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Das Verkehrswesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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wirken als anderwärts. Diese »Streiflichter« enthielten 
eine Fülle von Stoff, der zum Nachdenken anregte. 
Es würde zu weit führen, hier eingehend über ihren 
Inhalt zu berichten; es sei nur besonders erwähnt, dass 
das Album u. a. photographische Abbildungen von 
Auskünften aus den Jahren 1876, 1886 und 1896 mit 
beigefügtem Quellenmaterial enthält, aus denen man 
sofort ersehen konnte, wie die Auskunftei notwendig 
zu immer besseren Ergebnissen kommen konnte und 
bei ihrem bekannten unablässigen Streben nach Ver 
besserungen auch kommen musste. Ueber das Maass, 
in dem sie der Geschäftswelt dient, geben nachstehende 
Zahlen einen Begriff. Die Anstalt hat über 500 An 
gestellte, 21 Bureaus und Gesamtunkosten von über 2 Mil 
lionen Mark im Jahr. Es sind Milliarden von Um 
sätzen, die sich alljährlich glatt und schlank vollziehen 
können, weil die erforderlichen Auskünfte durch die 
Auskunftei rasch und zuverlässig beschafft werden. 
Der Besuch der Auskunftei war ein sehr reeer, 
und es zeigte sich bei vielen in- und ausländischen 
Geschäftsleuten ein reges Interesse für diese Ausstellung. 
Namentlich waren es russische Kauf leute und Industrielle, 
die das Gebotene einem eingehenden Studium unter 
zogen; die Auskunftei knüpfte eine Reihe neuer Ver 
bindungen, insbesondere mit russischen Geschäftsleuten 
an, um ihnen fortan Auskünfte über russische Firmen 
zu liefern. Hervorzuheben ist, dass es ein Japaner 
war, der mehrere Tage hindurch die Einrichtungen 
der Auskunftei sich zeigen und erklären liess, um, 
wie er sagte, in seinem Heimatlande eine gleiche Or 
ganisation ins Leben zu rufen. 
d) Max Karfunkels Nachrichten - Bureau 
» Argus «. 
Das Bureau war im südlichen Flügel der grossen 
Rotunde untergebracht; von Angestellten der Firma 
wurden täglich IOOO bis 1100 Zeitungen gelesen und 
alles dasjenige angemerkt, was die Kunden des Bureaus 
interessierte. Die angestrichenen Artikel wurden aus 
geschnitten, mit der Bezeichnung ihres Ursprungs ver 
sehen und den betreffenden Abonnenten zugeschickt. 
Der Kundenkreis des »Argus« setzt sich zusammen 
aus Künstlern und Schriftstellern, welche die Be 
urteilungen ihrer Werke suchen, aus Politikern, welche 
das über öffentliche Angelegenheiten Erscheinende 
sich senden lassen, aus Grossindustriellen, welche alle 
Nachrichten erhalten, aus denen sich eine Lieferung 
ergeben kann, aus Banken, Gelehrten, Kaufleuten 
u. dgl. 
Die Ausstellung hat für das Institut die segens 
reichsten Folgen gehabt; der Kundenkreis hat sich 
schon während der Ausstellung nahezu verdoppelt und 
hat nach dem Schlüsse derselben eine weitere Zunahme 
gezeigt. 
4. Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehr. 
Zum Schluss mögen noch einige Angaben über den 
regenVerkehr des in der Ausstellung eingerichteten Kaiser 
lichen Postamts hier Platz finden. Es wurden während der 
Dauer der Ausstellungaufgeliefert: 2i2937Briefe, 1836035 
Postkarten, 114428 Drucksachen, 9134 Rohrpost 
sendungen, 23 894 Telegramme, im ganzen einschl. 
Warenproben, Eilbriefsendungen, Postanweisungen u. dgL 
2 224 416 Sendungen. Der Eingang bezifferte sich auf 
566 002 Sendungen, worunter gewöhnliche Briefe mit 
214759, Postkarten mit 129850, Drucksachen mit 
85 793; Zeitungen mit 109 261 Stück die Hauptbestand 
teile ausmachten. Der Geldumsatz bezifferte sich aut 
819 747 Mark. An Personal waren vorhanden 12 Beamte 
und 22 Unterbeamte; die Verbindung mit der Stadt 
war durch Botenposten hergestellt, zu denen Mitte Juli 
noch 3 Eilboten (mittels Zweirades) hinzutraten. Im 
Schalterraum waren 10 einfache und 4 Doppelschreib 
pulte, im Gelände der Ausstellung 29 Briefkästen auf 
gestellt. Am 20. Oktober wurde das Amt geschlossen. 
Erwähnt sei noch, dass neben dem Kaiserlichen Post 
amt auch die Berliner Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft 
ein Bureau in der Ausstellung errichtet hatte, durch 
welches 180 OOO kg Packetsendungen befördert wurden. 
Die Benutzung der Fernsprechanschlüsse war eine 
so starke, dass zur ordnungsmässigen Bewältigung des 
Sprechverkehrs die Herstellung von 80 Verbindungs 
leitungen mit den Berliner Aemtern erforderlich wurde. 
Das Interesse, welches das Vermittlungsamt bei den 
Besuchern der Ausstellung erweckte, ergiebt sich am 
besten daraus, dass allein am ersten Pfingstfeiertage 
das Amt von rund 5600 Personen in Augenschein ge 
nommen worden ist. Das Fernsprechamt war mit 
2 Aufsichtsbeamten, 14 Fernsprechgehilfinnen und 
2 Unterbeamten besetzt. Zur Ausführung der Ver 
bindungen dienten 2 tischförmige Umschaltetafeln, von 
denen eine jede eine Aufnahmefähigkeit von 10 800 
Leitungen besass. Die Umschaltetafeln waren aus der 
Telegraphen-Bauanstalt von R. Stock & Co. in Berlin 
hervorgegangen. 
* 
Ich schliesse diesen Verkehrsbericht mit einem 
Hinweis auf den polizeilich ermittelten Fremdenverkehr 
in Gasthöfen, Hotelgarnis und sonstigen Anstalten zur 
Beherbergung von Fremden: 
April 
Mai 
Juni 
Juli 
August 
Sep 
tember 
Ok 
tober 
1896 
45 568 
65738 
74 743 
84 877 
9i S93 
86651 
62 322 
1895 
45 I2 8 
47 672 
5i 759 
54 620 
63 092 
60 259 
56 908 
Klinke, 
Eisenbahnbau- und Betriebs-Inspektor.
	        
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