ausstellung an einem Saale fehlte, in welchem 
gute Sinfonie- und Solistenkonzerte von künstlerischem 
Werte hätten abgehalten werden können. Ein ge 
räumiger Konzertsaal, wie ihn die Weltausstellungen 
besassen, war für die Berliner Gewerbe-Ausstellung gar 
nicht vorgesehen. An diesem Mangel scheiterte von 
vornherein die Verwendung eines Sinfonie-(Streich-) 
Orchesters, wie etwa des Philharmonischen Orchesters, 
das nicht nur in Berlin, sondern auch auswärts, wie
	        
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